Vom Witthoh, dem Hattinger Hausberg, hat man einen phantastischen Blick auf die Hegauberge. Bei entsprechender Witterung reicht die Fernsicht sogar zum Bodensee und bis zu den Alpen. Auf der Anhöhe befindet sich in exponierter Lage der Berggasthof Windegg. Vor sieben Jahren wurde das auf das Jahr 1895 zurückgehende Gasthaus modernen Ansprüchen entsprechend grundlegend umgebaut.

1910 übernimmt Gottlob Conz

So gut wie in Vergessenheit geraten ist, dass anno dazumal, genau von 1910 bis 1937, der legendäre Gottlob Conz Wirt des Gasthauses auf dem Witthoh war. Als der urige Schwabe Conz, der von 1875 bis 1937 lebte, am 27. Januar 1910 zusammen mit seiner Frau den Windecker Hof, so der damalige Name, übernahm, der unter den Vorbesitzern schon zwei Mal abgebrannt war, hatte er schon 13 Jahre als Farmer im Wilden Westen Amerikas und einige Zeit als Bauer im Schwabenländle hinter sich. Unter den Wirtsleuten mit ihren Töchtern Marie und Hedwig wurde der Windegger Hof bei den Tuttlingern die da oben einkehrten, bald unter dem Namen Kranzer legendär.

Von altem Schrot und Korn soll er gewesen sein, der Conz-Wirt über den es viele Anekdoten gibt. Er soll einer gewesen sein der mit den Leuten so verfahren ist wie es ihm gerade in den Kram passte. Gingen dem Conz, der stets mit seiner Pfeife im Mundwinkel hinter dem Kachelofen in der Wirtsstube saß und sehr misstrauisch war, etwa seine Gäste auf den Wecker, langte er einfach in den Gläserschrank nach jenem Schild, auf dem stand: „Man bittet, den Wirt nicht zu belästigen“ und stellte es auf die Theke. Wenn dann trotzdem jemand etwas von ihm wollte zeigte er stumm mit der Pfeifenspitze auf das Schild.

Der „Datterich in d‘Hand nei gefahre“

Ein Wanderer, der an einem Sonntagmorgen auf den Witthoh spaziert war und sich beim Conz ein kühles Bier genehmigen wollte, erblickte im Dämmerlicht der Wirtsstube wie dieser auf einem Stuhl saß, den Kopf nach hinten gelegt, das Gesicht voller Seifenschaum. Ein Bauernbursche wetzte an einem ledernen Abziehriemen gerade das Rasiermesser.

Neben dem Wirt stand der Knecht vom Kranzer, auf seine Hellebarde gestützt „Rasiere han i mi völle, do isch mr der Datterich in d‘Hand nei gefahre“, erklärte der Conz dem verdutzten Gast seine missliche Lage. Da habe er halt den nächstbesten Bauernburschen in die Pflicht genommen. Der Knecht sollte ihn dagegen bewachen. „Wenn er mi ritzt ond oi Tropfa Blut fließt“, befahl der Conz dem Knecht, „na schlagst ihm d‘Art ins Hirn“.

Der Wirt und die Zollfahnder

Am bekanntesten wurde der Conz–Wirt durch sein Zutun zum Schmuggel über die Grenzen nach Baden und Württemberg nach dem ersten Weltkrieg, als die Leute überall die knappen Lebensmittel horten mussten. In Emmingen wohnten jene vier Zollfahnder, die jede Fuhre immer strengstens inspizierten, die das Kranzer-Passhaus passieren wollten. Wer schmuggelte, wurde sofort verhaftet, die kostbare Ware beschlagnahmt.

Wie im ehemaligen Archiv Konrad Gaßner, Emmingen, hinterlegt, half der Conz einem Tuttlinger Wirt, der am Kaiserstuhl eine ganze Wagenfuhre voll edlen Weins erworben hatte, indem er vorgab, er hätte den Wein für sich selbst bestellt. Als die Fahnder ob der großen Menge Weins misstrauisch wurden, lud sie der Conz einfach zu einem Schlückchen ein. Die Fahnder betranken sich dermaßen, dass sie vor lauter Übermut auf die Tische sprangen und anschließend im Suff von den Stühlen fielen. Der Tuttlinger Wirt konnte am Ende seinen Wein getrost nach Hause fahren.

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Im Fall des Möhringer Mostobstschmugglers, der mehr Äpfel im Hegau eingekauft hatte, als es die Zollfahnder erlaubten, hielt der Conz die heiße Ware solange in seiner Scheune von den Fahndern versteckt, bis einer von ihnen zur Wachablösung den Kameraden in Emmingen holen musste. In der Zwischenzeit sperrte der gewiefte Conz das Tor auf und der Möhringer machte sich mit seinem Obst aus dem Staub.

So half der schwäbische Bauernwirt vom Kranzer, Gottlob Conz, den Leuten auf dem Witthoh und freute sich, wenn er den Hütern von Recht und Ordnung hin und wieder ein Schnippchen schlagen konnte. Alte Hattinger wussten zu erzählen, der Conz sei im Leben immer konsequent gewesen. So soll er gesagt haben: „Mit meine Knoche werfet die Lausbube keine Äpfel vo de Bäum ra, i lass mi verbrenne“.