Véronique Kühn läuft mit strammem Schritt am Schwimmbecken vorbei. „Ich bin immer etwas schneller unterwegs“, erklärt sie und lässt dabei den Blick über das Gelände des Solaras in Königsfeld schweifen. Bereits vor 32 Jahren hat sie ihre Ausbildung zur Schwimmmeisterin gemacht. Damals noch in Frankreich. „Dort habe ich meinen Beruf sechs Jahre lang ausgeübt.“ Dann kam sie nach Deutschland und durfte aufgrund von unterschiedlichen Anforderungen nicht mehr als Bademeisterin arbeiten. „Erst vor zwölf Jahren habe ich die Qualifikationen nachgeholt und in St. Georgen wieder angefangen. Seit Juni 2017 bin ich hier im Solara.“

Der Tag beginnt für die Schwimmmeisterin bereits am frühen Morgen um 7.30 Uhr. „Der Unterwassersauger putzt über Nacht unser Schwimmbecken. Den muss ich am Morgen rausholen“, sagt Véronique Kühn. Auch die Überprüfung der Technik und der Wasserzähler gehören zur morgendlichen Routine. Sie muss an Kontrollstationen überprüfen, ob Dinge wie der PH-Wert und der Chlorgehalt stimmen.

Video: Kipar, Sandro

„Ein Schwimmmeister sollte freundlich, aufmerksam und sportlich sein“, erklärt Kühn. Die gängige Bezeichnung „Bademeister“ sei außerdem nicht korrekt. „Baden kann nämlich jeder, schwimmen nicht.“ Dann haben die wachsamen Augen der Frau plötzlich etwas entdeckt. Die Schwimmmeisterin geht zielstrebig auf den Sprungturm zu, wo sich gerade mehrere Kinder tummeln. Ruhig erklärt sie, dass sich nur zwei Gäste gleichzeitig auf dem Turm aufhalten dürfen. „Mein Motto ist Ordnung und Sicherheit. Aber nicht mit der Keule. Unsere Gäste sollen auch Spaß haben“, sagt sie. Erlebt hat sie schon viel: „Ein Mann hat im Wasser Panik bekommen, da musste ich schnell eingreifen. Ich bin zu ihm geschwommen, habe ihn beruhigt und dann zum Beckenrand gezogen.“ Für die Schwimmmeisterin selbst nicht ungefährlich, denn Menschen in Panik reagieren oft unvorhergesehen und schlagen um sich. „Im Zweifel muss ich warten, bis der Gast sich selbst wieder beruhigt hat“, sagt Kühn. Zudem sei bei diesem Einsatz ihr Privathandy kaputt gegangen. „Das sollte eigentlich wasserdicht sein. Bevor ich ins Wasser gehe überprüfe ich seitdem immer zwei Mal, ob ich alle Telefone abgelegt habe.“

Auch das gehört zu ihrer Aufgabe: Schürf- und Platzwunden oder Insektenstiche muss die Schwimmmeisterin regelmäßig versorgen.
Auch das gehört zu ihrer Aufgabe: Schürf- und Platzwunden oder Insektenstiche muss die Schwimmmeisterin regelmäßig versorgen. | Bild: Kipar, Sandro

Dann wird es plötzlich dunkel am Himmel. Wolken haben sich vor die Sonne geschobenen, in der Ferne ist leiser Donner zu hören. Der wachsame Blick von Véronique Kühn richtet sich nun auf die dunklen Wolken. „Die Leute überprüfen mittlerweile lieber ihre Wetter-Apps, bevor sie in den Himmel schauen. Dabei ist das doch viel zuverlässiger“, sagt sie. Dann plötzlich: Ein greller Blitz. Kühn eilt in ihr Büro. Keine fünf Sekunden später die Durchsage, dass alle Gäste aus dem Wasser sollen. Eine Minute später sind Rutsche, Sprungturm und Schwimmbecken menschenleer. „Ich habe eine harmonische Beziehung zu meinen Gästen, das sorgt für einen reibungslosen Ablauf“, erklärt die Schwimmmeisterin zufrieden. Bei Rettungseinsätzen im Bad wurde sie auch schon von anderen Badegästen aktiv unterstützt. Auch wenn betrunkene Jugendliche Ärger machten, stärkten die Besucher ihr den Rücken. Die gute Beziehung zwischen Kühn und ihren Gästen macht sich bei einem Besuch im Solara sofort bemerkbar: Regelmäßig wird sie freundlich gegrüßt und angesprochen. Es werden ein paar Worte gewechselt, dann geht es für sie schon wieder weiter.

Die dunklen Wolken am Himmel sind schnell wieder vorbeigezogen. „Ich glaube, wir können wieder“, sagt Véronique Kühn und verschwindet kurz in ihrem Büro. Per Lautsprecher gibt sie das Schwimmbecken wieder frei. „Das ist das Schönste, wenn sie dann von allen Seiten angerannt kommen“, sagt sie mit einem Lächeln.