Herr Molicki, Sie sammeln Kunst für sinnvolle Zwecke. Ich habe Ihnen ein Bild mitgebracht, können Sie mit dem Werk etwas anfangen?

Wir können mit allem was anfangen, denn wir wissen nicht, was daraus wird. Das entscheidet letztlich derjenige, der herkommt und den das Kunstwerk interessiert. Ich kann mir aber vorstellen, dass manch einer sagt, das ist es, das möchte ich mir hinhängen.

Trauen Sie sich zu, das Kunstwerk in seinem Wert einzuschätzen?

Das würde ich mich nicht trauen, weil das im Auge des Betrachters liegt. Dazu ist der Kunstmarkt zu divergierend. Es hat für den Einen einen hohen Wert – vielleicht mag er die Sonnenblumen, verbindet damit etwas oder wollte schon immer ein Sonnenblumenbild haben. Demjenigen ist es vielleicht 100 Euro wert. Ein anderer sagt: ich kenne den Maler nicht und ich gehe nur nach den Malern.

Warum gibt es die Aktion? Wollen Sie die Vereinskasse etwas aufbessern?

Das ist eigentlich erst der dritte Zweck. Der allererste ist, dass wir die Diskussion über Kunst und Kitsch anregen wollen. In den letzten Jahren hat sich da einiges getan, da ist Kunst nicht mehr so abgegrenzt vom Kitsch. Spätestens seit Jeff Koons seine Luftballonhunde teuer verkauft, weiß man, da haben sich die Werte verschoben.

Sie wollen mit ihrer Sammlung also Grenzen ausloten? Oder was genau ist das Ziel der Diskussion?

Wir wollen nicht Grenzen ausloten sondern den Besuchern überlassen, zu entscheiden, was ihnen gefällt. Manchen gefällt etwas, was ein anderer Kitsch nennt. Wir haben zum Beispiel ein Kunstdruckbuch von HAP Grießhaber bekommen, da werden sicherlich die Kunstfreunde drauf einsteigen. Diejenigen, die eher den röhrenden Hirsch im Wohnzimmer haben wollen, die finden das vielleicht lapidar. Und diese ganze Diskussion hat sich in der Kunstwelt so relativiert, dass man sagen kann, dass der Kitsch zur Avantgarde geworden ist.

Ihre Aktion ist nicht alltäglich. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Die ist eigentlich innerhalb unseres Vorstands entstanden. Wir überlegen uns regelmäßig, welche Aktionen die Menschen interessieren. Wir wollen deutlich machen, dass Kunst immer etwas ist, das im Auge des Betrachters liegt. Und, dass Menschen, die nicht zu einer Ausstellung gehen würden, mit Kunst in Berührung kommen – das ist der zweite Grund.

Sie beschäftigen sich viel mit Kunst. Wie schnell merken Sie, wenn jemand ein besonders wertvolles Werk vorbeibringt?

Da bin ich wie jeder andere – auch ich habe meinen eigenen Geschmack. Es gibt Arbeiten, die uns gebracht werden, die würde ich mir nicht hinhängen, ein anderer würde aber sagen, dass das Kunst ist. Ich selber habe auch Bilder, an die ich Erinnerungen knüpfe, die jemand anderes vielleicht als kitschig bezeichnen würde.

Wie werden die Kunstwerke weitergegeben, damit auch ein bisschen Geld in Ihre Vereinskasse fließt?

Das werden wir flexibel handhaben. So, dass derjenige, der vorbeikommt, einen Preis nennen darf. Wenn das einigermaßen im Rahmen liegt, dann bestimmt der Besucher den Preis. Wir haben aber auch erstaunlich viele exklusive Arbeiten, die nicht für ein paar Euro weggehen sollten. Auf die kann man dann bis zum Ende der Ausstellung ein Gebot abgeben. Am 18.März ab 15 Uhr werden diese Highlights dann endgültig meistbietend versteigert.

Wie sind denn die ersten Reaktionen?

Wir bekommen begeisterte Rückmeldungen von Leuten, die sagen, das ist eine tolle Idee. Wir haben mittlerweile über 150 Kunstwerke erhalten. Das sind unter anderem Bilder, Porzellanteller oder Holzschnitzfiguren, auch ganz wertvolle Bilder von Künstlern aus der Region.

Haben Sie ein interessantes Beispiel?

Ja, wir haben ein Hochzeitsbild, das ein Pfarrer aus Königsfeld 1909 verschenkt hat. Der Pfarrer war von 1905 bis 1909 Pfarrer der Herrnhuter Brüdergemeine. Das Bild haben wir hier, wir wissen aber nicht, welches Paar damit beschenkt wurde.

Ist eingeschränkt, was Sie annehmen oder sind keine Grenzen gesetzt?

Ich denke, es gibt schon Grenzen. Die fangen vielleicht beim Sperrmüll an, da würden wir dann nichts annehmen.

Sie haben gesagt, dass der finanzielle Aspekt nur der dritte Zweck ist. Trotzdem gab es im letzten Jahr eine Diskussion über die Finanzierung Ihres Vereins. Ist diese Aktion eine Reaktion?

Ja, sicherlich ist das auch ein Teilaspekt. Unsere Arbeit als gemeinnütziger Verein wollen wir aber nicht nur unter dem finanziellen Gesichtspunkt sehen. Wir sind ein ideeller Verein und alle ehrenamtlich tätig, da geht es nicht in erster Linie um das Geld. Dass wir natürlich Unkosten haben und uns finanzieren müssen, das ist ganz klar.

Vor allem die Finanzierung des Kunstraums war fraglich. Ist das gesichert?

Dank vieler Aktionen und Unterstützer können wir ganz zufrieden in die nähere Zukunft blicken.

Zu Person und Aktion

Manfred Molicki (69) ist Vorsitzender des Vereins Kunstkultur Königsfeld. Er ist pensionierter Rektor, Zeitforscher, Buchautor und Gründer der "Gesellschaft für Zeitkultur". Mit der Kunst-Kitsch-Aktion, die in Teamarbeit im Verein entstanden ist, sollen alte Kunstobjekte gesammelt werden. Jeder kann etwas vorbeibringen – so soll eine Diskussion entstehen. Auch sollen dadurch Leute an die Kunst herangeführt werden und Vereinskasse von Kunstkultur aufgebessert werden. Werke können samstags und sonntags zwischen 15 und 17 Uhr bis 25. Februar im Kunstraum abgegeben werden. Am Samstag, 4.März, um 15 Uhr werden die Stücke präsentiert und sollen Käufer finden. (pga)