Der erste Immendinger Windpark mit fünf Windkrafträdern auf dem Amtenhauser Berg bei Ippingen ist jetzt offiziell gestartet. Die förmliche Inbetriebnahme wurde am Freitag durch Andre Baumann, Staatssektretär im baden-württembergischen Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, vor Ort vorgenommen. Gleichzeitig übergab Projektentwickler Juwi die Anlage an den Stadtwerkeverbund "Kommunalpartner". Der Windpark umfasst fünf Windkrafträder mit einer Nabenhöhe von 137 Metern und einer Nennleistung von 3,3 Megawatt. Nach der Prognose des Betreibers sollen die Anlagen rund 40 Millionen Kilowattstunden klimafreundlichen Strom im Jahr erzeugen und damit mehr als 10 000 Haushalte versorgen können.

 

Eckdaten für den Windpark Amtenhauser Berg

Bei der aus fünf Windkraftanlagen bestehenden Anlage auf dem „Amtenhauser Berg“ bei Ippingen handelt es sich um den ersten Windpark, der auf Gemarkung der Gesamtgemeinde Immendingen realisiert wurde.

  • Lange Planungen
    Das Verfahren, das der Inbetriebnahme der Windkrafträder vorausging, war langwierig und schwierig. Dabei spielte vor allem der Umweltschutz eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Projekts.
  • Ende 2017 fertiggestellt
    Seit vergangenen November ist die letzte der fünf Windenergieanlagen fertiggestellt. Insgesamt rund zwei Jahre hat es gedauert, bis die Planung, Genehmigung und Verwirklichung des Windparks bewältigt war. Die fünf Windkraftanlagen vom Typ Vestas haben zusammen eine Leistung von 16,5 Megawatt und produzieren damit jährlich 40 Millionen Kilowattstunden klimafreundlichen Strom. Mit dieser Produktion können 12 900 Haushalte versorgt werden. Die Windkrafträder haben eine Nabenhöhe von 137 Metern und eine Gesamthöhe von 200 Metern.
  • Aufwändige Genehmigung
    Bereits im Spätsommer 2015 hatte Windparkbauer juwi den Antrag auf die Genehmigung der fünf Windenergieanlagen in der Konzentrationszone Amtenhauser Berg gestellt. Beim Standort, dessen Eignung zuvor durch einen Windmessmast geprüft wurde, handelt es sich um ein Waldhochplateau zwischen Ippingen und Zimmern. Im Dezember 2016 erteilte das Landratsamt Tuttlingen dann nach einem umfangreichen Verfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit die Genehmigung zum Bau der Anlagen.
  • Schwertransporte im Einsatz
    Nach einigen Monaten Bauzeit an Wegen, Kranstellflächen und Fundamenten war letzten Sommer alles vorbereitet, damit die Großkomponenten für die fünf Windenergieräder angeliefert und die Anlagen aufgebaut werden konnten. Im August und September brachten aufwändige Schwertransporte die teils riesigen Anlagenteile an den Standort. Sie durchquerten in nächtlichen Fahrten Immendingen und Ippingen und mussten bis zu dem Hochplateau teils starke Steigungen bewältigen. Vor Ort begann dann der Aufbau der Türme. Anschließend wurden die Maschinenhäuser mit Getriebe auf eine Höhe von 137 Metern gehievt und die Rotorblätter daran montiert.
  • Klimafreundlicher Strom
    Vor der Fertigstellung stand bereits die Vermarktung des von den fünf Windkrafträdern gelieferten Stroms fest. Die klimafreundliche Energie wird über die Kommunalpartner, die Stadtwerke Überlingen, und Bietigheim-Bissingen, die Energieversorgung Filstal, die Stadtwerke Mühlacker, Schwäbisch Hall und Tübingen an Haushalte in ganz Baden-Württemberg vermarktet.
  • Partnerschaft
    Der Projektentwickler Juwi und diese Kommunal-Partner haben Ende Juli 2017 den Vertrag zum Kauf des Windparks Amtenhauser Berg bei Ippingen unterzeichnet. Damit setzten die beiden Parteien ihre Partnerschaft zum Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg fort, denn beim Ippinger Windpark handelt es sich bereits um das zweite gemeinsame Projekt.

