Über Jahrzehnte hinweg haben sich zum Jahreswechsel allerlei Traditionen und Bräuche etabliert, um die vergangenen zwölf Monate zu verabschieden und den Start in das neue Jahr gebührend zu feiern. Vor allem in ländlichen Regionen werden Silvesterbräuche, wie das Neujahrsbarschen noch immer in Ehren gehalten, geraten aber auch zunehmend in Vergessenheit.

„Im letzten Jahr musste die Veranstaltung zwar ausfallen, ansonsten führen wir die Tradition mit viel Freude seit mehr als 20 Jahren fort.“
Raphael Thevenard

Beim Immendinger Schützenverein gibt es diese Tradition noch und deshalb wurde wieder zu dem beliebten Würfelspiel eingeladen. „Im letzten Jahr musste die Veranstaltung zwar ausfallen, ansonsten führen wir die Tradition mit viel Freude seit mehr als 20 Jahren fort“, sagt der Vorsitzende Raphael Thevenard.

Viele Spieler sind seit Jahren dabei. So trafen sich in der Gaststätte des Schützenhauses ab dem frühen Nachmittag coronakonform die Akteure. Das Ziel: möglichst zu den Gewinnern zu zählen und für den Neujahrstag Preise nach Hause bringen zu können.

Als Gewinn gibt es Neujahrsringe oder Wurst

Ohne Pausen klapperten die Würfelbecher mit den drei Würfeln, bis alle vom Wirt eingekauften Stücke des begehrten Gebäcks alle waren. Alternativ hierzu konnte man statt dem Gebäck auch eine Dose Wurst als Gewinn wählen. An den Tischen herrschte Hochbetrieb.

Für das Barschen, mancherorts auch „paschen“ genannt, was vom französischen „Passe-dix“ kommt, gibt es keine festen Spielregeln. In jedem Ort oder jeder Gegend spielt man oftmals verschieden.

Nun wie wird im Schützenhaus gespielt?

Wie Spielbegeisterte erläuterten werden einzelnen Gruppen gebildet, wobei die Teilnehmerzahl nach oben nicht begrenzt ist. Sinnvollerweise beschränken sich die Gruppen auf einen Tisch.

Bevor es losgeht, wird einvernehmlich festgelegt, welcher Betrag der einzelne Spieler einbringt. Die Summe bildet somit quasi den Einsatz. Man einigt sich zudem darauf, in wie viel Runden das einzelne Spiel läuft.

Nun legt je Runde einer der Spieler vor, die anderen folgen nach. Wer schließlich in der Summe die meisten Augen erreicht hat, ist Sieger und erhält als Gewinn den Einsatz. Er kann sich dafür einen Neujahrsring beim Wirt oder alternativ eine Dose Wurst.

Schützenhauswirt Josera Ardizio präsentiert die Neujahrsringe.
Schützenhauswirt Josera Ardizio präsentiert die Neujahrsringe. | Bild: Franz Dreyer

Gespielt wird in der Regel solange, bis keine Neujahrsringe mehr übrig sind. Wer ein geschicktes Händchen beim Würfeln hat, kann gleich mehrere Stücke mit nach Hause nehmen.

Das Silversterbarschen wird in der Gaststätte des Schützenhauses nicht nur zur Freude der Spieler veranstaltet. Wie der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Dietmar Schulze, erläuterte, bringt die Veranstaltung durch den Wirtschaftsbetrieb auch Umsatz.

Weniger Geld durch die Corona-Pandemie

Das ist in den heutigen Zeiten nicht unwichtig, denn der Verein braucht Einnahmen. Durch Corona musste nicht nur der Schießbetrieb zeitweise ruhen, sondern es sind auch Veranstaltungen und damit Einnahmen weggebrochen. Diese werden insbesondere zur Unterhaltung des in die Jahre gekommenen Schützenhauses benötigt. Aktuell geht es um die Finanzierung einer neuen Heizung.