Sprichwörtlich ist ein Kompromiss etwas, mit dem am Ende niemand völlig zufrieden ist. Das trifft auch in Königsfeld zu, wo nach monatelanger Diskussion ein für die meisten akzeptabler Standort für einen neuen Funksendemast der Deutschen Telekom gefunden wurde, der nun der Bevölkerung vorgestellt wurde. Die Anlage soll ziemlich genau zwischen den Ortsteilen Erdmannsweiler und Neuhausen stehen.

Trotz der zum Teil hitzigen Diskussion in der Bevölkerung, war das Interesse an der Informationsveranstaltung im Haus des Gastes relativ gering. Vor zahlreichen leeren Stühlen sprachen Bürgermeister Fritz Link, Frank-Peter Käßler von der Telekom und der von der Gemeinde beauftragte Sachverständige Thomas Gritsch vom Tüv Süd über das bisherige Verfahren und die Vor- und Nachteile verschiedener Standortalternativen sowie die zu erwartenden Belastungen für die Bevölkerung.

Der Standort hat einen Abstand von etwa 370 Meter vom Rand der Bebauung in Neuhausen und von etwa 340 Meter vom Rand der Bebauung in Erdmannsweiler. Von dort aus werden laut errechneter Prognose nicht nur die in Deutschland geltenden Grenzwerte der elektrischen Feldstärke von 39 Volt pro Meter, sondern auch die Vorsorgeempfehlungen der Schweiz und Österreich von rund vier Volt pro Meter eingehalten, erläuterte Thomas Gritsch. Innerhalb der Wohnbebauung in Erdmannsweiler liege der Spitzenwert bei 2,1 und in Neuhausen bei zwei Volt pro Meter. Auch in dem möglichen Fall, dass der Funkmast in Zukunft von zwei zusätzlichen Anbietern mitbenutzt wird, liege die Belastung unter den Grenzwerten und Empfehlungen, versicherte der Sachverständige.

Für die meisten Vertreter der am Runden Tisch beteiligten Parteien ist dieser Kompromiss zwar nicht ideal, aber zumindest akzeptabel. Harald Königsberger von der Bürgerinitiative Besorgte Bürger sagte, dass die Gruppe eigentlich keinen weiteren Funkmast haben wolle. Rechtlich habe man aber nur die Entscheidung gehabt, in einen Dialog über den Standort einzusteigen, oder die Telekom machen zu lassen. Man habe sich für Kooperation und Beteiligung entschieden, fordere aber von der Telekom größtmögliche Transparenz bei den weiteren Planungen. Gemeinderat Bernd Möller sprach die Bedeutung von mobilen Breitband für die Jugend in der Gemeinde an. "Diese Jugend benutzt diese Technik und braucht sie für den Beruf", sagte er. Er bat die Bevölkerung darum, den Vorschlag zu unterstützen, auch wenn es keine Ideallösung sei.

Axel Maier vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zeigte sich weniger glücklich. "Wir befinden uns in einem Feldversuch", sagte er. Er sei zutiefst misstrauisch, wie das ausgehen wird. Aspest und andere Stoffe haben in der Vergangenheit gezeigt, dass auch das, was heute harmlos erscheint, sich später als gesundheitsschädlich herausstellen könne. "Ich bin froh, dass ich nicht in der Nähe des Funkmasts wohne", sagte er.

Auch Beate Schmidt-Kempe zeigte sich alles andere als begeistert. "Ich finde diesen Standort verheerend", sagte sie. Sie hätte es darauf ankommen lassen und darauf vertraut, dass kein Grundstückseigentümer einem Funkmast auf dem eigenen Gelände oder Dach zustimmt. Vor zehn Jahren sei es schließlich auch gelungen, einen Funkmast zu verhindern, meinte sie. Dem Sachverständigen Thomas Gritsch warf sie vor, nicht objektiv und nicht unparteiisch zu sein.

Bürgermeister Link hielt dem entgegen, dass es nicht gelingen werde, die Autonomie der Bürger einzuschränken. Mindestens drei Grundstücksbesitzer in den betroffenen Orten haben ihm erklärt, dass sie einem Funkmast auf dem Dach zustimmen würden, sagte er. Vor zehn Jahren habe ein Eigentümer einen Pachtvertrag abgeschlossen, bevor die Gemeinde überhaupt von den Plänen wusste. Diesen Vertrag habe die Gemeinde nur mit Mühe wieder auflösen können.

"Wir waren uns um die Sensibilität der Fragestellung bewusst, versicherte Bürgermeister Link. Das Ziel sei eine objektive Begutachtung der Immissionssituation und der Standortalternative gewesen. Denn den ursprünglichen Plan der Telekom, jeweils einen Funksendemast mitten in Erdmannsweiler und Neuhausen aufzustellen, wollte man möglichst verhindern. Dafür habe man aber im Dialog mit der Telekom eine Einigung erzielen müssen, denn "es besteht kein Anspruch der Gemeinde auf Umsetzung ihrer Alternativvorschläge."

Die Funkversorgung von Königsfeld erfolge derzeit über zwei Funkmasten, erläuterte Frank-Peter Käßler. Einer steht beim Ortsteil Königsfeld und ist 3,2 Kilometer von der Ortsmitte Erdmannsweiler entfernt, der zweite befindet sich in Fischbach in einer Entfernung von 2,2 Kilometern. Über diese Entfernungen sei eine mobile Breitbandversorgung von Erdmannsweiler und Neuhausen nicht möglich.

Die Historie des Suchverfahrens für den Mobilfunkmast

Die Deutsche Telekom will das Mobilfunknetz ausbauen und Lücken schließen und plant dafür mindestens einen neuen Mobilfunkmast in Königsfeld. Eine kurze Chronologie:

  • Antragsstellung: Am 16. Oktober 2017 erreichte die Gemeindeverwaltung ein Schreiben der telekom, in dem das Unternehmen das Vorhaben ankündigte. Ein erster plan sah einen Funkmast in den Ortsmitten Erdmannsweiler und Neuhausen vor. Die Gemeinde forderte eine Beteiligung bei der Standortsuche. Bürgermeister Fritz Link kündigte einen Runden Tisch an.
  • Runder Tisch: Am 15. Februar 2018 kam zum ersten Mal der Runde Tisch mit Vertretern der Verwaltung, des Gemeinderats, der betroffenen Ortschaftsräte, der Telekom, des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland und des Vereins Diagnose Funk zusammen. Es folgte eine Sitzung am 12. April und eine am 6. Juni, an der die Bürgerinitiative zum ersten Mal und die Diagnose Funk nicht mehr teilnahm.
  • Konsens: Am Ende sprach sie der Runde Tisch mehrheitlich für die Standortvariante fast genau zwischen den beiden Orten aus. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland enthielt sich bei der Abstimmung.
  • Weiterer Zeitplan: Der Standort wird von den Ortschaftsräten und dem Gemeinderat am 25. Juli beraten und beschlossen. Danach wird die Telekom mit dem Grundstückseigentümer verhandeln. Baubeginn wird voraussichtlich 2019 sein. (tol)