 

  • Umweltfreundliche Gemeinde: "Ein großes Projekt für die Gemeinde findet heute seinen Abschluss", erklärte Bürgermeister Markus Hugger bei der offiziellen Übergabe des Windparks. Mit diesen Windkraftanlagen werde eine Tradition in der umweltfreundlichen Gemeinde Immendingen fortgeführt, die schon mit dem Bioenergiedorf begonnen habe und auch durch die Entwicklung alternativer Antriebe im Immendinger Daimler-Prüf- und Technologiezentrum bestätigt werde. Hugger räumte ein, dass das Thema Windkraft stark polarisiere. Juwi sei es aber gelungen, sein Projekt "unter Mitnahme der Bevölkerung" zu realisieren. Nachdem die Anlagen jetzt in Betrieb seien, hätten Ängste und Sorgen, etwa zu Geräuschentwicklung oder zum Schattenschlag, sich zerstreut. Hugger bat die Kommunalpartner, sechs kommunale Energieversorger und Stadtwerke im ganzen Land, möglichst auch Strom der Immendinger Windkrafträder für örtliche Projekte bereitzustellen. Er sprach dabei die ökologischere und nachhaltigere Produktion von Wasserstoff an, der für die Mobilität der Zukunft wichtig sei.
  • Erfolgsmodell Windkraft: Staatssekretär Baumann hob hervor, dass sich die Windkraft im Land in den letzten drei Jahren zum Erfolgsmodell entwickelt habe. "Mit dem Windpark Amtenhauser Berg sind aktuell fast 700 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 1,5 Gigawatt in Betrieb", so Baumann, der bedauerte, dass die Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Vormarsch der Windkraft im Südwesten gebremst haben. Nach der Neuregelung profitiere fast nur der Norden von der Förderung. Ein ausgewogener bundesweiter Ausbau der Windkraft sei nur bei einer Änderung der Förderbedingungen möglich.
  • Erfolg bei Energiewende: "Der Windpark Amtenhauser Berg zeigt, dass wir gemeinsam mit regionalen Partnern die Energiewende in Baden-Württemberg erfolgreich gestalten können," betonte Michael Class, Vorstandsvorsitzender des Windparkplaners Juwi. Rainer Kübler, Aufsichtsratsvorsitzender der Kommunalpartner, verdeutlichte mit kritischen Worten zu den EEG-Neuerungen ebenfalls die Notwendigkeit eines regional gesteuerten Ausbaus der Windenergie. Boris Palmer, Oberbürgermeister der mit ihren Stadtwerken an den Kommunalpartnern beteiligten Stadt Tübingen, verwies mit Bedauern darauf, dass es in seiner Kommune zu wenig Wind für ein solches Projekt herrscht und es auch kein Platz für das dort einst projektierte Daimler-Prüfzentrum gegeben habe. Er wünschte dem Windpark Erfolg. Aus Sicht des Forstbetriebs Fürst zu Fürstenberg erläuterte dessen Leiter, Jens Borchers, die Beweggründe für die Bereitstellung des Standortes.
    Bürgermeister unter sich: Am Rande der offiziellen Inbetriebnahme des ersten Immendinger Windparks ist Bürgermeister Markus Hugger (rechts) im Gespräch mit den Oberbürgermeistern von Überlingen, Jan Zeitler (Zweiter von rechts) und von Tübingen, Boris Palmer (Zweiter von links) sowie dem Geschäftsführer der Kommunalpartner Beteiligungsgesellschaft, Ortwin Wiebecke.
    Bürgermeister unter sich: Am Rande der offiziellen Inbetriebnahme des ersten Immendinger Windparks ist Bürgermeister Markus Hugger (rechts) im Gespräch mit den Oberbürgermeistern von Überlingen, Jan Zeitler (Zweiter von rechts) und von Tübingen, Boris Palmer (Zweiter von links) sowie dem Geschäftsführer der Kommunalpartner Beteiligungsgesellschaft, Ortwin Wiebecke.

Die Juwi-Gruppe

Der Projektentwickler des Windparks Amtenhauser Berg, die Juwi-Gruppe mit Sitz in Wörrstadt, zählt zu den führenden Spezialisten für erneuerbare Energien. Bislang hat Juwi im Windbereich eigenen Angaben zufolge weltweit mehr als 950 Windenergie-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 2100 Megawatt an rund 150 Standorten realisiert. Im Solarsegment sind es mehr als 1600 Photovoltaikanlagen, mit einer Gesamtleistung von rund 2300 Megawatt. (feu)