Ob Briefmarken oder Verpackungsmüll – die Königsfelder Textildesignerin Velia Dietz macht daraus eine Kunst, die ihresgleichen sucht. Bei der Vernissage am Sonntag zu ihrem textilen Experiment "Storage, die Kunst des Speicherns" hatten die zahlreichen Besucher kaum Platz im Kunstraum. Die Stühle waren schon vor Beginn ausgegangen. Manfred Molicki, Vorsitzender des Vereins Kunstkultur, und auch die Künstlerin selbst freuten sich über diese große Resonanz bei der nunmehr 22. organisierten Ausstellung in diesen Räumlichkeiten.

Velia Dietz sei ein künstlerisches Ausnahmetalent kreativer Textilgestaltung, meinte Molicki. Nach 2013 in der Galerie Auszeit in der Nonnenmühle und 2016 stelle sie nun zum dritten Mal in Königsfeld aus. Das Textile sei ihr sprichwörtlich in die Wiege gelegt worden, weshalb sie ihrem verstorbenen Vater Wilhelm Dietz, dem Gründer des Ladens "Natur & Co", diese Ausstellung widme. Vor zwei Jahren habe sie Arbeiten aus ihrer Diplomarbeit präsentiert, bei denen sie sich durch den Bodensee inspirieren ließ. Diese Leistungen seien in einem zweijährigen Stipendium belohnt worden.

Überaus groß ist das Interesse bei der Vernissage der Königsfelder Textildesignerin und Künstlerin Velia Dietz im Kunstraum des Kunstvereins in der Gartenstraße.
Überaus groß ist das Interesse bei der Vernissage der Königsfelder Textildesignerin und Künstlerin Velia Dietz im Kunstraum des Kunstvereins in der Gartenstraße. | Bild: Lothar Herzog

Jetzt zeigte Dietz in einer Bilderpräsentation die Ergebnisse dieses Schaffens. Wieder einmal überrasche sie damit, das Textile mit Dingen zusammenzubringen, die für den oberflächlichen Betrachter nicht zusammen passte, so der Vereinsvorsitzende. Aber genau das reize Dietz. Sie habe sich mit allem, was sich ansammelt beschäftigt. Velia Dietz arbeite an ihrem Projekt stetig weiter. Sie habe noch weitere Objekte in ihrem Atelier und produziere fortlaufend. Wer an kommenden Ausstellungstagen noch einmal vorbeikomme, werde immer wieder etwas Neues entdecken, versprach der Vereinsvorsitzende.

Einführend in die Ausstellung verriet Velia Dietz, sich intensiv mit dem Sammeln beschäftigt zu haben. Neben den klassischen Briefmarken würden Menschen die ungewöhnlichsten Dinge sammeln, an die man im Alltag nicht denke. Aufgefallen sei ihr, dass auch zum Sammeln von Papier, Müll und Kork aufgerufen werde. Die Ansammlung mache oft die Wirkung aus, wie sie bei einem Besuch der Firma Container Hezel festgestellt habe.

Textildesignerin Velia Dietz überreicht bei der Vernissage im Kunstraum eines ihrer Kunstobjekte an Kunstkultur-Vorsitzenden Manfred Molicki.
Textildesignerin Velia Dietz überreicht bei der Vernissage im Kunstraum eines ihrer Kunstobjekte an Kunstkultur-Vorsitzenden Manfred Molicki. | Bild: Lothar Herzog

Es heiße, vieles werde recycelt, sagte die Künstlerin. Doch Kaffeekapseln würden aus dem Raster fallen und Kaffee-für-Unterwegs-Becher oft in der Natur landen. Müll lagere an Straßenrändern, in Gräben und an jeder Ecke. Dann komme der Mäher und mache alles noch viel kleiner. So komme Müll auf Wiesen und Felder und gerate durch das Pflügen in die Erde. Es gebe dramatische Ansammlungen von Plastikmüll in den Meeren, mit fatalen Folgen für die Meeresbewohner, bedauerte die Künstlerin. Durch ihre künstlerische Begleitung des Forschungsprojekts "Storing Energy at Sea" (Energie im Meer speichern), bei dem eine 20 Tonnen schwere Betonkugel im Bodensee zur Speicherung von Energie versenkt worden sei, habe sie einen völlig anderen Zugang zu diesem Projekt schaffen können.

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Storage, die Kunst des Speicherns – ein textiles Experiment“ der Königsfelder Textildesignerin Velia Dietz ist noch bis Freitag, 30. März, im Kunstraum in der Gartenstraße zu sehen. An allen Ausstellungstagen (samstags und sonntags) sowie Karfreitag wird die Künstlerin ab 15.30 Uhr anwesend sein und Besuchern ihre Arbeit im Detail vorstellen und erläutern. Mit ihren Kunstwerken will Dietz zum Nachdenken anregen und beim Sammeln oder Speichern zur Achtsamkeit aufrufen. (log)