In einer durch Tuttlingens Landrat Stefan Bär initiierten konzertierten Aktion haben am Freitag der Landkreis Tuttlingen, die Stadt Tuttlingen, die Kreisgemeinden und die Polizei Tuttlingen die Narrenvereine und die Bürger aufgerufen, sich auch während der Fasnachtszeit streng an die Corona-Restriktionen zu halten. Die geltenden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen ließen sowohl tags als auch nachts keine Narretei und Feiern im sonst an Fasnacht gewohnten Rahmen zu, heißt es in den Schreiben. Die Polizei will die Einhaltung der Regeln, auch hinsichtlich privater Feiern, mit verstärkten Kräften kontrollieren. Inzidenzwert und Corona-Infektionen liegen im Kreis Tuttlingen immer noch deutlich über dem Landesdurchschnitt.

„Wir richten in unseren Rundschreiben einen Appell an die Vernunft und den Verstand der Bevölkerung“, erklärte Landrat Stefan Bär am Freitag bei der wöchentlichen Pressekonferenz zum Thema Corona. „Es ist ein mühsamer Erfolg mit den jetzt Tag für Tag langsam nach unten gehenden Zahlen und wir sollten das jetzt nicht wieder wegen ein paar närrischer Tage aufs Spiel setzen.“ Laut Bär hatte sich der Landkreis in mehreren Vorgesprächen mit der Kreisstadt und den Bürgermeistern der Kreisgemeinden auf ein gemeinsames Vorgehen hinsichtlich des Appells zur Fasnachtszeit abgestimmt und geeinigt. Allerdings sei es nicht gelungen, auch die großen, den Landkreis übergreifenden Narrenvereinigungen unter Hinweis auf die Tuttlinger Ausnahmesitution mit ins Boot zu holen.

Trotz des Bewusstseins, dass sich im Gebiet des Polizeipräsidiums Konstanz viele Fasnethochburgen befinden, appellierte am Freitag auch der Leiter des Polizeireviers Tuttlingen, Matthias Wörner, an die Bevölkerung, „wegen der hohen Ansteckungsgefahr auf jegliche Feiern zu verzichten, auch privat“. Verstärkt durch die Bereitschaftspolizei und durch zusätzliche eigene Einsätzkräfte werde die Polizei die Einhaltung von Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren intensiv kontrollieren und bei eigenen Erkenntnissen von Streifenfahrten oder bei Hinweise aus der Bevölkerung auch närrische Feiern in Privatwohnungen überprüfen.

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Eine gewisse, verstärkte Einsicht in die Notwendigkeit der Corona-Restriktionen sieht Landrat Bär nach den Erfahrungen, die man im Landkreis Tuttlingen mit einer Gruppe von 14 Wanderern gemacht hat. Diese hatte sich leichthin über die Vorschriften hinweggesetzt, war gemeinsam im Raum Mühlheim unterwegs und setzte zur Einkehr zusammen (wir berichteten). Von den 14 Wanderern waren am Ende neun coronapositiv. Es folgten 48 ermittelte Kontaktpersonen. Davon waren 17 positiv. Diese Personen gaben ein weiteres Mal 19 Kontaktpersonen an, von denen weitere sechs positive Fälle zu verzeichnen waren. Derzeit haben sich aus der Wanderung, die bundesweit Schlagzeilen machte, 32 positive Corona-Fälle binnen knapp einer Woche herauskristallisiert. Ein Ende der Infektionskette ist noch offen.