Ein Arzt, der nicht nur Menschen, sondern auch Lebensmittel rettet: Das ist Andreas Dogor, Arzt der Gemeinschaftspraxis Dogor-Hesselbach-Walz in Königsfeld. Dogor ist eines der insgesamt fünf Mitglieder des Aktionskreises Klimaschutz Königsfeld. Gemeinsam engagieren sie sich für Nachhaltigkeit in der Gemeinde. 

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Über den Aktionskreis Klimaschutz

Angefangen hat alles im September des vergangenen Jahres, als Einzelhändler in Königsfeld im Zuge der Friday for Future-Demonstrationen zu einem Klimastreik aufgerufen und mehr Nachhaltigkeit gefordert hatten. 15 Einzelhändler hatten sich am Protest beteiligt, 40 Bürger, darunter auch einige Schüler, waren gekommen. Dass der Streik keine einmalige Sache bleiben sollte, war außer Andreas Dogor vier weiteren Königsfeldern wichtig: dem Fahrradhändler Hannes Kronbach, dem ehemaligen Ingenieur und Lehrer Axel Meier, dem ehemaligen Pfarrer Hans-Beat Motel und Reinhard Sapel, dem Inhaber des gleichnamigen Cafés. „Wir wollen nicht nur demonstrieren, sondern konkret werden“, so Dogor. Gemeinsam gründeten sie den Aktionskreis Klimaschutz Königsfeld. „Wir sind Friday-For-Future Bewegung über 50“, scherzt Dogor.

Lebensmittelretten lohnt sich – die Ausbeute von einer Abholung. Bild: Privat
Lebensmittelretten lohnt sich – die Ausbeute von einer Abholung. | Bild: privat

Gesagt, getan: Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen wurden gegründet und Interessierte dazu eingeladen. Mittlerweile sind die ersten Erfolge sichtbar, konkrete Projekte stehen an.

Das Projekt Foodsharing

Das Prinzip ist simpel: Überschüssige Lebensmittel sollen verteilt und vor dem Wegwerfen gerettet werden. Um dieses Konzept umzusetzen, braucht es diejenigen, die Lebensmittel abgeben (Betriebe oder Privatpersonen) und diejenigen, die diese abholen und zur Verfügung stellen. Die Abholer werden auch Foodsaver, also Lebensmittelretter genannt. Um diesen Prozess besser organisieren zu können, gibt es eine Internetseite (www.foodsharing.de), die seit 2012 in Betrieb ist. Um die Königsfelder über dieses Prozedere zu informieren, organisierte der Arbeitskreis Klimaschutz am 14. Januar eine Veranstaltung, bei der zwei Foodsharer, zu deutsch Essensverteiler, aus Villingen zum Thema referierten. 35 Interessierte kamen zu der Veranstaltung.

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Gemeinsam wurde überlegt, wie solch ein Projekt für Königsfeld realisiert werden könnte. Das Ergebnis: „Es läuft schon“, sagt Dogor. Er selbst sei inzwischen ein Foodsaver, der Lebensmittel abholen und verteilen darf. Dazu musste er ein Quiz bestehen und „Probeabholungen“ machen. Das Ergebnis einer Abholung kann sich sehen lassen: Fünf Körbe, randvoll mit Brötchen, Brezeln und Hefezopf durfte Dogor bei einer Bäckerei in Bad Dürrheim abholen. Zuhause angekommen, hat er das Bild der Ausbeute in der Whats-App-Gruppe, in der 25 Interessierte aus Königsfeld Mitglied sind, geteilt. „Die Lebensmittel waren in einer Stunde weg“, erzählt Dogor. Unter den Abholern seien auch sozial Bedürftige gewesen. „Der Grundsatz ist es, Lebensmittel zu retten und nebenbei kann man auch Anderen etwas Gutes tun.“

Überlegungen zu Recycling

Die Arbeitsgruppe zum Thema Recycling hat sich schon zweimal getroffen. Geleitet wird die Gruppe von Hannes Kronbach. Auch hier seien schon konkrete Projekte angedacht wie etwa, die Sammelstellen für Aluminium auszubauen. „Viele wissen nicht, was Aluminium ist“, sagt Dogor. Sollte es eine Wertstofftonne anstatt dem gelben Sack geben? Was passiert mit den Handys, wenn sie entsorgt werden? Wie kann die Bevölkerung für diese Themen sensibilisiert werden? All das sind Fragen, mit denen sich die Gruppe beschäftigt.

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Car-Sharing für Königsfeld

Ein Auto mit anderen zu teilen, das steckt hinter dem Car-Sharing-Prinzip. Hans-Beat Motel hatte den Ingenieur Felix Duffner aus Furtwangen eingeladen, der dort das Car-Sharing vor 25 Jahren mit aufgebaut hat. Eine Überlegung sei es, dass sich Königsfeld dem Verein in Furtwangen anschließe. Ein oder zwei Autos für Königsfeld seien angedacht.

Mitfahrbänkle kurz vor der Umsetzung

„Das Konzept steht“, sagt Dogor. Ein Mitfahrbänkle ist eine Bank, auf die sich Personen, die in eine bestimmte Richtung fahren wollen, setzen und dem Autofahrer somit signalisieren, sie mitzunehmen. Die Vorstellung sei, dass sich „vom Schüler bis zur Oma“ jeder trauen sollte, das Mitfahrbänkle zu benutzen und dort auch zeitnah jemand anhalten sollte. Der Plan ist es, in Königsfeld und den Teilorten insgesamt 14 Bänke aufzustellen, sagt Dogor. Das Projekt stehe „kurz vor der Umsetzung“ und soll bald in den Gemeinderat eingebracht werden. „Die Signale, die wir bis jetzt bekommen haben, sind positiv.“

Sonstige Themen

Reinhard Sapel hat Wünsche und Anregungen der Bürger gesammelt, die bei einem Treffen besprochen werden sollen. Ein Termin steht noch nicht fest. Projekte wie ein Reparaturcafé, ein Büchertausch oder eine Kleidertauschbörse sind angedacht.

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