Laut den Chroniken der Immendinger Ortsteile entflohen die Menschen der Armut und Not, dem Mangel an Verdienstmöglichkeiten und einer Überbevölkerung. Die Auswanderer erhofften sich eine wirtschaftliche Besserstellung in einem anderen Land. Hierfür nahmen sie eine beschwerliche und risikoreiche Reise in eine oft ungewisse Zukunft auf sich.

Der Hunger war zu jener Zeit auch auf der Baar noch nicht überwunden. So führten abnorme Witterungsbedingungen, im Mai fronen die Gewässer ein, mit Missernten und nachfolgenden Teuerungen bei den Lebensmitteln 1816/17 zu einer großen Hungersnot. In den 1840er- und 1850er-Jahren gab es durch Fäulnis bei dem wichtigen Grundnahrungsmittel Kartoffeln schlechte Ernten.

Im 18. Jahrhundert war Osteuropa und insbesondere Ungarn das Ziel vieler Auswanderer. Im 19. Jahrhundert hingegen bildete Nordamerika vorwiegend das Zielland. In den einzelnen Ortschroniken ist nachzulesen, dass aus dem heutigen Gebiet der Gemeinde Immendingen 306 Personen nach Nordamerika auswanderten. Hiervon entfielen auf Immendingen 124, Hattingen 77, Hintschingen 12, Ippingen 23, Mauenheim 50 und Zimmern 20. Der Schwerpunkt lag in den 1850/60er-Jahren in den Altersklassen von 14 bis 20 und noch stärker bei 21 bis 40 Jahren.

Der Staat entledigte sich unbequemer Menschen

Wollte man die Heimat nicht heimlich mit unangenehmen Folgen verlassen, wozu die Flucht vor Strafen oder dem Militärdienst Anlass gaben, mussten vor Reiseantritt viele Formalitäten erledigt werden. Unabdingbar war eine Schuldenliquidation. Waren alle Bedingungen erfüllt, wurde den Auswandernden der Reisepass ausgestellt. Die benötigten Geldmittel wurden, soweit vorhanden, durch Verkauf der Häuser und weiterer Liegenschaften aufgebracht. Armen und missliebigen Personen wurde teilweise von der öffentlichen Hand unter die Arme gegriffen.

Im Laufe der Zeit gab es für die Reise Merkblätter oder Agenturen, die ihre Dienste anboten, jedoch nicht immer seriös waren. Wichtig war die Frage, welche Utensilien mitgeführt werden sollten. Der Umfang bestimmte sich nach der Größe der Kisten, die mitgeführt werden durften.

Diese Menschen suchen ihre Zukunft in Amerika. Das Bild zeigt Auswanderer in Hamburg Anfang des 20. Jahrhunderts.
Diese Menschen suchen ihre Zukunft in Amerika. Das Bild zeigt Auswanderer in Hamburg Anfang des 20. Jahrhunderts. | Bild: Leisureworkgroup

Bedeutsame Auswanderungshäfen waren für süddeutsche Auswanderer zunächst Antwerpen und Rotterdam sowie Le Havre in Frankreich, später auch Bremen und Hamburg. Beschwerlich war schon die lange Reise zum Seehafen, die größtenteils über den Rhein führte. Die Reisezeit verkürzte sich mit der Einführung der Eisenbahn. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren auf den Segelschiffen die Auswanderer in einem zwischen dem Frachtraum und dem Oberdeck provisorisch eingebauten Raum untergebracht – bei äußerst beengten Platzverhältnissen. Mit dem Einsatz von Dampfschiffen verbesserte sich die Situation etwas, wenngleich die hygienischen Bedingungen an Bord weiterhin sehr schlecht waren.

Wer in der Neuen Welt nicht auf zuvor ausgewanderte Bekannte oder Verwandte bauen konnte, stand vor einer schwierigen Existenzgründung. Tausende haben das erträumte Paradies nicht gefunden. Im Höhgauer Erzähler, Amtsblatt des damaligen Bezirksamtes Engen, ist in einem unter dem 1. Oktober 1849 von einem Auswanderer an seine in der Heimat gebliebenen Angehörigen geschriebenen Brief zu lesen: „Amerika ist ein Land wo man um sein Stück Brot essen zu können entweder wie das liebe Vieh schuften und sich abquälen, oder eine seltene Kunst die Leute zu betrügen und zu belügen verstehen muss. Um alle Welt bitte ich euch, bleibt zu Hause!“