Die in der Talaue der Donau bei Immendingen bei Grundstücksuntersuchungen entdeckten Verdachtsstellen auf zwei Blindgänger erinnern in nachhaltiger Weise an die Kampfhandlungen und Schrecken in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, welche die Front bis in die Heimat brachten. So überrascht der vermutete Blindgängerfund nicht. Aus Sicherheitsgründen wird bekanntlich der genaue Ort der Fundstelle geheim gehalten. Am 7. Juni wollen Experten die Fundstelle untersuchen und gegebenenfalls die Blindgänger entschärfen. Dazu sollen dann die Bürger vorsorglich evakuiert werden.

Im Immendinger Heimatbuch mit dem Titel „Geschichte einer Gemeinde an der Donauversinkung“ von Fritz Vögele und Franz Dreyer ist zu lesen, dass die ersten Bomben bereits am Tag vor Weihnachten des Jahres 1944 fielen. Glücklicherweise landeten die Bomben, 25 an der Zahl, außerhalb des Ortes. Drei Tage später erfolgte ein weiterer schwerer Luftangriff. Es waren fünf Tote und sechs Verwundete zu beklagen. Durch den Luftsog wurden die Fenster der katholischen Kirche in Mitleidenschaft gezogen.

Es folgten Woche für Woche weitere Angriffe der Jagdbomber. Das Ziel war zwar das Bahngelände. Eine ganze Anzahl Bomben verfehlten dies jedoch und fielen in das nähere und weitere Umfeld. Bei einem Angriff am 2. April 1945 wurden einige Häuser zerstört. Schließlich wurde die Gemeinde am Abend des 22. April kampflos an die Franzosen übergeben.

Das Gebiet zwischen Zimmern und Immendingen, im dem einst weitläufige Bahnanlagen angesiedelt waren, wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs immer wieder bombardiert. An zwei Stellen im Erdreich werden Blindgänger vermutet. Bild: Jutta Freudig
Das Gebiet zwischen Zimmern und Immendingen, im dem einst weitläufige Bahnanlagen angesiedelt waren, wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs immer wieder bombardiert. An zwei Stellen im Erdreich werden Blindgänger vermutet. Bild: Jutta Freudig

Doch die Kampfhandlungen flammten drei Tage später wieder auf. In der Frühe des 25. April rückten überraschend von Bad Dürrheim unter der Führung der SS nochmals Teile zweier deutscher Divisionen vor. Die Franzosen zogen sich nach Tuttlingen zurück.

Nun begann eine zweitägige Kesselschlacht um Immendingen, Zimmern und Ippingen, die furchtbare Folgen hatte. Zusammengefasst ereignete sich Folgendes: Vom Witthoh aus nahm eine französische Einheit Ziele in Immendingen unter Feuer, nachdem zuvor von Fliegern aus mit Bordwaffen auf alles geschossen wurde, was sich im Ort und im Umfeld bewegte. Der Versuch der deutschen Truppen nach Süden durchzustoßen, misslang wegen der großen Überlegenheit der Franzosen. Dreimal schlugen sie die Attacken der SS, die nicht aufgeben wollte, zurück. Zu beklagen waren 30 gefallene Soldaten und über 200 Verwundete. Das Elend war unbeschreiblich, zumal noch ein Zug mit Häftlingen aus dem Lager Flossenbürg in Immendingen gestrandet war. Am zweiten Tag versuchten die französischen Einheiten mit Panzern von Möhringen und Zimmern her wieder nach Immendingen vorzudringen. Zur Unterstützung gab es erneut fortlaufende Bombenabwürfe. Dreimal mussten sie gegen den heftigen Widerstand der SS zurückweichen. Schließlich kam am zweiten Tag das Ultimatum: Wenn die Gemeinde sich bis 20 Uhr nicht ergibt, wird alles in Brand geschossen. Glücklicherweise ergab man sich dann gegen 20.30 Uhr. Die Lage war jedoch trostlos. Neben den Gebäudeschäden waren Tote und Verwunderte zu beklagen. Im Schloss, im Kinderheim Ambs und im Waldcafe (Anwesen Friedenberg) wurden Nebenstellen des Lazaretts eingerichtet. Auch in Zimmern und Ippingen bot sich ein schreckliches Bild. Durch die starken Bombenangriffe fielen in Zimmern 13 Wohn- mit 17 Ökonomiegebäuden zum Opfer. In Ippingen brannten 17 Häuser ab.

Eisenbahnknotenpunkt

Immendingen war als Eisenbahnknotenpunkt der Schwarzwaldbahn, der Strecke Freiburg-Ulm und der Wutachtalbahn ein bevorzugtes Ziel für die feindlichen Flieger. Neben den ausgedehnten Gleisanlagen und dem heute noch vorhandenen Empfangsgebäude des Bahnhofs bestand der Knotenpunkt unter anderem aus Stellwerken, einer Umladehalle, Güterhalle, einer Lokbehandlungsanlage, Lokschuppen mit Übernachtungsgebäude und einer Bahnmeisterei mit entsprechenden technischen Einrichtungen. (wf)

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