Mitte Mai verbrachte der Königsfelder Weltenbummler Martin Krauss zwölf Tage in Surinam. Wie bei seinen Reisen üblich, war die Zeit in einem von Südamerikas kleinsten Länder abenteuerlich und nicht ohne Gefahren. Einen Vortrag über seine Reise hält Krauss am Dienstag, 10. Juli, um 18 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum Königsfeld. Dem SÜDKURIER hat er aber schon jetzt das eine oder andere Erlebnis verraten.

In den 60-er Jahren habe er ein Jahr im Amazonasgebiet gelebt und seitdem schon immer nach Surinam gewollt, erzählt der 81 Jahre alte Königsfelder, der im Januar des Jahres 2018 bereits Indien und Sri Lanka bereist hatte. Über die guten Verbindungen der Herrnhuter Brüdergemeine mit der Surinamer Evangelischen Kirche habe er dort bald Kontakt gefunden: Eine frühere Königsfelder Pastorin ist zurzeit in dem südamerikanischen Land tätig. Bei ihrer Familie sei er in einem Gästezimmer untergekommen, versorgt habe er sich selbst.

Das Flugzeug landete mitten im Dschungel, eine Autostunde von der Hauptstadt Paramaribo entfernt, erinnert sich Martin Krauss. Bereits unterwegs im Flugzeug habe er einen neuen Freund gefunden. Mit diesem und dessen Bekannten sei er nach der Landung durch zahlreiche kleine Dörfer und auf sehr schlechten, holprigen Straßen in die Hauptstadt gefahren worden, direkt vor das Haus der Pfarrerin.

Paramaribo habe er als eine Stadt der wahnsinnigen Gegensätze empfunden, berichtet der 81-Jährige. Einerseits gebe es wunderschöne, große, umzäunte Häuser, andererseits zerfallene Hütten mit Blechdach oder sogar Zelte. Hinzu kommen noch jede Menge Casinos, in denen die Einheimischen ihr weniges Geld verspielen, berichtet Martin Krauss. Auch die Vielfalt der Religionen habe ihn fasziniert: Synagogen, Moscheen und christliche Kirchen stehen dort friedlich direkt nebeneinander, ohne Diskrepanzen zwischen den Einwohnern verschiedener Glaubensrichtungen.

Die Natur habe ihn am meisten fasziniert: 90 Prozent von Surinam ist Urwald und alles typisch tropisch. Die enorm hohe Luftfeuchtigkeit, die starken Regenfälle, die im Nu alles überschwemmen, das hohe Wasser nach dem Regen auf den Straßen, das oft Stromausfälle verursacht, unzählige Moskitos und eine zauberhafte Flora und Fauna mit bunten Papageien sowie Kolibris mit ihrem langen Schnabel, die beim Schweben den Nektar aus den kunterbunten Blüten holen.

Als bekennender Frühaufsteher habe er am frühen Morgen im Garten eimerweise Mangos einsammeln können, die er den Leguanen, Gürteltieren und Vögeln vor der Nase wegschnappte. Dann habe er, als Gegenleistung für seine kostenfreie Unterkunft, im Haushalt in dem auf wegen der übermäßigen Niederschlagmengen auf Stelzen stehenden Haus mitgeholfen. Nachts sei er dann zu müde gewesen, um sich an den Ameisen im Bett zu stören. "Die kriegt man ja eh nie weg, man gewöhnt sich bloß dran", Meint der Weltenbummler.

Zunächst mit dem Fahrrad, später mit einem Leihwagen sei er jeden Tag in die Stadt gefahren, wobei er den dort vorherrschenden Linksverkehr bewältigen musste. Er sei auch entlang der nordatlantischen Küste Richtung Osten bis zur Grenze von Französisch-Guayana gefahren und habe dabei Land und Leute in kennengelernt. Unter anderem kleine Gesundheitszentren ohne Ärzte, in denen die Tätigkeit der Krankenschwestern die Kindersterblichkeit deutlich reduziert habe.

Man habe ihn in Deutschland gewarnt und darauf hingewiesen, was er in Surinam alles nicht tun sollte, erinnert sich Martin Krauss. Gemacht habe er trotzdem alles, was er wollte. Zu Mittag habe es auf der Straße in den Dörfern Reis mit Bohnen oder Linsen gegeben und Wasser habe er aus der Leitung getrunken. In den von Piranhas und Krokodilen bewohnten Flüssen sei er auch geschwommen. Er habe zwar nur ein Leben, aber diese Risiken gehören für ihn bei den Reisen einfach dazu, sagt der 81-Jährige mit Überzeugung.