Zu einem informativen Abend mit anschließender Diskussion hatten der Historische Verein Königsfeld und die Zinzendorfschulen eingeladen. Das Thema lautete: „Als Schule christlich sein – der Auftrag der Zinzendorfschulen“. Gleich vier ehemalige Schulleiter hatte man eingeladen, um die vergangenen mehr als 50 Jahre Revue passieren zu lassen und sich zu erinnern: Wie war das mit dem Christsein an den Zinzendorfschulen eigentlich damals?

„Ich wollte nie missionieren, aber am Ende der Schulzeit sollte jeder Schüler wissen, warum er glaubt oder warum er nicht glaubt“, sagt Johannes Treude.
„Ich wollte nie missionieren, aber am Ende der Schulzeit sollte jeder Schüler wissen, warum er glaubt oder warum er nicht glaubt“, sagt Johannes Treude.

Hans-Jürgen Kunick, er war in der Zeit von 1967 bis 1990 Schulleiter, erinnerte sich, dass es morgens immer eine Zeit der Besinnung gab. Wer als Schüler am Sonntag nicht zur Predigt ging, der musste auf seinem Zimmer bleiben. In den 1968er-Jahren wurde dann plötzlich alles in Frage gestellt, so der ehemalige Rektor. Sogar das morgendliche gemeinsame Singen musste auf Intervention der Schüler gestrichen werden.

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In einer damals neu gelebten Freiheit und Verantwortung habe es dann aber auch mehr direkte Begegnungen mit den Schülern gegeben und auch christliche Themen standen auf der Tagesordnung, erinnerte sich Knut Schröter. Er selbst habe immer mehr Beteiligung der Kollegen am Morgensegen gefordert und dementsprechend auch Gespräche geführt. Man könne den Kurs einer Schule aber nur unter Beteiligung der Kollegen verändern, so Peter Vollprecht, der von 1991 bis 2000 Schulleiter war.

Johannes Treude, jüngst ausgeschiedener Leiter, brachte die Diskussion auf den heutigen Stand. Er berichtete, dass heute nur noch zwei Kollegen der Herrnhuter Gemeine angehören. Viele Lehrer, die bei ihm in den vergangenen Jahren wegen einer Bewerbung vorgesprochen haben, hätten offen über ihr gestörtes Verhältnis zur Kirche gesprochen, erzählte Treude. Das Christliche entscheide sich im Umgang miteinander, so Treude, und das auf jeder Ebene. Die Schule müsse das Christliche durch die eigene Kultur vorleben und jeden Mitarbeiter wie auch jeden Schüler wertschätzen. Eine christliche Pädagogik sollte sich ihrer Grenzen bewusst sein und das Vertrauen auf Gott nicht verlieren. Nach außen hin aber dürfe Schule schon zeigen, dass man christlich denke. „Wir sollten aber unsere Schüler nicht nach unseren Vorstellungen formen, sondern sich entwickeln lassen.“

Bildung auf Augenhöhe

In der anschließenden Diskussion kam auch das Publikum zu Wort und stellte Fragen. Hans-Beat Motel fand es schade, dass zum Beispiel Reinigungskräfte nicht mit „Bruder“ und „Schwester“ angesprochen werden. Es gebe aber Menschen, die das nicht wünschten. Reinhard Ziegler lobte die „maximale Freiheit“ in der Schule, findet aber, dass Schüler eine Basis für oder gegen die Entscheidung zum christlichen Lebensstil bräuchten. Das sei auch eine Frage an den Religionsunterricht. Der religiöse Ansatz müsse das gesamte pädagogische Tun betreffen, so Schröter. Vollprecht sah die Pädagogik der Brüdergemeine als „Bildung auf Augenhöhe“. Ganz wichtig sei, Vertrauen aufzubauen, so Kunick.