Der gut frequentierte Premiumwanderweg „ Donauwellen“ erschließt auf seiner Länge von 13 Kilometern nicht nur landschaftliche Schönheiten, herrliche Ausblicke und interessante Besichtigungspunkte. Besonders bedeutsam ist, dass er zu den zwei touristischen Immendinger Sehenswürdigkeiten führt: zur Donauversinkung und zum Vulkankrater Höwenegg, in dessen Nähe sich eine weltberühmte Fossilfundstätte befindet.

Sensationsfund durch Zufall

Den Höwenegg erreicht man etwa auf halber Strecke des Wanderwegs. Ins Blickfeld fällt zunächst der See, der sich in dem stillgelegten Basaltsteinbruch gebildet hat. Am südlichen Hang gelangt man zu der Fossilfundstätte, die im Verborgenen liegt. Zufälle haben am Höwenegg eine enorme Rolle für das Lüften von Geheimnissen gespielt. Vor Jahrzehnten hätte niemand auch nur vermutet, dass unter der Erdoberfläche derart wertvolle Fossilien lagern.

Das könnte Sie auch interessieren

Entscheidend für den Fund war der Abbau von großen Mengen an Basalt. Diese Ausbeutung des ehemaligen Vulkans, die bis 1979 andauerte, hat die Entdeckung der Schätze der Urzeit überhaupt erst möglich gemacht. Durch den Abbau des Gesteins beziehungsweise das Einziehen von Drainagen und Stollen wurde das Gefüge am Höwenegg verändert.

Die spektakuläre Folge dieser verschobenen Statik zeigte sich 1936: Nach einem Wolkenbruch gerieten Sedimentgesteine, die sogenannte Molasse, im Bereich des unteren Stollens ins Rutschen und ließen diesen einstürzen. Als die Arbeiter den Gang wieder aufbauen wollten, gelang die Entdeckung: Bei einem Spaziergang fand der Singener Apotheker Funk damals Zähne des Hipparions. Das war der erste Fund überhaupt von Teilen eines Urpferdes im südlichen Alpenvorland, entdeckt von einem neugierigen Laien.

Skelett des Hipparions

Der spektakuläre Fund gab Anlass zu einer größeren Grabungskampagne, die in den 1950er Jahren unter der Leitung des geologischen–paläontologischen Instituts der Universität Freiburg startete. Einen Höhepunkt bildete das nahezu vollständige Skelett eines Hengstes des Hipparions, das 1954 geborgen wurde. Anderswo wurden bisher nur bruchstückhafte Teile gefunden. Vor rund zehn Millionen Jahren trabte das dreizehige Urpferd auf dem Höwenegg umher.

Zu den großen Funden zählten gut erhaltene Skelette von Urzeit-Antilopen, hier im schützenden Gipsmantel vor dem Abtransport. Dieser wurde 2008 mit technischer Hilfe durch den Immendinger Bauhof bewältigt (Archivbild).
Zu den großen Funden zählten gut erhaltene Skelette von Urzeit-Antilopen, hier im schützenden Gipsmantel vor dem Abtransport. Dieser wurde 2008 mit technischer Hilfe durch den Immendinger Bauhof bewältigt (Archivbild). | Bild: Dieter Freudig

Damals lebten in der feuchtwarmen, gewellten Landschaft, in der sich Waldungen und offene Grasflächen abwechselten, auch Elefanten, hornlose Nashörner, Antilopen sowie Säbelzahntiger. Ein See hat die Geschöpfe der Urwelt erhalten, sodass fossile Funde im Immendinger Heimatmuseum bestaunt werden können.

Experten aus aller Welt

Ab 1986 liefen weitere Ausgrabungsaktionen unter der federführenden Leitung der Professoren Siegfried Ritschel und Norbert Lenz vom Naturkundemuseum Karlsruhe. Sie lieferten weitere eindrucksvolle Funde der urzeitlichen Tier- und Pflanzenwelt. Ein Schwerpunkt lag dabei auch in mineralogischen und geologischen Untersuchungen zur Rekonstruktion der einstigen klimatischen Bedingungen. Über all die Jahre vereinigte der Höwenegg Wissenschaftler aus ganz Europa und sogar den Vereinigten Staaten.

Das könnte Sie auch interessieren

Um die Fundstelle ist es inzwischen ruhig geworden, Grabungstätigkeiten finden seit 2016 nicht mehr statt. Damals gingen Hans–Walter Mittmann und Wolfgang Munk, die vor Ort als Experten tätig waren, in den Ruhestand. Derzeit ist offen, wann es mit den Erkundungen weitergeht. Offenbar birgt die Fundstätte aber weitere Geheimnisse.

Hobbygeologen und Paläontologen werden bei ihrer Suche jedoch keinen Erfolg haben, denn die Fläche, auf der die Fossilien gefunden wurden, steht unter besonderem Schutz. Sie wurde zum Grabungsschutzgebiet erklärt, weshalb dort nur mit staatlicher Genehmigung gegraben werden darf.