Aus dem großen Saal mit dem stilechten Ambiente, in dem 30 Jahre lang Filme gezeigt wurden, soll ein Eventzentrum werden, das für Jazzkonzerte oder Lesungen ebenso dient wie für Familienfeiern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mit einem zweiten Umbau nach 2008 ist das vom Projektentwickler Adventus erworbene Gebäude jüngst auf die künftige Aufgabe vorbereitet worden. Der Gastronom und Hotelier Dirk Hetzer ist neuer Pächter. Am Sonntag, 15. September, 11 Uhr wird das neue Lichtspiel- und Eventhaus „Gloria“ mit einer öffentlichen Feier in Betrieb genommen.

Nostalgie trifft auf Moderne

Beim Betreten atmet der Kinosaal des „Gloria“ mit seinen in grünem Stoff bespannten Wänden, den Lampen, der großen Vorführleinwand und dem goldbraunen Theatervorhang noch immer die Nostalgie vergangener Tage.

Mit grünem Stoff bespannte Wände, stylische Lampen, restaurierte Kinosessel, einer der alten Filmprojektoren und die Bar atmen im neuen „Gloria“-Eventhaus ganz die Nostalgie vergangener Tage.
Mit grünem Stoff bespannte Wände, stylische Lampen, restaurierte Kinosessel, einer der alten Filmprojektoren und die Bar atmen im neuen „Gloria“-Eventhaus ganz die Nostalgie vergangener Tage. | Bild: Jutta Freudig

120 Leute finden in dem behutsam umgebauten Raum Platz. Der Boden ist nicht mehr schräg, wie er einst für die Theaterbestuhlung war, sondern eben, so dass der Raum ebenso Zuschauer für Vorführungen fassen kann, wie man ihn mit Tischen für Familienfeiern bestücken kann.

Das einstige Foyer des „Gloria“-Kinos sieht noch so aus, als hätten es die Betreiber eben erst verlassen: Das Kassenhäuschen, die Plakate von alten Filmen, die Garderobe – alles ist erhalten geblieben.
Das einstige Foyer des „Gloria“-Kinos sieht noch so aus, als hätten es die Betreiber eben erst verlassen: Das Kassenhäuschen, die Plakate von alten Filmen, die Garderobe – alles ist erhalten geblieben. | Bild: Jutta Freudig

Ausgestattet ist der Saal auch mit einem modernen Thekenbereich, der sich äußerlich aber als Bar gibt, die sich gut ins Ambiente einfügt. Der frühere Eingangsbereich des Kinos mit seinen alten Filmplakaten ist ebenso erhalten geblieben wie der Vorführraum mit einstigen Filmrollen. Sogar einen der historischen Kinoprojektoren können die Besucher noch bestaunen.

Kino-Geschichte hat dieser Filmprojektor geschrieben. Er steht auch weiterhin im Glora-Lichtspielhaus, das künftig für Events dient.
Kino-Geschichte hat dieser Filmprojektor geschrieben. Er steht auch weiterhin im Glora-Lichtspielhaus, das künftig für Events dient. | Bild: Jutta Freudig

Zum Start ab Mitte September soll im großen Saal vor allem ein vielseitiges kulturelles Angebot gemacht werden. „Wir wollen Konzerte, Theatervorführungen, Lesungen, Poetry Slams, Jazzveranstaltungen und mehr anbieten“, sagt Betriebsleiterin Mona-Lisa Müller (27). Der bis Mai angelegte Terminkalender für die Kleinkultur sei schon gut gefüllt. „Bis zum Dezember findet nahezu jedes Wochenende eine Veranstaltung statt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Müller wird sich während des künftigen Betriebs um das Programm und die Künstler ebenso kümmern wie um weitere Buchungen, etwa aus dem privaten Bereich. Zusätzliches Servicepersonal wird während der Öffnungszeiten des neuen Eventhauses engagiert.

Innerörtlicher Strukturwandel

Dass sich im „Gloria“ ein für die Gemeinde Immendingen sehr positiver Wandel vollzogen hat, zeigt sich auch an der Außenfassade des Lichtspielhauses. Diese ist neu hergerichtet worden, die Schaukästen künden nicht mehr von einer „Winnetou“-Vorstellung, sondern vom Programm des Eventzentrums. Im Namen und in den neuen großen Leuchtbuchstaben ist weiter die Tradition des Kinos erhalten geblieben.

Rund 40 Jahre nach seiner Schließung wird sich im einstigen „Gloria“-Lichtspielhaus der Vorhang wieder heben.
Rund 40 Jahre nach seiner Schließung wird sich im einstigen „Gloria“-Lichtspielhaus der Vorhang wieder heben. | Bild: Jutta Freudig

Dessen Geschichte reicht fast 70 Jahre zurück. Der Immendinger Walter Kaiser hat Anfang der fünfziger Jahre das damals hochmoderne Lichtspielhaus eröffnet. Eine ehemalige Scheune war zu diesem Zweck umgebaut worden. In jenen Anfangsjahren feierte das Kino große Erfolge. Selbst mobile Filmvorführungen, zu denen Kaisers Ehefrau in die umliegenden Orte fuhr, wurden begeistert aufgenommen. Der Andrang auf die Lichtspielhäuser hielt auch in den sechziger Jahren an. Immendingen als Garnisonsgemeinde erwies sich dabei als idealer Kinostandort.

Einstige Pläne werden wahr

Dann aber wurde das Fernsehen immer mehr zur Konkurrenz. Um 1980 gab es zuletzt nur noch Vorführungen für Soldaten, ehe das „Gloria“ endgültig schloss. Anfang des neuen Jahrtausends stieß Kaiser noch den Umbau des Kinos an, mit ähnlichen Plänen wie sie heute wahrgeworden sind. Diese erfüllten sich zu seinen Lebzeiten aber nicht mehr.