Wohl kaum einer kennt sie nicht, die Liebestragödie Romeo und Julia von William Shakespeare, die mit dem Freitod des Liebespaars unglücklich endete. Die Burgtheater AG und das Rollmopstheater Villingen führten den Besuchern auf der Ruine Waldau nun vor Augen, was geschehen wäre, wenn Romeo und Julia damals ihren Selbstmord in Verona nur vorgetäuscht hätten. Sie führten die heitere Trauerkomödie "Es war die Lerche" als Eigenproduktion auf.

Die Zuhörer erlebten einen heiteren Theaterabend, bei dem spitzzüngige Dialoge mit schwarzem Humor vermischt wurden und immer wieder Anlass zum Schmunzeln gaben. Dabei wurden nicht nur Zitate aus Shakespeares Original verwendet, sondern auch aus seinen Werken Hamlet und Macbeth. Von dieser Kollision von Alltagsproblemen mit hochtrabendem, idealisierendem Dichtergeist bekam das Stück seine Würze.

Der Beginn mit dem Liebesspiel der Füße und Julias Anrede "Momo" täuschen. Längst ist Romeo (Olaf Jungmann) nach knapp 30 Ehejahren nicht mehr der Traummann von Julia (Petra Talatzko). Er ist übergewichtig und vergöttert seine Wärmflasche, die er liebevoll Lisa nennt. Auch Julia ist unzufrieden. Als Ballettlehrer verdient Romeo zu wenig, sodass sie sich kein Dienstmädchen leisten können. Als Julias Amme (Götz Knieß) zu Besuch kommt, erkundet sich Romeo nach der Gesundheit seiner reichen Schwiegermutter, da er auf deren Erbe schielt.

Romeo (rechts) erkundigt sich bei Julias Amme nach der Gesundheit seiner Schwiegermutter. Er spekuliert auf eine reiche Erbschaft. Foto: Lothar Herzog
Romeo (rechts) erkundigt sich bei Julias Amme nach der Gesundheit seiner Schwiegermutter. Er spekuliert auf eine reiche Erbschaft. Foto: Lothar Herzog

Mit Spott und Ironie, in die sich auch Verzweiflung mischt, blickt das Paar zurück. Julia erhofft sich Hilfe von Pater Lorenzo (Peter Horn). Als sie ihm beichtet, dass sie Romeo nicht mehr liebt, reagiert der demente Geistliche verärgert: "Das ist doch normal, dass die Frauen ihre Männer nicht lieben. Und deswegen hast du mich gerufen?" Als bei Romeo und Julia wieder einmal die Fetzen fliegen, steigt Shakespeare (Götz Knieß) aus seinem Grab und klagt: "Aus meinem schönsten Liebesdrama ist ein Possenspiel geworden." Sein Plan, dass das Paar doch noch im Tod zu vereinen, scheint mit dem erneuten Selbstmord aufzugehen. Als jedoch Shakespeare zufrieden in sein Grab hinabsteigt, freuen sich Romeo und Julia, ihn abermals hereingelegt zu haben.

Der dauernde Ehestreit zwischen Julia (von links) und Romeo lässt Shakespeare aus seinem Grabe steigen. Doch auch er kann den beiden nicht helfen. Foto: Lothar Herzog
Der dauernde Ehestreit zwischen Julia (von links) und Romeo lässt Shakespeare aus seinem Grabe steigen. Doch auch er kann den beiden nicht helfen. Foto: Lothar Herzog

Weitere Aufführungen von "Es war die Lerche" gibt es auf der Burg am Freitag, 27. Juli, und am Sonntag, 29. Juli.