Von allen Seiten drängten am Freitagabend rund 50 Musikfreunde in das Albert-Schweitzer-Haus, das im vorigen Jahrhundert als Wohnhaus der Familie Schweitzer diente. Bürgermeister Fritz Link, der gleichzeitig auch der Vize-Vorsitzende des Historischen Vereins von Königsfeld ist, sprach bei der Begrüßung von einem besonderen Abendkonzert, weil das Tropenklavier, das Albert Schweitzer gehörte, eingesetzt wird. "Wir können stolz auf dieses Klavier sein, denn es ist nicht nur ein antiquarisches Instrument, sondern auch eine Rarität", betonte der Bürgermeister.

Christiane Engel, die Enkeltochter des berühmten Urwaldarztes, habe das Klavier dem Albert-Schweitzer-Haus als Dauer-Leihgabe zur Verfügung gestellt. Das Instrument, das mit Orgelpedalen ausgestattet ist, wurde vor dem Ersten Weltkrieg in Paris gebaut und ging 1926 als Geschenk an Albert Schweitzer, der ein begnadeter Musiker war und im Heimaturlaub mit Konzert-Touren sein Urwaldhospital in Afrika finanzierte. "Schon 1912 bekam Schweitzer von der Bach-Gesellschaft in Paris ein Tropenklavier geschenkt, das er ein Jahr später nach Afrika mitnahm", informierte Fritz Link. In Lambarene funktionierte es ohne Probleme, da es nicht – wie damals üblich – mit heißem Leim verarbeitet wurde, sondern mit tropenfestem Klebstoff.

Der Pianist Klaus Schüller machte auf die technischen Einzelheiten des Instrumentes aufmerksam, das eine Komposition von Klavier und Orgel darstellt. Dann konnte das ungewöhnliche Klangerlebnis fürs Publikum beginnen. Beim ersten Musikstück von Johann Sebastian Bach bediente Schüller nicht die Tasten, sondern nur die Pedale. "Das Pedal-Ecertitium für Orgel G-Moll entstand etwa um 1715", wusste der Musiker. Aus den mehr als 1000 Kompositionen von Bach erklangen anschließend drei Flötensonaten. "Vieles deutet darauf hin, dass sie nicht von Bach selbst komponiert wurden, sondern von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel", sagte Klaus Schüller, bevor er in die Tasten griff.

Die Flötistin Agnes Suszter begleitete die Sonaten mit ihrer Querflöte. Der italienische Pianist Alfredo Casella stand ebenfalls auf dem Programm der beiden Musiker, bevor das Bach-Choralvorspiel "Ich ruf zu dir, Herr Jesus Christ" auf dem Klavier intoniert wurde. Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Charles-Marie Widor und Dimitri Schostakowitsch vervollständigten den harmonischen Abend. Der begeisterte Applaus des Publikums für das außergewöhnliche Konzert wollte zum Abschluss des musikalischen Abends nicht mehr enden.


 

Musiker

Agnes Suszter stammt aus Ungarn, wo sie ihre Ausbildung zur qualifizierten Kirchenmusikerin 2012 mit dem Doktorat in Querflöte abschloss. Zahlreiche Auszeichnungen in ganz Europa folgten. Seit vier Jahren lebt die Musikerin in Deutschland. In Villingen gibt sie Querflöten-Unterricht, in Weilersbach leitet sie den Kirchenchor und mit einem Flötentrio gibt sie Konzerte. Klaus Schüller nahm schon als Kind Orgelunterricht und steuerte nach dem Abitur den Lehrerberuf an. Nach vielen Jahren als Organist und Chorleiter in München und Frankfurt unterrichtet er seit 2002 an den Zinzendorfschulen in Königsfeld Mathematik, Latein und katholische Religion. Seit vier Jahren musiziert der Organist gemeinsam mit Agnes Suszter. (kim)