Was ist davon zu halten, wenn die eine Hälfte der Gemeinderäte fast ein halbes Jahr lang wegen der geplanten Marktansiedlung von Aldi und Rossmann mit "Bauchschmerzen" durch das Dorf läuft, weil sie um die Brisanz des Themas weiß, während die andere Hälfte zusammen mit dem Rest der Bürgerschaft aus allen Wolken fällt, weil ihnen die Details bis kurz vor knapp noch unbekannt sind? Und was soll man davon halten, dass die Bürger ihren Gemeinderäten so zahlreich einen Besuch im Ausschuss abstatten, dass viele über Stunden stehen oder auf dem Boden kauern, nur um die Debatte zu verfolgen, die ihren Heimatort umtreibt?

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Jedem steht frei, die Pläne in jeder Schattierung von hervorragend bis schrecklich zu bewerten. Allen wird man es nie recht machen können, ganz gleich an welchem Standort und gleich mit welchem Konzept. Der bitterste Beigeschmack dieses Abends ist jedoch der mehrfach geäußerte Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung. Er lässt alle guten Absichten verblassen, die sicher auch mit der Marktansiedlung verbunden sind. Mitsprechen, diskutieren, abwägen, sich einbringen, Alternativen erkunden oder sich einfach nur eine Meinung bilden – all das ist den Bürgern im Fall von Aldi und Rossmann bislang verwehrt worden. Dabei zeigt gerade die große Präsenz der Bürgerschaft, dass es einen Bedarf und das Interesse gibt, sich konstruktiv mit den Belangen der eigenen Gemeinde auseinanderzusetzen.

Diejenigen, die für dieses Projekt verantwortlich zeichnen, müssen sich fragen lassen, ob die hier par excellence demonstrierte Hinterzimmerpolitik in der heutigen Zeit noch angemessen ist. In der Außenwirkung hat die so auf bewusstes Leben setzende Gemeinde Königsfeld zumindest für einige hochgezogene Augenbrauen gesorgt. Gut, dass es eine lebendige Dorfgemeinschaft gibt, die bereit ist, sich munter einzubringen und die ihre gewählten Vertreter in die Pflicht nimmt. So war der Mittwochabend für viele eine Auszeichnung und für einige wenige eine riesige Blamage.