In den achtziger Jahren waren Ausflugsfahrten und Urlaubsreisen mit dem Bus genauso populär und gefragt wie Flugreisen kurz vor der Corona-Pandemie. In einen Reisebus zu steigen, war damals wesentlich günstiger als ins Flugzeug, und eine Busreise bescherte den Passagieren obendrein schöne Erlebnisse und Landschaften.

Unter den Mitreisenden und dem Busfahrer entstanden gesellige Momente, die oft der Grundstein für langjährige Freundschaften waren.

Der Hüfinger Landwirt Edgar Bäurer war damals als Busfahrer aktiv. „Ich habe nicht bereut damals für das Unternehmen Haiz den Busführerschein gemacht zu haben“, sagt Bäurer heute. Mit dieser Aufgabe wurde sein Leben bunter und ereignisreicher, aber auch teilweise richtig anstrengend.

Partystimmung im Bus

In seinem Element war Bäurer bei Vereinsausflügen, denn sowohl für die Land- und Turnerfrauen, Musikvereine, Feuerwehr, Trachtengruppen und anderen Vereine aus der Heimat galt dieser als Höhepunkt des Jahres. Und man kannte sich.

Entsprechend ausgelassen und lustig war die Stimmung an Bord, es wurde viel gesungen. Im Bus gab es unter den Passagieren öfters Partystimmung mit Disco-Musik. Wie bei den Ski-Ausfahrten nach Ischgl.

Bäurers absolutes Highlight war 1990 eine Fahrt mit Bürgermeister und Gemeinderäten zur Einweihung eines Lufthansa-Airbus mit dem Namen „Donaueschingen“ am Stuttgarter Flughafen. Dabei durften die beiden Busse zum Festakt aufs Rollfeld fahren. Im Vordergrund (links) Edgar Bäurer.
Bäurers absolutes Highlight war 1990 eine Fahrt mit Bürgermeister und Gemeinderäten zur Einweihung eines Lufthansa-Airbus mit dem Namen „Donaueschingen“ am Stuttgarter Flughafen. Dabei durften die beiden Busse zum Festakt aufs Rollfeld fahren. Im Vordergrund (links) Edgar Bäurer. | Bild: Roland Sigwart

„Das Bus-Fahren hat mein Leben bereichert, weil mich so viele Menschen begleitet haben und ich gelernt habe, alle anfallenden Probleme selbst zu lösen“, blickt Bäurer heute zurück.

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„Ich fuhr Kinder zu Schulausflügen, war mit älteren Schülern in Hamburg und musste öfters nicht nur technische Probleme am Bus lösen, sondern auch organisatorische in den Unterkünften. Dabei entwickelte ich ein Talent für spontane Ideen und Lösungen.“

Heute steuert Edgar Bäurer von den Eichhöfen keine Busse mehr, wohl aber seinen Traktor. An seine ereignisreiche Zeit als Bus-Fahrer denkt er gerne zurück. Er hat damals gelernt, Probleme spontan und allein zu lösen und ist obendrein mit vielen schönen Erlebnissen belohnt worden.
Heute steuert Edgar Bäurer von den Eichhöfen keine Busse mehr, wohl aber seinen Traktor. An seine ereignisreiche Zeit als Bus-Fahrer denkt er gerne zurück. Er hat damals gelernt, Probleme spontan und allein zu lösen und ist obendrein mit vielen schönen Erlebnissen belohnt worden. | Bild: Gabi Lendle

Für Pilgerfahrten nach Jugoslawien sammelte er Gläubige aus der ganzen Region ein. Er brachte Fürstin Paula zu Fürstenberg sicher ans Ziel, fuhr eine honorige Gruppe um Fürst Joachim zu Fürstenberg zur Jagd nach Bittelbrunn, unter ihnen Franz-Josef Strauß und Theo Waigel. Viel Spaß hatte er an jungen Menschen der Organisation „Up with People“ die er nach Berlin fuhr.

Seine weitesten Fahrten mit anderen Reisegruppen nach Lloret de Mar allerdings wurden zu Albträumen. „Schon beim Einsteigen waren etliche betrunken und streitsüchtig. Ich musste mit Rausschmiss drohen und am Ziel den vermüllten und verdreckten Bus reinigen. Auf der Rückfahrt hatten die meisten kein Geld mehr. Das waren die Vorboten vom ,Ballermann‘“, ist sich Bäurer sicher.

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