Noch in diesem Monat beginnen die Rohbauarbeiten für die Erweiterung der Verbandskläranlage, die vom Gemeindeverwaltungsverband Immendingen/Geisingen bei der jüngsten Sitzung für 1 646 516 Euro an die Firma Leonhard Störk in Emmingen-Liptingen vergeben wurden. Damit startet der Verband ein Pionierprojekt in Sachen umfassender Abwasserreinigung und ist Baden-Württemberg weit Vorreiter eines möglichst optimalen Gewässerschutzes. Bei der Maßnahme wird die Kläranlage um eine Sandfiltrationsstufe mit granulierter Aktivkohle erweitert und die bestehende biologischen Reinigungsstufe optimiert. Die Gesamtkosten des Großprojekts betragen 4,5 Millionen Euro.

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  • Zügiger Baubeginn: "Es ist wichtig, dass wir bei der Maßnahme die Zeitschiene einhalten", betonte Verbandsvorsitzender Bürgermeister Markus Hugger zu Beginn der Sitzung. Entsprechend des Zuwendungsbescheids für den immerhin 80 Prozent hohen Zuschuss muss der Bau des Projekts vor dem 31. März beginnen. Um dieser Vorgabe gerecht zu werden, wurden die Rohbauarbeiten bereits Ende Dezember deutschlandweit ausgeschrieben, die Submission fand am 29. Januar statt. "Für diese relativ große Maßnahme haben lediglich zwei Firmen ein Angebot abgegeben", so der Immendinger Ortsbaumeister Martin Kohler. Dabei war die Firma Störk mit einem Angebot in Höhe von 1,64 Millionen Euro die günstigste Bieterin, lag aber immer noch über der Kostenberechnung für das Gewerk in Höhe von nur 1,45 Millionen Euro. Kohler: "Das zweite Angebot lag mit 2,1 Millionen Euro noch deutlicher darüber."
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  • Fragezeichen bei Aushub: Wie die Verbandsverwaltung weiter ausführte, kann eventuell ein Teil des um 187 000 Euro über der Kostenberechnung liegenden Angebotspreises wieder eingespart werden. Das Angebot der Firma Störk enthält für die Abfuhr des entstehenden Aushubmaterials zwei Positionen, entweder eine günstige Wiederverwertung oder die um 130 000 Euro teurere Entsorgung auf einer Deponie. Da ein Bodengutachten ergeben hat, dass das Aushubmaterial voraussichtlich unbelastet sein wird, hofft man beim Verband, dass die günstigere Variante der Wiederverwertung gewählt und damit die 130 000 Euro eingespart werden können. Geisingens Bürgermeister Walter Hengstler zeigte sich allerdings hinsichtlich der Bodenwerte, die sich dann tatsächlich ergeben, etwas skeptisch. "Ich glaube nicht, dass das Material völlig unbelastet ist," meinte er.
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  • Zeitplan einhalten: Die Frage nach der Zuverlässigkeit und Einhaltung der Zeitplanung beim Bau stellte Paul Haug aus der Verbandsversammlung. "Man muss die Firma eben ganz eng führen, Termine absprechen und ein Bautagebuch führen", erklärte dazu Verbandsvorsitzender Hugger. Bürgermeister Hengstler empfahl, sich von der Baufirma einen Bauzeitenplan geben zu lassen. Von einer Neuausschreibung wurde abgeraten. Einerseits aus Zeitgründen, andererseits weil die Angebote wohl kaum günstiger ausfallen würden. Die Rohbauarbeiten sind der aufwändigste Teil der insgesamt 4,5 Millionen Euro teuren Kläranlagen-Erweiterung. Für den ersten Abschnitt des Projekts sind bereits drei Millionen Euro Landeszuschuss zugesagt. Für den zweiten Bauabschnitt, der einen Aufwand von 560 000 Euro erfordert, haben die Gemeinde Immendingen und die Stadt Geisingen separate Förderanträge gestellt und erhoffen ebenfalls einen 80-prozentigen Zuschuss.

Vorzeigeprojekt

Auslöser für das Pionierprojekt, das der Gemeindeverwaltungsverband mit der Kläranlagenerweiterung plant, war die Neuerteilung der wasserrechtlichen Erlaubnis und die damit verbundenen höheren Anforderungen an die Verbandskläranlage. Im Lauf der Vorbereitungen für die Erweiterung der Kläranlage um eine Reinigungsstufe hat man sich entschieden, neben den geforderten, verbesserten Werten der Phosphor-Elimination auch das Problem der Spurstoff-Entfernung (zum Beispiel Medikamente) aus dem Abwasser anzugehen. Dabei beschreitet man einen bisher landesweit einmaligen Weg. (feu)