Weit verbreitet war früher das Eierlesen. Für den alten Brauch, der sich in manchen Gegenden bis heute gehalten hat, gibt es verschiedene Bezeichnungen. In das Hintschinger Heimatbuch hat der Autor Herbert Keller ein Foto aufgenommen, das zeigt, dass es schon am Ostermontag 1933 in Hintschingen ein solches Event gab.

Veranstaltungen dieser Art zogen viele Besucher, auch aus den umliegenden Orten, an. Im Jahresreigen war dies in der Gemeinde ein besonderer Höhepunkt. Bereits für die Vorbereitungen wurde ein großer Aufwand betrieben. Im Dorf stellte man einen großen Torbogen auf, dessen Holzgerüst mit Tannenreisig und Girlanden geschmückt war.

Am Tag der Veranstaltung kam eine stattliche Anzahl Reiter ins Dorf, um bei dem Ereignis mit dabei zu sein. Die Reiter waren vorwiegend von auswärts, da im Ort nicht so viele Pferde vorhanden waren. Zeitzeugen wussten von stolzen Kriegsveteranen, auch aus Immendingen, zu berichten, welche sich auch Pferde ausgeliehen hatten, um an der Veranstaltung teilnehmen zu können.

Zum Auftakt formierte sich in der Ortsmitte ein Festumzug, der mit Musik und den Akteuren zum Ort des Geschehens zog. Mit von der Partie waren auch die jungen Frauen des Ortes, die festlich und frühlingshaft gekleidet waren. Diese hatten die Aufgabe, die von den Männern während des Rittes durch den Torbogen geworfenen Eier aufzufangen. Siegerin wurde diejenige, welche die meisten Eier im Korb hatte. Nach Ermittlung des Ergebnisses schloss sich zum Abschluss des Festes meist noch ein Wettreiten an.

Das Eierlesen, vom Ablauf her wohl treffender als Eierwerfen bezeichnet, soll an ein Fruchtbarkeitssymbol aus dem 12. bis 13. Jahrhundert erinnern, wobei das Ei auch schon in vorchristlichen Kulturen für Naturerwachen, Wachstum und Neuanfang stand. Eine andere Erklärung für seine Entstehung verweist auf die Fastenzeit, Eier, früher als Fastenspeise verboten, waren nach Ostern im Überfluss vorhanden und mussten rasch verzehrt werden.