Der Berufsverkehr und die Lastwagen wälzen sich in einer langen Schlange über die Immendinger Ortsdurchfahrt. Daneben auf dem Gehweg sind 50 Eltern und Kinder auf dem 2,8 Kilometer langen Schulweg von Zimmern zur Immendinger Grundschule unterwegs. Auf selbst gemalten Schildern bitten die Kinder für sich um Rücksicht und weisen darauf hin, dass sie auf dieser Strecke zur Schule gehen. Mit der Aktion verdeutlichen die Eltern, die seit Januar für die Bustickets der Grundschüler bezahlen müssen, am Montag erneut die Gefahren des Schulwegs.

„Keine Mutter und kein Vater wird ein Grundschulkind diesen Weg alleine laufen lassen“, sagt Anke Sorg als Vertreterin des Elternbeirats der Schlossschule. Sie ist wie Isabelle Knoblauch, Martina Giese und Michael Charlesworth Mitglied der Arbeitsgruppe Move der Zimmerer Eltern, die sich derzeit für eine weiterhin kostenfreie oder zumindest günstigere Busbeförderung der 75 örtlichen Grundschüler zur Schlossschule in Immendingen einsetzen. „Nach den Weihnachtsferien, also mitten im Schuljahr, sind wir Eltern von der neuen Regelung überrascht worden, dass die Zimmerer Grundschüler nun plötzlich nicht mehr wie bisher ihre Kidcard kostenfrei erhalten“, so Sorg weiter. Bislang habe die Beförderung der Grundschüler 188,98 Euro im Jahr gekostet und aufgrund der Gefährdungsregelung seien Zimmerer Kinder von diesem Betrag befreit gewesen, obwohl sie mit bis zu 2,8 Kilometer Schulweg nach Immendingen nicht unter die landesweit meist gültige Drei-Kilometer-Regelung fallen.

„Die neuen Ticketpreise haben sich nun mit 365 Euro fast verdoppelt“, sagt die Mutter. Zwar übernimmt die Gemeinde Immendingen mit einem Aufwand von jährlich 13.500 Euro nun vorerst monatlich 15 Euro je Schüler und damit die Hälfte der Kosten für eine Monatskarte. „Wir freuen uns darüber, aber es ist eigentlich nicht Aufgabe der Gemeinde, für Schülerbeförderung zu bezahlen“, betont Isabelle Knoblauch. Ursächlich für die aktuelle Situation war der Zusammenschluss der drei Verkehrsverbünde der Kreise Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen zum Jahresbeginn.

Bei der Tariffusion der drei Landkreise wurden die Satzungen zur Schülerbeförderung überarbeitet. Nach der bis zum Jahreswechsel gültigen Regelung hatte der Kreis Tuttlingen die Beförderungskosten für Grundschüler ab einer Entfernung von drei Kilometern zur Schule erstattet sowie unabhängig von dieser Mindestentfernung auch dann, wenn beim Zurücklegen des Schulwegs eine Gefahr für die Kinder bestand. Diese Ausnahme wurde bei der Fusion der Verkehrsverbünde gestrichen.

Trotz mehrerer Interventionen von Gemeinde, Schlossschule, Elternbeirat und Eltern und trotz Vor-Ort-Begehungen ist es schließlich nicht gelungen, seitens des Kreises Tuttlingen die Anerkennung der Gefährlichkeit des Schulwegs zu erhalten. „Inzwischen haben einige Eltern das Ticketabonnement gekündigt und fahren ihre Kinder selbst zur Schule“, so Sorg. Gerade für Haushalte mit mehreren Kindern seien die Beförderungskosten eine Belastung. Auf diese Weise nehme die Zahl der ungewollten Elterntaxis zur Schule deutlich zu. Man müsse auch sehen, so die Eltern, dass ein Grundschüler nicht wie größere Schüler die Vorteile eines ganzjährig gültigen Tickets nutzen könne, kaum Busfahrten in den Ferien oder außerhalb der Schulzeit unternehme. Als einen Kompromiss sieht die Elterngruppe die Einführung eines verbilligten Tarifs für „nicht beförderungsberechtigte Grundschüler“. Für eine solche Lösung will sich der Tuttlinger Landrat Stefan Bär nun beim neuen Verkehrsverbund einsetzen.