Die Albert-Schweitzer-Tage strahlen weit über Königsfeld hinaus. Am vergangenen Freitag wurde an den Ehrenbürger, Arzt von Lambaréné und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer erinnert. Albert Schweitzer wurde am 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Oberelsass bei Colmar geboren. Damals gehörte das Elsass zum Deutschen Reich. Sein voller Name lautet Ludwig Philipp Albert Schweitzer, gestorben ist der als „Urwaldarzt“ bekannt gewordene Albert Schweitzer in Lambaréné, Gabun, am 4. September 1965.

Am Samstagnachmittag hielt Asfa-Wossen Asserate einen vielbeachteten Vortrag über „Das Erbe des Kolonialismus„. Der Vortragsredner betonte, dass Ostafrika die Wiege der Menschheit sei, was inzwischen auch wissenschaftlich Anerkennung gefunden hat. Er sagt, „historisch gesehen bilden wir Menschen eine einzige Familie mit der Wiege in Afrika.“ Eigentlich sollte der moderne Mensch nicht als Homo sapiens, sondern als Homo migrans bezeichnet werden. Letztendlich seien wir alle Migranten, so Asserate.

Asfa-Wossen Asserate zeigt dem Publikum die Lage des Afrikanischen Kontinents auf.
Asfa-Wossen Asserate zeigt dem Publikum die Lage des Afrikanischen Kontinents auf. | Bild: Werner Mueller

Auf der Suche nach dem Grund, weshalb Afrika heute so schlecht dasteht, müsse weit in die Geschichte zurückgeblickt werden. In die Zeit der Suche der Europäer nach dem Seeweg nach Indien wurden an der Küste von Afrika Handelsniederlassungen gegründet. Bei der Berliner Konferenz im Jahr 1884 wurde die Aufteilung in ein koloniales Afrika beschlossen. Die Kolonialmächte hätten den Einwohnern ihre Sprache enteignet, so Asserate. Nur in sechs der 55 afrikanischen Länder werde noch die afrikanische Landessprache gesprochen. Nachdem die afrikanischen Staaten nach und nach in die Eigenständigkeit entlassen wurden, sei etwas schief gelaufen. „Die größten Schurken kamen an die Macht“, führt er fort. Zum Teil hätten 25-Jährige ohne jegliches Können und Erfahrung Positionen der Kolonialzeit übernommen. Die Völker seien von den Machthabern unterdrückt und ausgebeutet worden.

Im 21. Jahrhundert wird Afrika wichtig sein, so Asserate. Das Land verfüge über 60 Prozent der landwirtschaftlich zu bewirtschaftenden Flächen. Dazu sei die Bevölkerung jung. So kündigt der Vortragsredner an, bis 2050 werde sich die afrikanische Bevölkerung auf 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Dazu entwickle sich die Volkswirtschaft mit einem Zuwachs von 5,5 Prozent besser als in Europa. Asfa-Wossen Asserate erzählt, dass das Bruttoinlandsprodukt Afrikas größer ist als das von Russland und Brasilien. Afrika sei reich an Bodenschätzen. Nur, das Land werde seiner Schätze beraubt. Afrika verfüge über zahlreiche nicht erneuerbare Rohstoffe wie Gold, Öl, Kupfer, Diamanten, Bauxit, Chromit, Kobalt, Platin und Titan. Etwa 20 Prozent des weltweiten Urans würden in Afrika lagern.

Inzwischen seien über 15 000 Firmen aus dem Reich der Mitte in Afrika tätig. So werde der Kontinent immer abhängiger, denn die Chinesen würden sich nicht um das Befinden Afrikas sorgen und lediglich die Rohstoffe ausbeuten. Dass sich hierdurch viele Staaten in eine Abhängigkeit begeben, wolle niemand wahrhaben.

Als Hauptursache für die Flucht aus Afrika nennt Asfa-Wossen Asserate das Bevölkerungswachstum. Die afrikanische Wirtschaft werde durch europäische Exporte der Geflügelreste überschwemmt. Von 2009 bis 2017 habe sich der Export dieser Reste verdreifacht. Dazu würden Tomaten aus Italien kommen, die billig auf den Markt geworfen werden. Wenn Afrika eine Zukunft haben soll, müsse Europa aufhören mit seinen Dumpingpreisen und Lieferungen von Agrarprodukten, so Asserate. Beispielhaft sei, dass der neue Äthiopische Präsident im Parlament 50 Prozent Frauen berufen habe.