Seit Monaten prägen die sich meterhoch auftürmenden Holzmengen das Bild am Immendinger Bahnhof. Die riesigen Holzstapel spiegeln die schwierige Situation wieder, in welcher sich die Forstwirtschaft derzeit befindet. In den vergangenen zwei Jahren hat der Klimawandel in Form von Hitze und Borkenkäfer dem Wald stark zu schaffen gemacht mit der Folge, dass viele Bäume abgestorben sind. Auch der Landkreis Tuttlingen ist von dieser bedauernswerten Entwicklung gebeutelt.

Hinzu gekommen ist, dass im Januar in den Höhenlagen des Heubergs in großem Unfange die Bäume unter der Last des schweren Schnees zusammengebrochen sind. Im laufenden Jahr sind im Landkreis Tuttlingen 56 000 Festmeter Schadholz angefallen. 43 Prozent des Waldes ist in Baden-Württemberg geschädigt. Die auf den Markt drängenden großen, meist qualitätsgeminderten Holzmengen haben zu einer schwierigen Absatzsituation, verbunden mit einem Preisverfall geführt. Die Ertragszeit der Forstbetriebe ist derzeit vorbei.

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  • Holzlager: Die Holzlager am Bahnhof Immendingen haben die Hohenzollern Forstdienste mit Sitz in Sigmaringen eingerichtet. Aufgeschichtet sind auf eine Länge von vier oder fünf Meter abgeschnittene Stämmen, in der Fachsprache PZ-Abschnitte genannt und Industrieholz der Güteklasse K. Das mit Langholztransportfahrzeugen angelieferte Schadholz kommt aus dem Tuttlinger Kreisgebiet, also auch vom Schneebruch auf dem Heuberg, aber auch aus weiteren Käferbereichen bis hin in Richtung Schwarzwald. Die Holzlager sind zur Bahnverladung bestimmt. Darüber hinaus wird damit ein weiterer Zweck verfolgt: Die von den rindenbrütenden Borkenkäfern, in der Fachsprache als Buchdrucker und Kupferstecher bezeichnet, befallenen Bäume müssen aus Forstschutzgründen schnellstens aufgearbeitet und aus dem Wald gebracht werden, um den sich insbesondere bei Hitze und Trockenheit stark vermehrenden Schädling kein Brutmaterial zu bieten. Durch die Lagerung außerhalb des Waldes kann auf die Behandlung mit Herbiziden, also Gift verzichtet werden.
Mit Lastwagen wird das Schadholz am Immendinger Bahnhof angeliefert, dort zwischengelagert und per Bahn weiter transportiert.
Mit Lastwagen wird das Schadholz am Immendinger Bahnhof angeliefert, dort zwischengelagert und per Bahn weiter transportiert. | Bild: Franz Dreyer
  • Abtransport: Da der Absatz mit dem ankommenden Holz nicht Schritt halten konnte, kam es zu der großen Lagerbildung. Für das Industrieholz hat sich die Verkaufsmöglichkeit inzwischen etwas verbessert. Dieses nicht für Bauzwecke verwendbare Sortiment geht in die Schweiz zur Spanplattengerstellung. Für die PZ-Abschnitte, die für Bauzwecke Verwendung finden können, gibt es Abnehmer in Bayern. „Jede Woche kommen inzwischen Tausend Festmeter zur Bahnverladung“, berichtet Steffen Riegger, Leiter der Stabsstelle der Hohenzollern Forstdienste. Die gelagerte Menge ist dadurch inzwischen etwas zurückgegangen. Riegger ist zuversichtlich, im Laufe des Winters den Abtransport der vorhandenen Industrieholzmassen abschließen zu können. Die bestehende Möglichkeit des Holztransportes ab Bahnhof Immendingen will Hohenzollernforst dann jedoch auch nach dieser Aktion nicht beenden. „Schließlich ist Immendingen im weiten Umkreis der einzige Bahnhof in dem Ganzzüge verladen werden können“, informiert der Experte.
  • Kein Transport über Sauschwänzlebahn: Um das Industrieholz auf kurzem Weg in die Schweiz bringen zu können, würde sich die Sauschwänzlebahn als Transportweg anbieten. Doch die von den Bahnbetrieben Blumberg beantragte Transportgenehmigung hat das Regierungspräsidium Freiburg bekanntlich versagt mit der Begründung, die Güterzüge würden die in den Tunnels überwinternden Fledermäuse erheblich stören. „Nur in der Zeit von Mitte April bis Ende Oktober seien Holztransporte möglich“, so das Regierungspräsidium. Somit müssen den Winter über für den Holztransport längere Strecken in Kauf genommen werden.