Wie kann eine Gemeinde in der Größe Immendingens für die Zeit nach der Mitte des nächsten Jahrzehnts noch die ärztliche Versorgung ihrer 6400 Einwohner sicherstellen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der neue Gemeinderat in seiner ersten Sitzung nach der Konstituierung am Montagabend. Auf Vorschlag der Verwaltung genehmigte das Gremium bei einer Gegenstimme die Beauftragung zu einem Gutachten, das für 8211 Euro die aktuelle Ärztesituation abklären und Vorschläge zur nachhaltigen Absicherung der hausärztlichen Versorgung vorlegen soll. Bürgermeister Markus Hugger brachte als weiteren Aspekt zur Sprache, ob etwa ein künftiges Ärztehaus mit Bündelung der medizinischen Betreuung eine modernen Anforderungen entsprechende Lösungsmöglichkeit bieten würde.

  • Noch drei Hausärzte: Immendingen steht wie viele andere ländliche Gemeinden in ganz Deutschland vor der Herausforderung der langfristigen Aufrechterhaltung der hausärztlichen Versorgung. Die Gemeinde ist nach der Praxisaufgabe durch den Arzt Rainer Ganal, für den kein Nachfolger gefunden werden konnte, zwar aktuell mit drei Hausärzten noch einigermaßen gut aufgestellt, allerdings sind alle praktizierenden Mediziner bereits im fortgeschrittenen Alter, weshalb für die Gemeinde Handlungsbedarf besteht. Um für die kommende Situation gerüstet zu sein, empfahl die Verwaltung dem Gemeindeart, die Firma Dostal & Partner Management-Beratung Gmbh mit der Erstellung eines Gutachtens zum Thema Sicherung der hausärztlichen Versorgung zu beauftragen.
  • Generationswechsel steht an: „Wir stehen vor einem Generationswechsel,“ erklärte Bürgermeister Hugger beim Blick auf die aktuelle Arztversorgung. „Hinzu kommt der Wandel im Berufsbild der Ärzte“, betonte er weiter. Weil die heutigen Ärzte andere Vorstellungen von ihrer Arbeit hätten und sie nicht mehr als Vollzeitjob ansähen, seien Wechsel bei einer Hausarztpraxis jetzt nicht mehr so einfach. Vielfach würden von Nachwuchsärzten Großpraxen bevorzugt, um Themen wie Vertretung, Urlaub oder bei zunehmend weiblichen Kräften auch Familienplanung besser regeln zu können. Hugger: „Eine Stadt wie Tuttlingen hat acht offene Arztstellen, das Kreisklinikum findet keine Chefärzte mehr.“ Inzwischen reiche es nicht mehr, eine attraktive Gemeinde mit genügend Einwohnern zu sein, sondern es müssten entsprechende Angebote gemacht werden. „Dafür ist es jetzt fünf vor zwölf“, warnte der Bürgermeister.
  • Ärztehaus als Lösung: Zusätzlich müsse Immendingen, das vor massiven städtebaulichen Veränderungen stehe, auch noch klären, ob man beispielsweise in der künftigen Städteplanung ein medizinisches Versorgungszentrum berücksichtigen sollte. „Wir müssen uns der Frage nähern, ob wir in einem Ärztehaus medizinische Angebote vom Hausarzt, über Physiotherapie bis zum Kinderarzt bündeln wollen“, so Huggers Blick in die Zukunft. Vom vorgeschlagenen Gutachten versprach er sich hier wichtige Lösungsansätze und Entscheidungshilfen.
  • Gespräch mit Ärzten: Gemeinderat Gerhard Walter (SPD) war in der Diskussion der Ansicht, dass die Gemeinde Immendingen zunächst selbst mit den derzeit praktizierenden Ärzten Gespräche führen sollte, ehe man sich für ein Gutachten entscheide. „Für mich stimmt die Reihenfolge nicht“, sagte er. Gemeinderat Roland Leiber (CDU) unterstrich, dass eine Lösung gefunden werden müsse und das Gutachten hier Hilfestellung geben könne: „Ob man ein Ärztehaus will oder nicht, wird man dann sehen.“ Gemeinderätin Ute Scharre-Grüninger (SPD) meinte, noch sei das medizinische Angebot in Immendingen gut, aber es sei richtig, dass ein Fachbüro danach schaue „was wir brauchen und welche Perspektiven wir haben.“