Es war Liebe auf den ersten Blick: Vor rund 15 Jahren erblickte Leberecht Thiele bei einem Besuch der 1000-jährigen Nikolauskirche in Buchenberg zum ersten Mal seine Orgel. Damals wusste er noch nicht, dass er fünf Jahre später als Organist im Ortsteil spielen sollte, doch von der kleinen Orgel war er sofort begeistert.

Ein Blick auf die vielen Pfeifen der Albrechtorgel. Bild: Leberecht Thiele
Ein Blick auf die vielen Pfeifen der Albrechtorgel. Bild: Leberecht Thiele

Leider war die Orgel damals schon in einem sehr schlechten Zustand. Zwar wurden in den 60-er Jahren einige Holzpfeifen ersetzt, doch dabei blieb es dann auch. „Wir waren in den letzten Jahren schon froh, wenn die Orgel die wenigen Gottesdienste und Feierlichkeiten in der Kirche durchgehalten hat“, erinnert sich Leberecht Thiele. Der Kirchengemeinderat hatte sich dann in den letzten Jahren öfter dem Thema Albrechtorgel gewidmet und schließlich den Beschluss gefasst, die Orgel ordentlich wiederherzustellen.

Bei der Restauration der Albrechtorgel werden auch Maden im Holz entdeckt. Bild: Leberecht Thiele
Bei der Restauration der Albrechtorgel werden auch Maden im Holz entdeckt. Bild: Leberecht Thiele

Nach Rücksprache mit dem Orgelbauunternehmen Heintz aus Schiltach, das schon viele Jahre beide Orgeln der evangelischen Gemeinde in Buchenberg betreut, entstand der Plan einer Restauration in Stufen: Die Überführung der demontierten Orgel nach Schiltach, Ausreinigung, Schimmelbeseitigung, Überarbeitung der Bälge, Reparatur von diversen Orgelpfeifen, Aufbau der Orgel in der Werkstatt, Stimmung und Intonierung, Abbau der Orgel und Überführung nach Buchenberg mit Montage am alten Platz auf der Orgelempore.

Das 1000-jährige Nikolauskirchlein.
Das 1000-jährige Nikolauskirchlein.

Auf rund 20 000 Euro belief sich das Angebot. „Das hört sich erstmal viel an“, so Leberecht Thiele, aber für die dann tatsächlich benötigten Stunden Arbeit sei es fast zu wenig gewesen. Nach der ersten gründlichen Inspektion bekam man nämlich einen größeren Eindruck vom Umfang der anstehenden Restauration. Denn es ist so wie bei allen alten mechanischen Teilen: Das wahre Ausmaß der anfallenden Arbeiten zeigt sich immer erst bei der Arbeit selbst.

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Mit vereinten Kräften schließlich, mit Spenden von Buchenberger Bürgern und Kirchenbesuchern sowie dem großen Engagement und Sachverstand der mit dem Auftrag betrauten Orgelbaufirma, ist es nun tatsächlich gelungen die Orgel wieder in einen sehr guten Zustand zu versetzen.

Leberecht Thiele klingt euphorisch und stolz, wenn er von „seinem Örgelchen“ spricht: „Die Orgel ist ein wahres Kleinod in einer wunderbaren alten Kirche.“ Er hofft, dass hier nun öfter Gottesdienste oder andere Feierlichkeiten abgehalten werden, auch wenn die Kirche keinen Strom und keine Heizung aufweisen könne. Ganz sicher sei das Klima im Kirchlein aber auch der Grund, warum die kleine Orgel nicht schon längst ganz verfallen oder unbespielbar geworden sei.

Johann Albrecht und seine Orgel

Johann Christoph Albrecht, geboren am 27. Juli 1662 in Waldshut, war ein süddeutscher Orgelbauer. Albrecht entstammte einem angesehenen Waldshuter Geschlecht dessen Angehörige als Zimmerleute, Schuhmacher, Rotgerber, Pfarrer und Bürgermeister ihren Lebensunterhalt verdienten. Der Urgroßvater Martin Albrecht war als Zimmermann mit seiner Frau aus dem Allgäu zugewandert und 1603 in das Bürgerrecht aufgenommen worden. Verheiratet war Albrecht mit Maria Elisabetha Straubhaar. Johann Christoph Albrecht erlernte das Orgelbauhandwerk bei Elias Keberle in Konstanz und bei einem Orgelbauer in Tiengen. Am 18. Mai 1719 stellte Albrecht die Buchenberger Orgel fertig, die allerdings die ersten 100 Jahre die Ruhe-Christi-Kirche in Rottweil ihr Zuhause nannte.

Sie ist eine von nur noch vier existierenden Orgeln. Drei weitere Orgeln sind in Beromünster, Solothurn und Rheinau in der Schweiz zu finden. Die Schweizer Orgeln sind „allesamt in einem hervorragenden Restaurationszustand“, so Leberecht Thiele. Die Orgel selbst hat sechs Register und 270 Pfeifen aus Metall und Holz. Der Wind für die Pfeifen wird über einen in die Orgel integrierten Schöpfbalg/Magazinbalg durch Treten durch den Organisten bereitgestellt. In den Monaten Januar bis März 2018 wurden alle notwendigen Arbeiten durch die Orgelbaufirma Heintz in Schiltach ausgeführt. In der Osternacht 2018 konnte die Orgel mit einer Orgelweihe schließlich wieder in den Dienst gestellt werden. (kst)