Die Drei-Tage-Frist, die Bürgermeister Fritz Link dem Zirkus Aladin eingeräumt hatte, um von der Wiese neben dem Sportplatz Neuhausen zu verschwinden, ist längst abgelaufen. Bislang hat die Familie Weisheit ihre Zelte nicht abgebrochen. Am gestrigen Mittwoch ordnete Bürgermeister Fritz Link mit schriftlicher Zustellung ein Zwangsgeld über 500 Euro an, das bislang nur angedroht worden war. "Verstoß gegen die Polizeiliche Umweltschutzverordnung" lautet die Begründung. Die kann Ingrid Weisheit, Managerin des kleinen Betriebs, nicht nachvollziehen. "Wir hinterlassen unsere Plätze picobello."

Sie hatte bereits in der vergangenen Woche versucht, im Königsfelder Rathaus das Zwangsgeld zu bezahlen, doch Link nahm es nicht an. "Wir wollten dem Zirkus noch Aufschub gewähren." Inzwischen halte er sich seit drei Wochen unberechtigterweise auf Königsfelder Gemarkung auf. "Da müssen wir im Interesse der Gemeinde reagieren." Konkret wird dem Zirkus vorgeworfen, das Stallzelt, Wohnwagen und weitere Fahrzeuge außerhalb baurechtlich genehmigter Campingplätze aufgestellt zu haben. Insbesondere stünden keine sanitären Einrichtungen zur Verfügung, wie sie für etwaiges Camping auf Königsfelder Gemarkung erforderlich seien. "Wir campen nicht und machen keinen Urlaub", wehrt sich Ingrid Weisheit gegen die Zuordnung. "Wir sind ein nostalgischer Zirkus, der gerade pausiert."

"Früher mag der Zirkus mal erfolgreich gewesen sein. Jetzt ist er notleidend."

Der Bürgermeister bezieht sich jedoch auf die Polizeiliche Umweltschutzverordnung, die Königsfeld im März 2009 erlassen hat. Sie ermöglicht Ausnahmeregelungen, die für Link beim Zirkus Aladin allerdings nicht vorstellbar sind. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens seien "völlig unzureichend". Insbesondere mit Blick auf den Winter müsse der Tierbestand dringend verringert werden, weil aus Geldmangel die Gefahr mangelnder Versorgung bestehe. "Früher mag der Zirkus mal erfolgreich gewesen sein. Jetzt ist er notleidend." Es könne nicht sein, dass die Allgemeinheit in Gestalt von Spenden sein Überleben finanziere. Letztlich sei der Zirkus ein Gewerbebetrieb und könne nicht staatlich alimentiert werden. "Leider sind die Betreiber ohne Einsicht." Es sei ihnen zu wünschen, dass sie mit reduziertem Tierbestand anderswo integriert werden könnten. "Vielleicht können sie sich einem anderen Zweig der großen Zirkusfamilie anschließen."

Die Aladin-Weisheits bemühen sich unterdessen um ein alternatives Übergangsdomizil, versichert Ingrid Weisheit. "Wir fürchten aber, dass unser Image unter dem Konflikt in Königsfeld weiter leidet." Bislang habe der Zirkus die Erfahrung gemacht, dass selbst Skeptiker zu Sympathisanten werden, "wenn sie uns kennenlernen und einmal eine Vorstellung besuchen." Die Chance gibt es derzeit aber nicht, weil der Zirkus nicht mit seinen Tieren auftreten darf. Vorstellungen ohne Tiere wären erlaubt, dies gestatte die auf Lebenszeit ausgestellte Reisegewerbekarte für Zirkusunternehmen. Auch mit Blick auf die dringend nötige Beschaffung von Einnahmen habe das Team damit geliebäugelt, Vorstellungen ohne Tiere anzubieten.

"Wir wollen niemanden provozieren"

Der Gedanke sei aber verworfen worden: "Wir wollen niemanden provozieren." Stattdessen werde die Zeit zu Reparaturarbeiten und Beseitigung von Mängeln genutzt, die das Veterinäramt des Landkreises bei einem Besuch in Neuhausen angemahnt hatte. Die Behörde habe zudem ein Bußgeld angekündigt, weil der Zirkus widerrechtlich seine Tiere zur Schau stelle. Auch diesen Vorwurf weist Ingrid Weisheit vehement zurück. "Wir stellen unsere Tiere nicht zur Schau. Sie sind einfach nur da, genau wie wir auch."

Wenn die Zirkusfamilie noch länger in Neuhausen bleibt, muss sie mit weiteren Repressalien rechnen. Das offiziell zugestellte Zwangsgeld ist laut Bürgermeister erneut mit einer dreitägigen Frist für den Rückzug gekoppelt. Wenn auch die nicht eingehalten werde, werde ein zweites Zwangsgeld verfügt, dann in doppelter Höhe.


Tierschutzgesetz

Tiere dürfen in Zirkussen nur auftreten, wenn die Voraussetzungen für die gewerbliche Zurschaustellung von Tieren eingehalten werden. Die werden in Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes geregelt. Die Bewilligung wird alle 15 Jahre verlängert und war für den Zirkus Aladin Ende 2015 abgelaufen. Laut Ingrid Weisheit war die Verlängerung mündlich in Aussicht gestellt, aber vom Landratsamt Zollern-Alb-Kreis nicht schriftlich bestätigt worden. Faktisch kommt das einem Auftrittsverbot gleich, gegen das der Zirkus Widerspruch eingelegt hat und auf dessen juristische Bewertung wartet. Die Verstöße, die das Veterinäramt Schwarzwald-Baar anmahnte, betreffen nicht das Tierwohl, das ausdrücklich für gut befunden worden war, sondern bauliche und logistische Defizite. (cn)