Der Ortschaftsrat Buchenberg könne sich auf viele Gespräche mit Anwohnern vorbereiten. Das prophezeite Bürgermeister Fritz Link in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Technik, Wirtschaft und Verkehr. Der Grund: In 2017 unternommene Untersuchungen zeigen, dass zumindest ein Teil der außergewöhnlich hohen Menge des Wassers, das die Kläranlage erreicht, unrechtmäßig eingeleitetes Oberflächenwasser ist. "Wir müssen jedes Gebäude untersuchen", kündigte der Bürgermeister an.

Die Problematik ist in der Gemeinde nicht neu. "Das Thema beschäftigt uns seit 20 Jahren", sagte Bürgermeister Link. In Buchenberg werde dreimal so viel sogenanntes Fremdwasser festgestellt, als es normalerweise erwartet werde. Die dieser Aussage zugrunde liegenden Zahlen stammen aus den Jahren 2010 bis 2012 und kommen aus den Betriebstagebüchern der ehemaligen Kläranlage Lindenloch, in die bis 2013 das Abwasser von Buchenberg geleitet wurde. Bisher habe man die Quelle nicht sicher feststellen können, sagte Link. Auch wenn illegale Einleitung seit längerer Zeit in Verdacht standen.

Tobias Meyer vom Planungsbüro Bit-Ingenieure in Villingen konnte diesen Verdacht nun bestätigen. Demnach lag die Menge an Fremdwasser aus Regenwasserzuläufen in Buchenberg zwischen 2010 und 2012 durchschnittlich bei 60 Prozent. Rund 63 000 Kubimeter Wasser sei in diesem Zeitraum durchschnittlich pro Jahr in die Kläranlage geflossen. Rund 38 000 Kubikmeter davon sei Fremdwasser aus Regenwasserzuläufen gewesen. "Wir haben im Regenwetterfall deutliche Ausschläge", sagte der Experte. Problematisch sei das auch, weil dadurch das Pumpwerk, das das Abwasser zur Kläranlage Horgen pumpt, verstärkt im Einsatz sei, sagte Bürgermeister Link. "Das kostet uns sehr viel Geld."

Auf diesen Informationen aufbauend werde man alle bisher Entwässerungsgenehmigungen erneut prüfen, sagte Bürgermeister Link. Man werde das Beantragte mit dem tatsächlich Umgesetzten vergleichen. Eventuell werde es auch Grabungen geben, kündigte Link an. Auch sogenannte Benebelungen seien möglich, die bei Verdachtsmomenten durchgeführt werden, ergänzte Tobias Meyer. Dabei wird Rauch unter Druck in den Kanal geblasen, der dann an allen Anschlüssen austritt. Auf jeden Fall werde man nun konsequent vorgehen, versicherte Fritz Link. "Wir müssen Nägel mit Köpfen machen."

Aber nicht nur die illegale Wassereinleitung trägt zu dem Problem bei, wie Tobias Meyer berichtete. Auch sei das Kanalsystem zum Teil undicht. "Die Hälfte der Haltungen sind in einem schlechten Zustand", sagte er. Durch Schadstellen im Kanal, verursacht beispielsweise durch das Wurzelwerk von Bäumen, dringe Grundwasser ein. Teilweise sei der Kanal so stark beschädigt, dass er zum Erdreich offen liege, wodurch Grundwasser leicht in das Abwasser gelange. 15 Prozent des jährlichen Abwassers von 2010 bis 2012, durchschnittlich rund 9500 Kubikmeter pro Jahr, seien darauf zurückzuführen, sagte Tobias Meyer. Es bestehe deshalb dringend Handlungsbedarf.

Dementsprechend stimmte der Ausschuss dem Vorschlag der Verwaltung zu, das Ingenieurbüro mit dem Aufstellen eines Sanierungskonzepts mit Kosten in Höhe von 4000 Euro zu beauftragen. Dieses könne mit Restmitteln aus dem fünften Abschnitt des Kanalsanierungs- und -erneuerungsprogramms finanziert werden, sagte Bürgermeister Fritz Link. Denn dafür gibt es ein Angebot in Höhe von rund 46 000 Euro. Zuzüglich Ingenieurhonorar und Kosten für eine Videobefahrung wird die Gemeinde rund 61 800 Euro investieren. Damit liegen die Kosten rund 10 200 Euro unter dem Haushaltsansatz von 72 000 Euro.

Fremdwasser

Als Fremdwasser wird Wasser bezeichnet, das in Abwasserkanäle gleitet wird, obwohl es keiner Behandlung in der Kläranlage bedarf. Dabei kann es sich um Grundwasser handeln, das durch undichte Stellen in den Kanal gelangt. Aber auch Oberflächenwasser, zum Beispiel bei Regen, kann durch Fehlanschlüsse in den Kanal gelangen und wird dann als Fremdwasser bezeichnet.