Die gelungene Kombination zwischen Entwicklung der Automobilität auf der einen Seite und Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz der Natur auf der anderen Seite wurde am Freitag bei einem Besuch von Staatssekretär Andre Baumann im Daimler-Prüfzentrum hervorgehoben. Lothar Ulsamer von Daimler und Diplom-Biologe Dietmar Herold vom Büro Baader-Konzept erläuterten für den Besucher vom Stuttgarter Landesumweltministerium die ökologischen Projekte, die innerhalb des Daimler-Geländes realisiert wurden, wie etwa die großzügige Wildtierpassage mit Brücke und Unterführung für Wildtiere. Weitere Themen waren die Schafbeweidung, das Mahdkonzept und die Entwässerung der Testflächen.

Information über die Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der Teststrecken im Daimler-Prüfzentrum (von links): Lothar Ulsamer von Daimler, Landtagsabgeordnete Dorothea Wehingen, Staatssekretär Andre Baumann vom Landesumweltministerium, Diplom-Biologe Dietmar Herold vom Büro Baader-Konzept und Bürgermeister Markus Hugger vor der neu geteerten Fahrdynamikfläche. Bilder: Jutta Freudig
Information über die Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der Teststrecken im Daimler-Prüfzentrum (von links): Lothar Ulsamer von Daimler, Landtagsabgeordnete Dorothea Wehingen, Staatssekretär Andre Baumann vom Landesumweltministerium, Diplom-Biologe Dietmar Herold vom Büro Baader-Konzept und Bürgermeister Markus Hugger vor der neu geteerten Fahrdynamikfläche. Bilder: Jutta Freudig
  • Der Wildkorridor: Zunächst informierte Dietmar Herold oberhalb des Tunnels des Wildtierkorridors über die Ausmaße und die Funktion der Schutzanlage. Der Tunnel und die Wildtierbrücke sind die Herzstücke einer bis zu 330 Meter breiten Passage, die Tieren vom Reh, über Wildschweine bis zum Luchs und Wolf das gefahrlose Durchqueren des Prüfzentrumsgeländes ermöglichen. "Es ist sehr wichtig, dass die Landschaft für die Tiere durchgängig bleibt und das Prüfzentrum keinen Sperriegel bildet", betonte Andre Baumann bei der Besichtigung. Der Staatssekretär bezeichnete die auch auf internationaler Ebene bedeutsame Maßnahme als vorbildlich, denn die Schaffung eines solchen Wildkorridors sei aus gesetzlicher Sicht "kein Muss" gewesen. Wie Dietmar Herold für die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger (Die Grünen) erläuterte, gibt es für das Heranleiten an die Wildtierpassage und zum Schutz der Tiere eigens eine Zaunanlage, die das Prüfzentrumsgelände beidseitig abtrennt.
  • Die Magerwiesen: Lothar Ulsamer unterstrich, dass Daimler bei der Planung und Realisierung der Umwelt- und Ausgleichsmaßnahmen eng und gut mit den Naturschutzverbänden und mit den zuständigen Behörden zusammengearbeitet habe. So sei man speziell auf die Forderung der Verbände eingegangen, vor allem Magerwiesen zu schützen. Beispielsweise wurde die Geräuschmessstrecke an den Rand einer Magerwiese verlagert. Verändert wurden auch die Positionen der Berthafläche (für Tests des Autonomen Fahrens) sowie der angrenzenden Fahrdynamikfläche. Statt auf einer Magerwiese sind diese beiden Testareale auf einer Fläche entstanden, die mit ökologisch geringwertigeren Fichtenbeständen bedeckt war.
  • Die Schafbeweidung: Bei der Pflege der Wiesenflächen folgt Daimler naturnahen und schonenden Prinzipien. "Wir setzen unter anderem auf Schafbeweidung", berichtete Dietmar Herold. Bürgermeister Markus Hugger wies darauf hin, dass der Immendinger Schafhalter Alexander Zonta eigens eine robuste und genügsame Rasse von Schafen züchte, die im Daimlergelände eingesetzt wird. Staatssekretär Baumann beurteilte die Schafbeweidung ebenfalls als vorteilhaft, zumal die Tiere beim Weiden zusätzlich Samen verbreiten. Als Aufwertung für die Natur bezeichnete Baumann das "Mähregime", das Daimler bei den großen Wiesenflächen auf dem Prüfareal anwendet. Statt Wiesen ganze Hektar weit auf einen Schlag abzumähen, erfolgt die Mahd in Kleinflächen, um Insekten noch einen Rückzugsraum zu lassen. Das wirkt sich bei Arten wie Schmetterlingen oder Heuschrecken aus und ist zudem wichtig für die Vogelwelt.

Prüfzentrum im Einklang mit der Natur

Vor der Realisierung des Immendinger Daimler-Prüfzentrums auf dem ehemaligen Gelände von Kaserne und Standortübungsplatz gab es aufwändige Umweltplanungen. In 5000 Stunden wurde über einen Jahreszeitraum eine Umweltkartierung durchgeführt. Einige Ausgleichsmaßnahmen erfolgten auf dem Daimler-Areal, andere außerhalb.

  • Wildtierpassage: Der 33 Hektar große, zwischen 180 und 330 Meter breite Wildtierkorridor durchschneidet das Prüfzentrumsgelände und ermöglicht Großtieren mit Hilfe einer Wildbrücke und eines Tunnels, von einer zur anderen Seite zu gelangen. Die Planung für die Wildtierpassage wurde mit dem Generalwildwegeplan abgestimmt, der darauf ausgerichtet ist, dass Tiere ihren Weg durch Baden-Württemberg finden.
  • Waldumbau: Bei den Ausgleichsflächen außerhalb des Daimler-Geländes hat der Waldumbau den absoluten Vorrang. Wälder wurden dabei mit Hilfe einer besseren Durchmischung von Fichte Kiefer und Buche für den Klimawandel und die Zukunft ertüchtigt. Verzichtet wurde auf großflächige Aufforstungen, da sie in einer Region mit sehr hohen Waldanteilen den Flächendruck auf die Landwirtschaft erhöht hätten. Diese Lösung trugen auch die zuständigen Behörden und die Naturschutzverbände mit.
  • Tierlebensräume: Auf Grund der Ergebnisse der Umweltkartierung wurden auf dem Prüfzentrumsareal neue oder Ersatzlebensräume für seltene Tiere geschaffen. Für Fledermäuse hat man zwei der aus der Kasernenzeit vorhandenen Bunker so umgestaltet, dass sie einfliegen können. Weiter wurden Ersatzhabitate für Tiere wie Zaun- und Waldeidechsen, Haselmäuse oder Feldlerchen angelegt.
  • Amphibiengewässer: Außerhalb des Daimler-Prüfzentrums entstanden weitere Ersatzmaßnahmen zum Schutz von Flora und Fauna. Südlich von Hintschingen ließ Daimler ein Laichgewässer für Amphibien anlegen. Für das Umfeld des Bachs im Amtenhauser Tal bei Zimmern wurde ein Auwald für Biber entwickelt.

Jutta Freudig

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