Der anhaltende Priestermangel führt aktuell zur Bildung größerer Seelsorgeeinheiten. Doch auch in längst vergangenen Zeiten gab es Orte ohne Pfarrei und Pfarrer. Ein Beispiel dafür ist die Pfarrgemeinde Zimmern, wie aus Paul Willimskis Heimatbuch von Zimmern, das von der Gemeinde Immendingen anlässlich des tausendjährigen Bestehens des Ortsteils Zimmern im 1973 herausgegeben wurde, hervorgeht.

Eine Kirche mit Seelsorgestelle in Zimmern werde bereits im Jahr 1275 genannt. Rund 200 Jahre später, um das Jahr 1497, sei die Pfarrei jedoch in das zwei Kilometer talaufwärts liegende Kloster Amtenhausen verlegt worden. Genau überliefert wurde das allerdings nicht. Fest stehe dagegen, dass Zimmern bis ins Jahr 1731 eine Filialkirche von Amtenhausen war und keinen eigenen Seelsorger hatte.

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Pfarrherr soll in dieser Zeit der jeweilige Prior und Beichtvater des Klosters gewesen sein. Oft seien angekündigte Gottesdienste ausgefallen. Auch hätten die Gläubigen bei jeder Witterung einen halbstündigen Fußmarsch zur Klosterkirche auf sich nehmen müssen. Der schlechte Zustand des Weges habe die Anreise zusätzlich erschwert.

Doch den größten Schaden erlitt die Pfarrei dadurch, dass sie ihr ganzes Vermögen, die Feldgrundstücke, den Pfarrwald und das Pfarrhaus, verloren habe. Das Kloster habe im Laufe der Zeit das Eigentum und die Einnahmen der Pfarrei an sich gezogen. Gewisse Güter habe es verkauft. Wie ein Chronist schrieb, war auch das Pfarrhaus verschwunden und selbst der Hausplatz und der Hausgarten waren nicht mehr da. Alles sei in fremde Hände gefallen und der Erlös dafür an das Kloster gegangen.

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Der Verlust des ganzen Kirchengutes und vor allem der Mangel eines eigenen Seelsorgers habe der Gemeinde Zimmern großen Kummer bereitet. Die Jugendlichen seien häufig nicht zur Christenlehre, die auch der Vertiefung des Lesens und Schreibens dienen sollte, gegangen. So schreibt Paul Willimski im Heimatbuch: „Der Prior des Klosters war in seiner Doppelfunktion überfordert und vernachlässigte seine seelsorgerischen Aufgaben in Zimmern, zumal der Klosterkonvent in dem Geistlichen in erster Linie einen Klosterprior und keinen Pfarrer sah.“

Wegen dieser unerträglichen Situation habe die Gemeinde Zimmern mehrfach Klagen an die zuständigen Stellen gestellt. Trotz eines 1684 erzielten Teilerfolgs habe sich die seelsorgerische Betreuung allerdings nicht verbessert.

Erste Erfolge

Der erste Erfolg kam 1728: Durch den steigenden Druck sei rund 40 Jahre nach dem ersten Teilerfolg das damalige erzbischöfliche Ordinariat Konstanz dann doch bereit gewesen, die ehemalige Pfarrei Zimmern wieder herzustellen. Dieser Schritt sei mit Schwierigkeiten verbunden gewesen.

Es sei kaum möglich gewesen, die Besitzverhältnisse der Pfarrei vor der Eingliederung zu rekonstruieren, zumal die Güter teilweise verkauft worden waren und das Kloster an dem ehemaligen Pfarrvermögen festgehalten habe. Eine eingesetzte Kommission habe erkannt, dass sie nur auf einem anderen Weg erfolgreich sein würden, um dem neuen Pfarrer eine ausreichende Existenzgrundlage zu verschaffen.

Das Reichsgotteshaus Petershausen habe sich dem Pfarrer verpflichtet, jährlich 120 Gulden zu gewähren. Das Kloster habe ein Kapital von 2000 Gulden gestiftet, das mit zehn Prozent verzinst wurde. Für den Bau des Pfarrhauses habe die Kommission ein Limit von 600 Gulden gesetzt. „Dieses sei zwar klein aber als Steinbau für den Pfarrherren ausreichend, wobei die Gemeinde die Steine brechen und auf den Platz fahren könne“, so die Kommission.

Das Kloster habe zum Bau 200 Gulden beigesteuert. Ebenso der Geistliche Johann Hugo Guldina von Konstanz. 200 Gulden habe der ab 1732 wirkende Pfarrer Jacob Fischer gestiftet und zuvor habe der Pfarrer von Seitingen, Johann Konrad Bräuchle, den Bauplatz für 70 Gulden auf eigene Kosten erworben.

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