Ende Februar 2019 werden die Rohbauarbeiten für die Realisierung der neuen Filtrationsstufe der Verbandskläranlage Immendingen vergeben. In der Folgezeit verwirklicht der Gemeindeverwaltungsverband ein Pionierprojekt in Sachen umfassender Abwasserreinigung und ist damit Baden-Württemberg weit Vorreiter eines möglichst optimalen Gewässerschutzes. Die Verbandsversammlung hat am Montagabend einhellig ihre Zustimmung für die Entwurfsplanung und Kostenberechnung zur Erweiterung der Kläranlage um eine Sandfiltrationsstufe mit granulierter Aktivkohle sowie zur Optimierung der bestehenden biologischen Reinigungsstufe gegeben. Die Kosten betragen 4,5 Millionen Euro.

  • Neue Dimensionen: "Wir sind uns bewusst, dass es sich bei der Maßnahme um ein Projekt in Dimensionen handelt, wie es der Gemeindeverwaltungsverband schon seit vielen Jahren nicht mehr gebaut hat", erklärte Verbandsvorsitzender Bürgermeister Markus Hugger zu Beginn der Beratung. Auslöser für das Pionierprojekt sei die Neuerteilung der wasserrechtlichen Erlaubnis und die damit verbundenen höheren Anforderungen an die Verbandskläranlage gewesen. Im Lauf der Vorbereitungen für die Erweiterung der Kläranlage um eine weitere Reinigungsstufe habe man sich entschieden, neben den geforderten, verbesserten Werten der Phosphor-Elimination auch das Problem der Spurstoff-Entfernung aus dem Abwasser anzugehen. Dabei beschreitet man nun einen landesweit bisher einmaligen Weg.
  • Entwurfsplanung vorgestellt: Projektleiter Gernot Molitor vom Büro Götzelmann + Partner stellte der Verbandsversammlung die Entwurfsplanung und Kostenberechnung für die Maßnahmen vor. Geplant sei der Neubau eines Filtergebäudes, das zwischen den Belüftungsbecken und den beiden Nachklärbecken entsteht. In dem Gebäude werden sechs Filterkammern, Pumpen, Speicherbecken und Elektrotechnik untergebracht. Vom derzeitigen Ablaufschacht der beiden Nachklärbecken wird eine Verbindung zur neuen Filtration geschaffen. Mit Hilfe des zusätzlichen neuartigen Filterns durch granulierte Aktivkohle entfernt die Kläranlage künftig Spurstoffe wie Medikamente, Haushaltschemikalien, Hormone, Röntgenkontrastmittel oder Flammschutzmittel, ehe das gereinigte Abwasser in die Donau eingeleitet wird. Diese gilt als "schwaches Gewässer" und benötigt höheren Schutz, unter anderem weil über die Donauversinkung auch Wasser in Aach, Rhein und schließlich den Trinkwasserspeicher Bodensee fließt. Damit die neue Filtration ihre volle Wirkung entfalten kann, muss auch die bestehende biologische Reinigungsstufe der Kläranlage im Zuge der Baumaßnahme optimiert werden.
  • Hohe Förderung: Laut Molitor liegt die Kostenberechnung für die Maßnahme 3,9 Millionen Euro. Hinzu kommen 180 000 Euro für die erste Befüllung der granulierten Aktivkohle. Diese muss alle zwei Jahre erneuert werden. Da zur Kostensicherheit wegen der stetig steigenden Baupreise weitere zehn Prozent eingerechnet werden, belaufen sich die Gesamtkosten auf 4,5 Millionen Euro. Der erste Teil der Förderung durch das Land in Höhe von 80 Prozent, der bereits übergeben wurde, beträgt 3,04 Millionen Euro. Für die restlichen Aufwendungen wurde ein weiterer Zuschuss beantragt. Wie Molitor weiter erläuterte, sollen die Rohbauarbeiten für die Maßnahme Ende Februar vergeben werden. Die Maschinentechnik, für die sehr lange Lieferzeiten bestehen, will man bereits Anfang des Jahres 2019 ausschreiben.