„Fastnacht in der Krise – Was können Zünfte dagegen tun?“ So lautete das Thema eines Forums der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee im vergangenen Jahr. Bei der Eröffnung der Fasnetsaison 2020 haben auch die Aktiven der Immendinger Strumpfkuglerzunft, Mitglied der Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte, ein erneutes Mal über die Entwicklungen diskutiert, die es den Narrenvereinen immer mehr erschweren, ihrem Brauchtum nachzugehen.

Narrentreffen werden weniger und kleiner, so die Kritik. Die Organisatoren von Narrenveranstaltungen scheuen zunehmend hohe behördliche Auflagen, die vor einem Umzug oder sogar manch einfachem Narrentreiben gemacht werden. Zunftmeister Peter Grieninger äußerte die Hoffnung auf Besserung.

  • Immer weniger Einladungen: Die Diskussion über eine mögliche Fastnachtskrise entspann sich am Ende der Hauptversammlung der Narrenzunft Strumpfkugler, als es um die Frage der Einladungen zu Narrentreffen ging. Im kommenden Jahr wird die Immendinger Zunft zum großen Narrentreffen der Schwäbisch-Alemannischen Narrenvereinigung in Bad Cannstatt (18./19. Januar) fahren. Außerdem unterstützt sie den Nachbarverein Hattingen bei seinen Narrentagen (31. Januar bis 2. Februar). Hattingen ist allerdings Mitglied der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Aus der eigenen Vereinigung und Landschaft gebe es inzwischen immer weniger Einladungen zu Narrentreffen, erklärte Zunftmeister Grieninger.
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  • Fünf Jahre Planungszeit: „Es gibt immer mehr Auflagen schon für die Umzüge vor Ort und das wird nicht besser, wenn es sogar um Narrentreffen geht“, unterstrich der Immendinger Zunftchef. Die zehn Zünfte in der Fasnachtslandschaft Baar der Vereinigung hätten zunehmend begonnen, nur noch unter sich zu Narrentreffen einzuladen. Damit würden die närrischen Zusammenkünfte kleiner und die Kontakte zu anderen Fasnetlandschaften geringer. Von der Nachbarzunft Möhringen wusste Grieninger, dass diese bereits 2019 mit ersten Planungen für ein mögliches Narrentreffen in den Jahren 2023 oder 2024 begonnen habe. Dabei sehe die Genehmigungssituation im Landkreis Tuttlingen noch besser aus, als es anderswo der Fall sei.
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  • Kritik an Politik: „Das ist für mich ein Zeichen, dass es von höherer Instanz nicht gewollt ist, Narrentreffen stattfinden zu lassen“, meinte Roland Abert bei der Diskussion. Er kritisierte vor allem auch die fehlende Unterstützung der Politik für die Narrenvereine und ihre Brauchtumspflege. Ehrenzunftmeister Helmut Börtzler mutmaßte, sehr junge oder von auswärts kommende Entscheider bei den Behörden hätten wohl kein Interesse an der heimischen Fastnacht mehr. Peter Grieninger wies jedoch darauf hin, dass es den südwestdeutschen Narrenverbänden an einem „Runden Tisch“ im Innenministerium in mehreren Gesprächen gelungen sei, diesbezüglich Fortschritte zu erzielen. „Wir haben schon einiges erreicht“, betonte er. Tatsächlich will das Innenministerium betreffend der Genehmigungen und Sicherheitskonzepte für Fastnachtsveranstaltungen jetzt neue Empfehlungen an die Gemeinden und Landratsämter geben. Der Zunftmeister sagte dazu weiter: „Wir sollten versuchen, dass nicht mehr nur Landschaften untereinander zu Narrentreffen einladen. Damit können wir alles vielleicht wieder in eine anderen Richtung bringen.“