Nicht mit Worten, sondern mit Taten wollen der Bezirksimkerverein, die Gemeinde Immendingen und die Kinder der Kindertagesstätte Donaupark dazu beitragen, einen neuen Lebensraum für Wildbienen zu schaffen. Gemeinsam wurde am Dienstagmorgen auf einer großen Wiesenfläche im Donauuferpark eine Spätsommersaat der Mischung „Blühende Landschaft“ ausgebracht. Daraus entsteht im kommenden Frühjahr eine Blühwiese mit unterschiedlichen Blumen, die als Nistplatz für verschiedene Wildbienenarten dient. Die Aktion ist Teil des Projekts „Blühende Naturparke“, das vom Land Baden-Württemberg und vom Landesverband Badischer Imker propagiert wird, um weiteres Insektensterben zu verhindern.

Die Initiative für das Aussäen der Blühwiese ging vom Vorsitzenden des Bezirksimkervereins Immendingen, Peter Glökler aus. Glökler, gleichzeitig Mitglied des Gemeinderats, hat in der Vergangenheit mehrfach Aktionen rund ums Thema Bienen angestoßen. Unterstützt wurde er am Dienstag durch den Bienenweideobmann des Verbands Badischer Imker, Manfred Kraft, den einheimischen Imker Joachim Mink und Gärtnermeister Alexander Zonta von der Gemeindegärtnerei. Viel Freunde an dem Saat-Projekt hatten auch 23 Kinder der benachbarten Kindertagesstätte Donaupark im Alter zwischen drei und sechs Jahren, die von Leiterin Kathrin Leiber und Erzieherin Nadine Vorusso begleitet wurden.

Tipps für die Ausstattung eines Bienenhotels gibt Landesobmann Manfred Kraft im Gespräch mit dem Immendinger Imker Joachim Mink.
Tipps für die Ausstattung eines Bienenhotels gibt Landesobmann Manfred Kraft im Gespräch mit dem Immendinger Imker Joachim Mink. | Bild: Jutta Freudig

Landesobmann Manfred Kraft erläuterte, wie wichtig das Finden von Flächen für Blühwiesen und das Säen der unterschiedlichen Wiesenblumenarten vom Hornklee bis zur Kornblume sei, damit die über 500 Arten von Wildbienen einen Lebensraum zum Brüten finden. Solche Wiesen dürfen auch nicht bewirtschaftet werden, um die im Boden abgelegte Brut nicht zu gefährden. Neben dem Naturschutz ist das Einbeziehen von Kindern in die Aussaat-Aktionen ein weiterer positiver Effekt des landesweiten Projekts. Kraft: „Die Kinder sollen wieder mehr Bodenhaftung bekommen, sich mit Insekten, Boden und Pflanzen befassen.“ Im kommenden Frühjahr werden die Kleinen aus der Kindertagesstätte die entstandene Blühwiese wieder besuchen, um den Erfolg des Projekts direkt zu erleben. Die Kinder seien auch gleichzeitig Multiplikatoren für deren Eltern, hebt der Landesobmann hervor.

Das Anlegen der Blühwiese im Donauuferpark ist nur eine der Aktionen, die der Bezirksimkerverein in jüngerer Zeit betreibt, um das derzeit vieldiskutierte Thema Schutz von Bienen und Insekten durch Öffentlichkeitsarbeit volksnah aufzubereiten. Außerdem wurde bereits ein „Bienenhotel“ geschaffen, das ebenfalls als Nistplatz für Wildbienen und Insekten dient. Weiter entstand der erste Teil eines Lehrpfads über Honigbienen im Donauuferpark, der 2020 noch erweitert werden soll. Imkervorsitzender Peter Glökler: „Im Frühjahr wollen wir noch einen Bienenstand und einen Schaukasten mit Informationen über Bienen aufstellen.“ Der Park an der Donau, gern von Einheimischen und Touristen besucht, wird auch von vielen Radfahreren auf dem Donauradwanderweg durchquert. „Am Radweg geben wir künftig einen Hinweis, hier geht‘s zum Bienenlehrpfad„, informierte Glökler weiter. Insgesamt gehe es den Imkern darum, nicht nur etwas für Honigbienen zu tun, sondern mit ihren Aktionen hauptsächlich Wildbienen zu schützen und deren Arten in Koexistenz mit anderen Insekten zu erhalten.

Drei Bienen-Großgruppen

Die Wildbienenarten lassen sich in drei Großgruppen einteilen. Die bekannteste Gruppe ist diejenige mit kollektiver Lebensweise, zu der Hummeln und Honigbienen gehören. Außerdem gibt es noch Solitärbienen, auch Einsiedlerbienen genannt, die Einzelgänger sind und mit 95 Prozent die größte Gruppe ausmachen. Kuckucksbienen, die fremde Nester für ihre Brut nutzen, sind die dritte Großgruppe. (feu)

147 Arten auf je eine Pflanze konzentriert

571 von weltweit rund 30.000 Wildbienenarten leben in Deutschland. Eine davon ist die Honigbiene. Etwa 147 Arten von Wildbienen konzentrieren sich jeweils auf lediglich eine Blume. Gerade sie benötigen menschliche Unterstützung durch das Anlegen von Blühwiesen für ihre Brut.

  • Brüten im Boden: Rund drei Viertel der deutschen Wildbienenarten brauchen Wiesenflächen zum Brüten. Sie graben sich in diesen Wiesen Löcher und legen dort ihre Brut ab, die sich dann verpuppt und im kommenden Frühjahr schlüpft. Die Larven fressen Pollen einheimischer Blütenarten, um sich das Leben zu sichern. Damit die Wildbienen genügend unterschiedliche Pollen finden, erfolgt die Einsaat der Blühwiesen mit einem gemischten Saatgut für verschiedene Blumen.
  • Bienenhotel zum Schauen: Etwa sechs Prozent der Wildbienen nutzen die so genannten Bienenhotels. Eine dieser Brutanlagen für Bienen hat der Bezirksimkerverein bereits im vergangenen Jahr im Donauuferpark angelegt. Sie bietet mit verschiedenen, durchlöcherten Naturmaterialien die Möglichkeit, dass die Bienen darin nisten und überwintern können. Zudem wird Sand zu diesem Zweck am Bienenhotel bereitgestellt. Solche Anlagen sind aus Sicht der Imker vor allem auch ein lehrreicher Blickfang für Besucher, die sich mit dem Thema Bienen und Insekten befassen wollen.
  • Immer weniger Insekten: Mehr als 50 Prozent der deutschen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Diese und andere Insekten, wie etwa Schmetterlinge, nehmen immer mehr ab. Um dem Trend entgegenzuwirken, sind wieder mehr blühende Wiesen und Blumenarten notwendig. Einen Teil dazu tragen jetzt die Immendinger Imker bei, die von der Gemeinde bei der Bereitstellung der Flächen und des notwendigen Geräts unterstützt werden.
  • Projekt „Blühende Naturparke“: In Deutschland gibt es über hundert Naturparke, in denen die Natur- und Kulturlandschaft besonders gepflegt und erhalten wird. Die sieben Naturparke in Baden-Württemberg, darunter auch der Naturpark „Obere Donau“, zu dessen Gebiet Immendingen gehört, schützen in einer gemeinsamen Aktion die Insekten. Unter dem Motto „Blühende Naturparke“ werden daher entsprechende Flächen gesucht, auf denen es noch keine Blüten gibt und die mit Blumensamen angesät werden können. Oft helfen Kinder dabei, die damit wieder mehr Bezug zur Natur bekommen.