In Zeiten der Globalisierung und modernen Arbeitsintegration sind Fragen, was Heimat ist, aktueller denn je. Heimatmuseen bewahren wichtige Erinnerungen und informieren über Orts- und Regionalgeschichte und -kultur. Diese Museen verdeutlichen die historische Entwicklung eines Ortes, der Heimat, mittels Ausstellungsstücken oder gezeigten Dokumenten. Sie ermöglichen es insbesondere der jungen Generation, eine eigene Identität und Heimatverbundenheit zu entwickeln. Seit 30 Jahren gibt es in Immendingen an der Hindenburgstraße ein Heimatmuseum als Bewahrer vergangener Lebenswelten, das bedeutende Epochen der Geschichte der Gemeinde und der sie umgebenden Landschaft widerspiegelt.

  • Frühe Ansätze: Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es in Immendingen bereits sehr früh Ansätze gab, eine „Heimstatt für das Historische“ zu schaffen. Die Verfasser des Immendinger Heimatbuches, Fritz Vögele und Franz Dreyer berichten über einen Lese- und Museumsverein, der um das Jahr 1860 gegründet wurde. Der Verein mit etwa 30 Mitgliedern stand auf einem hohen Niveau. Mit dabei waren auch Ärzte aus Geisingen und Möhringen.
Seit 30 Jahren wird die reiche Immendinger Geschichte im Heimatmuseum lebendig.
Seit 30 Jahren wird die reiche Immendinger Geschichte im Heimatmuseum lebendig. | Bild: Franz Dreyer
  • Museumsverein: Die Mitglieder trafen sich regelmäßig in der ehemaligen Brauereigaststätte Glökler (ehemaliges Bräuhaus an der Schwarzwaldstraße, neben der Post). Die Lese- und Diskussionsabende erstreckten sich oft bis tief in die Nacht hinein und überschritten sogar die Polizeistunde. Um deswegen nicht in Schwierigkeiten zu geraten, musste der Verein zu Beginn eines Jahres die Mitgliederliste im Rathaus vorlegen. Auf der Grundlage dieser Voranmeldung verlängerte die Gemeindeverwaltung für die Mitglieder die Polizeistunde. Die Polizei konnte bei Kontrollen so relativ einfach überprüfen, ob sich unter den Anwesenden auch Nichtmitglieder befanden. Trotz vieler Sitzungen entwickelte der Verein offenbar nicht die Kraft, ein Museum auf den Weg zu bringen.
Bei der Besichtigung der Fossilfunde vom Höwenegg kann der Betrachter gedanklich in die Urzeit eintauchen.
Bei der Besichtigung der Fossilfunde vom Höwenegg kann der Betrachter gedanklich in die Urzeit eintauchen. | Bild: Franz Dreyer
  • Das Museum kommt: Weit mehr als Hundert Jahre später packten Bürgermeister Helmut Mahler und der Gemeinderat die Aufgabe konkret an. Mit dem Erwerb eines Anwesens an der Hindenburgstraße ließen sich die räumlichen Voraussetzungen schaffen, um der Nachwelt die Zeugnisse der großen geschichtlichen Vergangenheit der Gemeinde, die über Jahrhunderte durch zwei Ortsherrengeschlechter geprägt war, erhalten zu können. Dabei war nicht die Gebäudesubstanz des Objektes entscheidend, sondern sein Standort, unmittelbar neben dem oberen Schloss. Durch einen maßgeschneiderten Umbau und einer Neugestaltung des Treppenhauses bot sich auf zwei Stockwerken Raum für die Ausstellung zur Geologie, Geschichte, Wirtschaft, Kirche und der Industrieentwicklung. Zudem konnten Räume für die Gemeindebücherei und eine Heimatstube, heute Jugendzentrum, gewonnen werden.
Exponate aus dem ehemaligen Kloster Amtenhausen zählen mit zu den Kostbarkeiten.
Exponate aus dem ehemaligen Kloster Amtenhausen zählen mit zu den Kostbarkeiten. | Bild: Franz Dreyer
  • Wertvolle Exponate: Die Macher hatten eine klare Vorstellung über die Struktur des Museums. Es sollte kein Sammelsurium aus Gegenständen früherer Generationen werden, vielmehr eine nach Schwerpunkten gegliederte Sammlung. Für dieses Ziel wurde Pionierarbeit geleistet. Als unermüdlicher Motor erwies sich Heimatforscher Fritz Vögele, der das Museum dann auch bis zu seinem Tode leitete.
  • Das Museum: Der Besucher des Museums gelangt nach der Einstimmung über Zeugnisse der ersten urkundlichen Erwähnung der Gemeinde und ihrer Ortschaften gleich zu einem der Glanzpunkte des Museums, den vom Naturkundemuseum Karlsruhe zur Verfügung gestellten Originalen der auf zehn Millionen Jahre zurückgehenden bedeutendsten Wirbeltierfunde Mitteleuropas am Hewenegg, wie des Urpferds Hipparion, Nashörnern und vielem mehr. Gleich nebenan lässt die paläontologische Sammlung des verstorbenen Ehrenbürgers, Pfarrer Josef Keller, mit bewundernswerten Exponaten aus den Jahrmillionen zurückliegenden Erdzeitaltern den Betrachter gedanklich in die Urzeit eintauchen. Zu bestaunen gibt es Exponate von den Hügelgräbern bei Mauenheim aus der Hallstattzeit, Erinnerungsstücke an das ehemalige Kloster Amtenhausen wie ein Wallfahrtsgemälde und historische Krippenfiguren, sowie von den Kirchengemeinden zur Verfügung gestellte sakrale Gegenstände. Ein Raum erinnert an die ehemalige Gießerei und Maschinenfabrik.
  • Bürger helfen mit: Mannigfache Unterstützung erhielt die Gemeinde bei der Einrichtung der Räume aus der Bevölkerung, die ihre Schatztruhen öffnete. Zu sehen ist unter anderem eine komplett ausgestattete Küche als Reich der Hausfrau um die Jahrhundertwende, eine Darstellung der in der Gegend vorkommenden Pilze sowie einem breit aufgestellten Raum über das örtlicher Handwerk in früherer Zeit. Erinnert wird auch an die Immendinger Ordensschwester Pia Goldschmid, die mit dem höchsten Orden des Internationalen Roten Kreuzes dekoriert wurde. Verfolgt werden kann zudem die Entwicklung der Feuerwehrausrüstung. Das Brauchtum kommt durch die Zunftstube zur Geltung. Mit den Erinnerungsstücken an die ehemalige Standortverwaltung ist auch die jüngere Geschichte bereits berücksichtigt.
  • Wissenschaft: Die Schätze des Museums bieten nicht nur Einblicke in die Wurzeln des Ortes. Die Fossilsammlung von der weithin bekannten Fundstelle am Hewenegg und die von Pfarrer Josef Keller gestiftete paläontologische Sammlung haben einen gewissen Bildungsanspruch. Immer wieder erhält das Museum wissenschaftlichen Besuch. So macht Professor Thomas Martin, Leiter des Instituts für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn seit Jahren bei seiner Exkursion durch namhafte Fundstätten Süddeutschlands mit seinen Master-Studenten jeweils Station im Immendinger Museum. Großes Interesse fand die Sammlung auch beispielsweise schon von dem naturwissenschaftlichen Verein aus Klagenfurt und sogar Wissenschaftlern aus Australien.

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