Seit mehr als sieben Monaten lebt die Erdmannsweilerin Sandra Polkowski im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca und arbeitet dort für die Menschenrechtsorganisation Codigo DH. In dieser Zeit erlebte sie die Gastfreundschaft der dort lebenden Menschen, aber auch die verheerenden Erdbeben, die beinahe 370 Menschen das Leben kosteten. Dem SÜDKURIER berichtet Sandra Polkowski in unregelmäßigen Abständen von ihren Erfahrungen in dem fernen Land.

  • Viele Leben in Armut: "Ich bin nun seit über sieben Monaten in Mexiko und habe mich in dieser Zeit sehr verändert", sagt die Erdmannsweilerin. "Allerdings werden meine Werte und Vorstellungen immer wieder infrage gestellt." Sie habe erkannt, wie privilegiert das Leben sei, das sie sowohl in Deutschland, als auch bei ihrer Gastfamilie in Mexiko führe. "Jedoch arbeite ich bei einer Menschenrechtsorganisation und bekomme sehr deutlich mit, dass es vielen Menschen, vor allem auch hier im Süden Mexikos, nicht so geht."
  • Bewusster einkaufen: Sie habe sich mit dem Einfluss großer, multinationaler Firmen in Oaxaca beschäftigt und begonnen, die Praxis, mit der diese vorgehen, zu hinterfragen. "Ich persönlich möchte solche Betriebe nicht weiter unterstützen, doch ich habe schon beim nächsten Besuch in einem Drogeriemarkt gemerkt, dass dies gar nicht so einfach ist", sagt sie. Denn man komme um die Großkonzerne nur schwer herum. "In diesem Fall habe ich Deutschland doch sehr vermisst, denn dort ist die Auswahl einfach größer."
  • Teil von Familienfeiern: Dass es aber mehr als nur Schattenseiten gibt, habe sie ebenso erfahren dürfen. "Im Dezember begann die Vorweihnachtszeit mit den traditionellen Posadas, einer Art Weihnachtsfeier, die hier an den neun Tagen bis zum Heiligen Abend gefeiert werden. Die neun Tage stehen dabei symbolisch für die neun Monate Schwangerschaft Marias mit dem Jesuskind. Dabei werden die Herbergssuche in Bethlehem nachgespielt, gesungen, Reden gehalten und gegessen und getrunken. "Außerdem dürfen die Kinder versuchen, die typisch mexikanischen Piñatas zu zerschlagen, um an die darin enthaltenden Süßigkeiten zu kommen", erzählt Sandra Polkowski. Heimweh habe sie in dieser Zeit, die sie mit ihrer Gastfamilie verbrachte, kein bisschen gehabt.
  • Kluft zwischen Arm und Reich: Auch ein Besuch in Mérida auf der Yucatán-Halbinsel zähle für sie zu den vielen positiven Erlebnissen. "Insgesamt ist Mérida ganz anders, als meine mexikanische Heimatstadt Oaxaca", sagt Sandra Polkowski. Die Stadt sei sauberer, der Verkehr geregelt und die Armut der Menschen bleibe einem verborgen. Das verdeutliche, welche Unterschiede in Mexiko zwischen den Menschen herrschen. Sie habe dort Silvester bei der Familie ihrer ehemaligen Gastschwester, die bei ihr in Deutschland gewohnt hat, verbracht. "Es hat sich für mich angefühlt, wie eine andere Welt." Etwas ganz Besonderes sei der Besuch eines Cenote gewesen. Dabei handelt es sich um mit Süßwasser gefüllte Löcher, die beim Einsturz von Höhlendecken entstanden sind, und die es nur in Mexiko und auf den Philippinen gebe", erklärt die Königsfelderin.
  • Zweite Heimat gefunden: Noch rund vier Monate wird Sandra Polkowski auf dem südamerikanischen Kontinent verbringen, dann geht es zurück nach Königsfeld. Fürs Erste, wie sie betont. Denn sie habe sich entschlossen, die zwei Auslandsjahre ihres im September beginnenden Studiums statt in Brasilien in Mexiko zu verbringen. "Damit steht nun fest, dass dies nicht mein letzter längerer Aufenthalt hier sein wird", sagt sie. "Bei meiner Ankunft hätte ich niemals erwartet, dass ich hier einmal so glücklich sein könnte." Doch in den vergangenen sieben Monaten habe sich vieles verändert. "Ich will hier gar nicht mehr weg." Sie wolle die kommenden vier Monate, die sie noch in dem südamerikanische Land verbringen wird, genießen, denn "derzeit vergliegen die Tage einfach nur und ich würde die Zeit sehr gerne anhalten."
    Die Erdmannsweilerin Sandra Polkowski genießt das Wasser eines sogenannten Cenote, ein Loch, das durch einen Höhleneinsturz entstanden ist. <em>Bilder: Sandra Polkowski</em>
    Die Erdmannsweilerin Sandra Polkowski genießt das Wasser eines sogenannten Cenote, ein Loch, das durch einen Höhleneinsturz entstanden ist. | Bild: Sandra Polkowski