Längst ist die Zeit vergangen, als bei Zimmern Kies abgebaut wurde. Nur noch wenige, vor allem ältere Bürger, erinnern sich daran: Vor 70 Jahren traf der Gemeinderat Zimmern die ambitionierte Entscheidung, das Sand- und Kiesvorkommen in der Donau zu nutzen. Wörtlich ist im Protokoll über die Sitzung am 23. Mai 1949 zu lesen: „Die in der Donau lagernden Kies- und Sandbänke auf Gemarkung Zimmern werden dem Johann Wintermantel von Neudingen zur Ausbaggerung übergeben. Der Übernehmer zahlt der Gemeinde pro Kubikmeter 0,50 DM“.

  • Hoffen auf Hochwasserschutz: Doch nicht nur der Aspekt, Einnahmen für die Gemeindekasse generieren zu können, bildete mit ein Kriterium für diesen Beschluss. Damit verbunden war die Überlegung durch die Materialentnahme eine Steigerung der Durchflussmenge der Donau zu erreichen und damit die Hochwassergefahren mindern zu können. Seit Jahrhunderten standen bei Hochwasserführung der Donau nicht nur die tiefer gelegenen Häuser des Dorfes unter Wasser. Hinzu kam bei Überschwemmungen vor der Heuernte, dass das Gras der Wiesen in der Talaue als Heu unbrauchbar geworden war.
  • Projekt polarisiert: Wie immer wieder bei kommunalen Entscheidungen, gab es in der Bevölkerung für das Projekt nicht nur Befürworter. Dieses stieß auf Skepsis bis hin zu Kritik. Befürchtet wurde damit ein Eingriff in das Grundwasser mit nachteiligen Folgen für den Ertrag der an den Fluss angrenzenden Wiesen. Am Stammtisch war sogar zu hören, es könnte sich eine Steppe bilden.
Er kann sich noch gut daran erinnern, als in der Donau bei Zimmern Kies abgebaut wurde: Adolf Meßmer (89) arbeitete als junger Mann im Kieswerk.
Er kann sich noch gut daran erinnern, als in der Donau bei Zimmern Kies abgebaut wurde: Adolf Meßmer (89) arbeitete als junger Mann im Kieswerk. | Bild: Franz Dreyer
  • Schwimmbagger: Der Abbau der Flussablagerungen erfolgte durch einen von einem Dieselmotor angetriebenen Schwimmbagger. Adolf Meßmer (89), der in jungen Jahren im Kieswerk als Maschinist arbeitete, erinnerte sich noch gut an die auf zwei Pontons montierte technische Ausstattung des Baggers. „Mit einem umlaufenden Becherwerk wurde der anstehende Kies gefördert und in einen angedockten Kahn verladen“, erklärt Meßmer. Mit Drahtseilen, die am Ufer an Eisenpfählen befestigt waren, wurde der Bagger beidseitig stabilisiert. „Wenn hartes Material anstand, gab es einen Ruck mit der Folge, dass die Pflöcke herausgerissen wurden und neu in das Erdreich gerammt werden mussten, das war eine mühsame Arbeit“, wie Meßmer heute noch zu berichten weiß. Die etwa fünf Kubikmeter fassenden Kähne, ursprünglich einer in Holzbauweise, später alle aus Stahl, wurden mit dem Motorboot zu dem bei der Donaubrücke erstellten Kieswerk gebracht und dort zunächst wieder mit einem Becherwerk entladen und zur Verarbeitung hoch zum Brecher und den Sortieranlagen gefördert. „Später wurden die Kähne beim Kieswerk in den Fluss entleert und mit einem Schrabber wieder aus der Donau gezogen, was die Handarbeit erleichterte“, erklärt der ehemalige Maschinist weiter. Die Beladung der Schiffe erfolgte so stark , dass sie kaum noch 20 Zentimeter über dem Wasser waren. Dies musste jedoch dem Wasserstand angepasst werden, sonst passierte es, dass die Schleppkähne auf Grund liefen.
  • Vorkommen: Das Kiesvorkommen der Donau war unterschiedlich. Zur Immendinger Gemarkungsgrenze hin bei der ehemaligen Insel, war es ergiebig. Weiter flussaufwärts vor der Gemarkungsgrenze von Hintschingen kamen jedoch vorwiegend Lehm und Steine zum Vorschein.
Hier, unweit der gedeckten Zimmerer Holzbrücke über die Donau, stand einst das Kieswerk. Die Natur hat den Bereich, auf dem das Werk stand, längst wieder zurück erobert.
Hier, unweit der gedeckten Zimmerer Holzbrücke über die Donau, stand einst das Kieswerk. Die Natur hat den Bereich, auf dem das Werk stand, längst wieder zurück erobert. | Bild: Franz Dreyer
  • Der Arbeitsunfall: Die Kiesgewinnung erfolgte jeweils vom Frühjahr bis zu Beginn des Winters. Gearbeitet wurde von sechs Uhr früh bis zum Einbruch der Dunkelheit. Obgleich die Arbeit anstrengend war, blickt Adolf Meßmer mit Dank zurück: „Wir hatten einen guten Chef, der seinerzeit insgesamt zehn Kieswerke, ein Schotterwerk und ein Betonwerk betrieb“, sagt er. Trotz diesem positiven Rückblick erinnert sich der Zeitzeuge auch mit Schrecken an seinen damaligen Arbeitsplatz: Durch ein nicht geglücktes Manöver versank ein beladener Kahn in der Donau und riss das von ihm gesteuerte Motorboot mit in die Tiefe mit der Folge, dass Adolf Meßmer unter Wasser zwischen dem geladenen Kies und dem umgestürzten Motorboot zu liegen kam. Mit aller Kraft wühlte er den Kies beiseite, um sich aus seiner misslichen Lage befreien zu können. Er war dem Ertrinken nahe. Sein Glück war, dass der Betriebsleiter Erwin Wintermantel, ein Bruder des Unternehmers, ihn an den Haaren aus dem Wasser zog. „Dieser war im Krieg zur See gefahren und mit dem Element Wasser bestens vertraut“, so Adolf Meßmer.
  • Donaustrandfest: Der rührige Zimmerer Musikvereinsvorsitzende Robert Gut hatte gleich zu Beginn seiner Amtszeit die pfiffige Idee, die Infrastruktur des Kieswerkes für ein Donaustrandfest zunutzen. Dieses fand am 31. Juli 1951 statt. Mit dem Motorboot und einem ansprechend umgestalteten Kahn gab es zur Freude der Bevölkerung den ganzen Tag über Schifffahrten auf der Donau, was großen Anklang fand. Im Zimmerer Heimatbuch ist vermerkt, dass an dem Sonntag 1600 Personen befördert wurden.
  • Das Ende des Kiesabbaus: Die Abwicklung des Kiesabbaus verlief, wie im Gemeinderats-Niederschriftsbuch zu lesen ist, mit der Gemeinde nicht immer reibungslos. Schließlich wurde der Vertrag von der Gemeinde zum 1. Januar 1953 gekündigt.