Erneut gibt es Ärger über die mangelnde Barrierefreiheit am Bahnhof. Jetzt machte im Gemeinderat ein Zuhörer seinem Unmut Luft: Michael Vetter kritisierte die Fahrradschiene an den Ab- und Aufgangstreppen der Unterführung. Sie sei so angelegt, dass man darin kaum ein Rad schieben könne. Vetter fährt selbst viel Zug und ist dabei auch mit Fahrrad oder E-Bike unterwegs. „Bei der unter dem Geländer angebrachten Schiene an den Treppen am Immendinger Bahnhof muss man das Rad so stark kippen, dass ein großer Kraftaufwand notwendig ist, um es hinaufzuschieben“, sagt er.

Mit einem E-Bike sei der Radtransport aus der Unterführung hinauf auf den Bahnsteig fast unmöglich. Und auch aus dem Gemeinderat kam nach Vetters Ausführungen Kritik an der derzeitigen Situation, weil beispielsweise eine Nutzung der Schiene für Kinderwagen nicht praktizierbar sei.

Fahrradschiene „unglücklich angebracht“

Bürgermeister Stärk stimmte zu, dass die Schiene leider „unglücklich angebracht“ sei. Er sei mit dem zuständigen Bahn-Tochterunternehmen DB Station und Service in Kontakt und versuche weiter, kurzfristige Verbesserungen zu erreichen. Das gelte sowohl hinsichtlich der Nutzung der Bahnsteigtreppen durch Radreisende, als auch für Eltern mit Kinderwagen und für ältere Menschen.

Direkt unter dem Geländer der zur Unterführung hinabgehenden Treppe verläuft die steile Fahrradschiene, die deshalb nur wenig nützt.
Direkt unter dem Geländer der zur Unterführung hinabgehenden Treppe verläuft die steile Fahrradschiene, die deshalb nur wenig nützt. | Bild: Jutta Freudig

Längerfristig setzt Stärk aber Hoffnung auf ein neues Förderprogramm für Barrierefreiheit von Bahnhöfen. Im Fall Immendingen ist speziell der Bahnsteigbereich betroffen, da das Bahnhofsgebäude nicht mehr im Besitz der Bahn ist, sondern in privater Hand.

Immendingen hat als Knotenpunkt Chance auf Förderung

Dabei könnte das Treppauf, Treppab beim Erreichen der fünf Bahnsteige vielleicht bald der Vergangenheit angehören oder der Zugang zumindest erleichtert werden. Ein Ende 2019 aufgelegtes Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg und der Bahn hat es sich zum Ziel gemacht, selbst kleinere und mittlere Bahnhöfe zu modernisieren und barrierefrei zu gestalten. Bei den 2020 aufgelegten Vorschlägen für die Förderung ist der Immendinger Bahnhof als Knotenpunkt gut positioniert.

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Die derzeitige Situation an den Bahnsteigen stößt immer wieder auf Kritik, jedoch konnte die Gemeinde bei der Bahn bislang nur wenige Fortschritte anstoßen. Dabei ist der Immendinger Bahnhof, an dem sich die Strecken in Richtung Tuttlingen/Stuttgart und Donautal sowie Engen und Konstanz teilen, eine wichtige und gut genutzte Drehscheibe, auch für Radfahrer und Wanderer.

Was die Zulassung für eine Förderung aus dem „Bahnhofsmodernisierungsprogramm II“ angeht, so scheint Immendingen gute Karten zu haben. „Das Land hat uns an zweiter Stelle bei den Bahnhöfen priorisiert, die zwischen 1000 und 4000 Zustiege pro Tag haben“, sagt Stärk. Wesentlich sei dafür sicherlich auch die Bedeutung des Bahnhofs als überörtlicher Knotenpunkt, nicht allein die Fahrgastzahlen.