Das Fundament eines Mastens, ein alter, metallgefasster Brunnen, metallene Überbleibsel von landwirtschaftlichem Gerät und Schrott – das sind die Funde bei der Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg, die am Mittwoch die Gemeinde Immendingen in Atem hält. Bereits nach rund einer Stunde nach ihrem Anrücken können die Männer des Kampfmittelbeseitigungsdiensts Baden-Württemberg aus Sindelfingen Entwarnung geben. Eine Evakuierung der Bevölkerung und der damit verbundene und vorbereitete Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr sind nicht erforderlich. Der Verkehr auf den Ortsdurchfahrten Immendingen und Zimmern und der öffentliche Personennahverkehr kann wie gewohnt weiter fließen.
 

  • Suche in der Donauaue: Bereits zu früher Stunde startet die von der Gemeinde Immendingen beauftragte, private Kampfmittelräumfirma Raabe mit den Untersuchungen der verschiedenen Verdachtsstellen im Erdreich der Donauaue zwischen Immendingen und Zimmern. Entdeckt worden sind die Anomalien im Boden mit Hilfe von Luftbildern und Magnetstrahlungstests. "Solche Untersuchungen geben wir immer in Auftrag, wenn wir unsere bauliche Entwicklung ausdehnen wollen", informierte Bürgermeister Markus Hugger. Bei der ersten Suche in der Frühe am Mittwoch legt Daniel Raabe allerdings nur ungefährliche Metallteile frei. Außerdem wird ein alter, metallgefasster, abgedeckter und noch funktionsfähiger Brunnen entdeckt.
  • Kampfmittelbeseitiger rücken an:
    Brauchten ihrer gefährlichen Entschärfungs-Arbeit nicht nachzugehen: Sven Rasehorn (links) und Alexander Geiselhart vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg. Bild: Jutta Freudig
    Brauchten ihrer gefährlichen Entschärfungs-Arbeit nicht nachzugehen: Sven Rasehorn (links) und Alexander Geiselhart vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg. Bild: Jutta Freudig
    Gegen 9 Uhr rücken Sven Rasehorn und Alexander Geiselhart vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg vor Ort an. Die erste der beiden Hauptverdachtsstellen wird aufgebaggert und erweist sich tatsächlich als alter Bombentrichter, der jedoch bereits wieder mit Bauschutt aufgefüllt wurde. "Die Bombe wurde wohl vor 72 Jahren schon gefunden und von den Kollegen entschärft", meint Sven Rasehorn. Bei der zweiten Verdachtsstelle legen die Männer nach tiefem Graben durch den verwendeten kleinen Bagger ein altes Mastenfundament frei, rund zweieinhalb Meter unter der Oberfläche, bis zum Grundwasser reichend. Schnell ist klar, dass es sich auch hier nicht um einen Blindgänger handelt. Die Kampfmittelbeseitiger informieren die Einsatzleitzentrale im Immendinger Rathaus kurz vor 10 Uhr, dass keine Entschärfung notwendig wird und damit auch keine Evakuierung der Bevölkerung eingeleitet werden muss.
 
  • Einsatzleitzentrale Rathaus:
    Die Einsatzleitzentrale von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz und Gemeinde befand sich am Mittwoch im Immendinger Rathaus. Hier liefen die Informationen über die Grabungen zusammen. Bild: Jutta Freudig
    Die Einsatzleitzentrale von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz und Gemeinde befand sich am Mittwoch im Immendinger Rathaus. Hier liefen die Informationen über die Grabungen zusammen. Bild: Jutta Freudig
    Im und am Oberen Schloss, wo gleichzeitig auch der Polizeiposten Immendingen untergebracht ist, hat man sich ebenfalls schon seit dem frühen Morgen auf den möglichen Einsatz von Polizei und Feuerwehr vorbereitet. Gegen 8 Uhr rückt die Feuerwehr Trossingen mit dem Einsatzleitwagen hinter dem Rathaus an. Funkantennen werden ausgerichtet, das Rote Kreuz baut ein Zelt auf. Der Immendinger Feuerwehrgesamtkommandant Andreas Heitzmann und sein Team sind einsatzbereit. Gemeinsam mit Bürgermeister Markus Hugger fährt Heitzmann zu den Verdachtsstellen. Noch sind alle Straßen offen, die Sperrung wäre nur im Ernstfall erlassen worden. Im Lagezentrum im Rathaus sind Hauptamtsleiter Manuel Stärk, der Leiter des Polizeireviers Tuttlingen, Jörg Rommelfanger, und Pressesprecher Marcel Ferraro von der Polizei Tuttlingen zusammen mit den leitenden Kräften von Feuerwehr und DRK aktiv, erhalten laufend aktuelle Informationen von den Verdachtsstellen.
 
  • 130 Einsatzkräfte bereit:
    Gespannt verfolgen die Experten, wie mit dem Bagger vorsichtig in der Donauaue gegraben wird. Bild: Polizei
    Gespannt verfolgen die Experten, wie mit dem Bagger vorsichtig in der Donauaue gegraben wird. Bild: Polizei
    Jeweils 15 Mann der Feuerwehr und der Polizei sind während der Untersuchung der Anomalien in Boden in und an der Leitzentrale im Dienst. In Wartestellung befinden sich 60 Feuerwehrleute aus Immendingen und den Ortsteilen sowie 40 Polizisten, die im Fall einer Evakuierung ausgerückt wären. "Ich bin froh, dass nichts gefunden wurde und keine Evakuierung notwendig war", betont Bürgermeister Hugger dann aber, als Entwarnung gegeben wird. Dennoch hält Bürgermeister Markus Hugger den im Vorfeld der Aktion betriebenen Aufwand für berechtigt: "Falls man Kampfmittel gefunden hätte, wäre jede getroffene Vorkehrung zum Schutz der Bevölkerung notwendig und richtig gewesen."

Immendingen auf Twitter

"Keine Evakuierung erforderlich!" meldet die Polizei Tuttlingen kurz nach 10 Uhr am Mittwochmorgen über den Kurznachrichtendienst "Twitter". Mit der möglichen Entschärfung von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg ist Immendingen an diesem wichtigen Tag auch in den Sozialen Medien vertreten und auf Twitter können Menschen weltweit verfolgen, was in der Donaugemeinde geschieht. Neben Bildern von der Untersuchung des Kampfmittelräumdiensts gibt es dort schließlich auch die Entwarnung. Ebenso auf Facebook. Bei der Polizei Tuttlingen ist am Mittwoch mit Marcel Ferraro eigens ein Beamter abgestellt, der die Polizeiinformationen in den Sozialen Medien einstellt. (feu)