Ein Eröffnungsfestakt markiert am Mittwoch, 19. September, den Beginn des regulären Standortbetriebs im Daimler Prüf- und Technologiezentrums. Zuvor erhält die Bevölkerung noch ein allerletztes Mal die Gelegenheit, bei Führungen das Prüfzentrum zu besichtigen. Nach diesem Termin wird es auf Grund der laufenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten keinen Zutritt für die breite Öffentlichkeit mehr geben. Diese Informationen gab Senior Expert Lothar Ulsamer von Daimler beim letzten "Runden Tisch", der achten Veranstaltung dieser Reihe, zu der sich rund 30 Besucher am Montagabend im Daimler-Forum trafen. Mit am Tisch saßen Verantwortliche des Projektentwicklers Adventus, der das Forum von Daimler übernehmen wird.

Gut sechs Jahre nach der Eröffnung des Daimler-Forums, das seit April 2012 als Informations- und Anlaufstelle betrieben wurde, herrschte am Mittwochabend eine Art von Abschiedsstimmung, wenn der Betrieb der Einrichtung auch noch bis Ende Juli weitergeht. Caroline Anstett, die in den letzten Jahren die Projektleitung des Standorts Immendingen hatte und deren Aufgabe mit der Eröffnung des Prüfzentrums enden wird, bedankte sich eingangs bei Carmen Bergt. Die Immendingerin war von Beginn an Ansprechpartnerin und gute Seele des Daimler-Forums. Sie wird nach der Schließung des Forums künftig im Prüfzentrum mit einer neuen Funktion betraut.

Lothar Ulsamer betonte, wie wichtig es gewesen sei, mit dem Daimler-Forum eine Kontaktstelle zu haben, während die ersten Planungen für das Prüfzentrum rund drei Jahre in Anspruch nahmen und man von der Baustelle noch nichts sehen konnte. Auf dem 520 Hektar großen Gelände, das Daimler von der Bundeswehr und der Gemeinde erworben hat, seien dann 3,7 Millionen Kubikmeter Erde bewegt worden. In das Prüf- und Technologiezentrum stecke Daimler rund 200 Millionen Euro, wobei das Prüfzentrum jetzt seiner Vollendung entgegengeht, während das Technologiezentrum im eigentlichen Kasernenbereich noch bis etwa 2025 weiter ausgestaltet wird. Ulsamer informierte noch einmal kurz über die bereits fertiggestellten Prüfareale und -strecken wie die Fahrdynamikfläche, die Bertha-Fläche, den Albdauerlauf, das Stadtquartier und das 4x4- Modul für Geländefahrzeuge. Für deren Realisierung habe Daimler in Immendingen ideale Voraussetzungen gefunden und könne hier nun außerhalb des öffentlichen Verkehrs mit mehr Effizienz sowie wesentlich ökonomischer und ökologischer Erprobungen durchführen.

Fortschritte bei Umgehung

Ulsamer beschrieb schließlich noch die positiven Auswirkungen der Daimler-Ansiedlung auf Immendingen, was zum Beispiel die Schaffung neuer Infrastruktur bei den Geschäften oder den Hotels angeht, oder auch die Fortschritte in Sachen Umgehung der B 311. Er freute sich über den "fließenden Übergang", der nun beim Daimler-Forum gelinge, wenn der Projektentwickler für das neue Bahnhofsgelände, die Adventus GmbH, Ende Juli die Räume übernehme. Ove Johannen, Geschäftsführer von Adventus, erklärte, sein Unternehmen werde versuchen, das Forum in einer ähnlichen Weise zu betreiben wie es Daimler getan hat. "Wir sind froh, dass wir hier weitermachen können", so Johannsen. Adventus wolle seine Projekte wie Daimler "nach außen kommunizieren" und das Forum als offene Plattform erhalten. Der Geschäftsführer stellte Olaf Fischer vor, den neuen Immendinger Standortleiter von Adventus. Ebenso Petra Ostermann, die die Projektassistenz für das Adventus-Büro Immendingen übernehmen wird. Neben der Projektentwicklung für das Bahnhofsgelände wird Adventus vor Ort zunächst vor allem mit Wohnbauprojekten aktiv sein. Start ist im kommenden Jahr eine Wohnbebauung in Hintschingen.

Unterstützung durch Daimler bleibt erhalten

Eine ganze Reihe von Fragen der rund 30 Besucher wurden beim achten Runden Tisch im Immendinger Daimler-Forum beantwortet. Da das Forum im Juli schließt, war es die letzte Gelegenheit, sich im Rahmen einer solchen Veranstaltung zu informieren.

  • Pflegemaßnahmen: Alt-Bürgermeister Helmut Mahler erkundigte sich nach der Dauer der Waldpflegemaßnahmen, die Daimler als Ausgleichsprojekte vornehmen lässt. Laut Lothar Ulsamer sind die Maßnahmen auf 25 Jahre angelegt. Der sogenannte Waldumbau finde nur auf den Gemarkungen Immendingen und Geisingen statt. Er sei ein Teil des Ausgleichs für insgesamt 150 Hektar Wald, die wegen des Prüfzentumsbaus gerodet wurden. Etwa 30 Hektar Wald würden wieder neu aufgeforstet, jedoch außerhalb der waldreichen Gemeinde Immendingen.
  • Eröffnungsprogramm: Ein Besucher wollte Informationen hinsichtlich des Eröffnungsprogramms. Wie Lothar Ulsamer und Caroline Anstett erläuterten, gebe es am 19. September einen Eröffnungsfestakt. Vom Gedanken eines Volksfests zur Eröffnung sei man wieder weggekommen. Stattdessen gebe es unmittelbar vor der Inbetriebnahme des Prüfzentrums noch einmal Sonderführungen für die Bevölkerung.
  • Prüfbetrieb: Eine Frage betraf die Autos, die künftig erprobt werden. Dabei handele es sich um Personenwagen und Sprinter, so Ulsamer. Nutzfahrzeuge würden im Prüfzentrum nicht getestet. Die Testwagen in Immendingen seien nicht nur Elektro- oder mit alternativen Kraftstoffen betriebene Fahrzeuge, sondern auch solche mit normalen Brennstoffmotoren. Wasserstoff werde nicht auf dem Gelände, sondern an der Tankstelle in Kirchen-Hausen getankt.
  • Spenden-Unterstützung: Ute Scharre-Grüninger fragte nach der weiteren Unterstützung Daimlers durch Spenden, wie etwa Gelder für eine Studie über das Untere Schloss bereitgestellt wurden. Lothar Ulsamer bestätigte, dass Daimler an seinen Standorten immer wieder Spenden leiste. Ansprechpartner sei der künftige Leiter des Daimler-Standorts Immendingen, Reiner Imdahl, der Anfragen an die entsprechende Abteilung bei Daimler weitergeben könne.
  • Schafbeweidung: Angesprochen wurde auch das Thema Schafbeweidung. Wie Alexander Zonta erläuterte, sind derzeit 41 seiner eigens zu Naturschutzzwecken gezüchteten Schafe im Gebiet "Berlinger Hau", 20 im Steinbruch zur Beweidung eingesetzt. Mit der Schafbeweidung auf Naturschutzflächen hat Zonta schon seit sieben Jahren Erfahrung. Sie findet nach einem bestimmten Rhythmus statt, um die Flächen nur bis zu einem gewissen Grad abzuweiden. Als Erfolg wird hinterher eine wesentlich größere Artenvielfalt an Pflanzen festgestellt.
  • Wohnungsmangel: Eine Frage an diesem Abend befasste sich damit, ob die neuen Daimler-Mitarbeiter nach Immendingen ziehen oder pendeln. Laut Caroline Anstett handle es sich zu einem Teil um direkt von den Hochschulen kommende Studenten, die vielleicht eine Existenz vor Ort gründen. Es gebe aber auch bisherige Mitarbeiter, die in die Region ziehen wollen, ebenso wie welche, die von ihren Wohnsitzen aus pendeln. Vorerst ist Immendingens Wohnungsmarkt aber leergefegt und es herrscht Bauplatzmangel.
Jutta Freudig