Zwölf ausverkaufte Vorstellungen, begeistertes Publikum und unterhaltsame Stunden auf dem Theatergelände. So lautet die Bilanz des diesjährigen Sommertheaters, das mit dem Stück „Räuber“ an die Erfolge der Vorjahre anknüpfte. Also alles wie immer? Nicht ganz, denn mit dem aktuellen Stück verabschiedet sich Regisseur Paul Siemt in den Ruhestand.

Zeit für Neues

„Alles hat seine Zeit, so auch mein Abschied vom Hüfinger Sommertheater“, erläutert Siemt. Äußere Faktoren wie Alter und Energie sowie Schwerpunktverschiebungen im Leben hätten seine Entscheidung beeinflusst. Aber er kann seinem Weggang auch Positives abgewinnen. „Es ist an der Zeit einer neuen Regie Raum zu geben. Neues soll entstehen, eine neue Energie in vielleicht verkrustete Strukturen eingreifen“, sagt er.

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Paul Siemt ist nach Gesprächen mit den Beteiligten des Hüfinger Sommertheaters sicher, dass das Theater unter professioneller Regie weitergeführt wird. Chancen einen Nachfolger zu finden, sieht er in einer Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Amateurtheater oder in der Gründung einer städtischen Regiefindungskommission mit Ensemblemitgliedern. Wer die Regie künftig übernimmt, ist aber noch offen.

Kein großer Auftritt bei der letzten Vorstellung

Es passt Siemts Naturell, während der Abschiedsvorstellung der „Räuber“ zu fehlen. Ein großer Bahnhof für den Verabschiedeten hätte seinem Charakter nicht entsprochen. Dabei gäbe es genug über den Theaterpädagogen zu sagen, der seit 1998 das Hüfinger Sommertheater leitet.

In all seinen Engagements vermittelte Siemt das Theater als ein lebensbereicherndes Element. Er erkannte das Talent von Akteuren und gab ihnen auch eine Hauptrolle, selbst wenn sie zuvor noch nie groß in Aktion getreten waren. Jüngstes Beispiel ist Räuberhauptmann Christoph Martin.

Zuerst neugierig, dann gefordert: Christoph Martin ist zum ersten Mal als Schauspieler dabei.
Zuerst neugierig, dann gefordert: Christoph Martin ist zum ersten Mal als Schauspieler dabei. | Bild: Raine Bombardi

Siemt war stets ein Mann für die Vorbereitung, die mit den Castings begann. Dies standen für jedermann offen, der Lust am Theater spielen hatte. Der Profiregisseur war auch bekannt dafür, bei der überwiegenden Anzahl der Proben selbst vor Ort zu sein. Die eigentlichen Vorstellungen waren weniger sein Ding, weshalb er sie höchsten ein bis zweimal besuchte. Nicht er, sondern die Akteure sollten im Vordergrund stehen. Das war anfangs in den sechs Theaterstücken im Garten vor dem Altenpflegeheim genauso, wie in den nachfolgenden Aufführungen, die rund ums Römerbad stattfanden.

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Sommertheater wird immer professioneller

Im Verlaufe seiner Karriere als Regisseur des Hüfinger Sommertheaters erlebte Siemt eine zunehmende Professionalität hinsichtlich Technik, Ausstattung und Vermarktung. Mit den wenigen Akteuren, die noch von den Anfängen dabei sind, verbindet ihn inzwischen eine Geschichte, die sich längst in den privaten Bereich erstreckt.

Der Grund für sein Engagement im Theater führt Helmut Vogel auf die professionelle Regie zurück.
Der Grund für sein Engagement im Theater führt Helmut Vogel auf die professionelle Regie zurück. | Bild: Rainer Bombardi

„Vielleicht ist diese Mischung von Theater und Privatleben ein Eckpfeiler der großen Qualität des Sommertheaters“, so Siemt. Er ist glücklich, mit dem Hüfinger Sommertheater etwas erschaffen zu haben, was es zuvor so nicht gab. Die Inszenierung „Das kalte Herz“ aus dem Jahr 2014 bezeichnet er aufgrund ihrer Form als Nachtspaziergang als Höhepunkt seiner Zeit als Regisseur. Auch die selbst geschriebenen Theaterstücke mit Anlehnung an die Hüfinger Gesichte, wie das 2003 aufgeführte „Maria brennt – eine Hüfinger Hexengeschichte“ oder „Das Artefakt“, bedeuten Siemt viel.

Das sagen die Schauspieler

Voll des Lobes sind auch die Schauspieler. „Paul Siemt hat einen unglaublichen Sinn dafür, Bilder und Szenen lebendig wirken zu lassen und auf Vorschläge einzugehen. Dabei ließ er durchaus auch kontroverse Meinungen zu“, sagt Frieder Schräbler.

Paul Siemt versteht es, Bilder zum Leben zu erwecken, resümiert Frieder Schräbler.
Paul Siemt versteht es, Bilder zum Leben zu erwecken, resümiert Frieder Schräbler. | Bild: Rainer Bombardi

Die ebenfalls bereits im Laienschauspiel erfahrene Susanne Hauser erinnert sich noch genau an ihre erste Vorstellung in „Maria brennt“. Sie hatte die Hauptrolle und lernte auch dank Siemt das Theaterspiel von einer ganz neuen Seite kennen. Hauser hofft, dass das Sommertheater in Zukunft auf dem bestehenden Niveau fortgesetzt wird.

Susanne Hauser lernt unter der Regie von Paul Siemt das Theaterspiel.
Susanne Hauser lernt unter der Regie von Paul Siemt das Theaterspiel. | Bild: Rainer Bombardi

Für Helmut Vogel, der einen Polizisten spielte, war klar, dass die Regie von Paul Siemt ein Hauptgrund für seine Teilnahme war. „Neben einem Vollzeitjob ist eine derart intensive Probenarbeit kaum möglich“, sagt der Behlaer Ortsvorsteher Christoph Martin, der eine der Hauptrollen spielte. Hätte er zuvor geahnt, was ihn erwartet, wäre er dem Casting wohl ferngeblieben. Doch jetzt ist er begeistert, unter der Regie von Paul Siemt das Theaterspielen neu kennengelernt zu haben.

Und auch hinter den Kulissen hört man viel Lob. „Siemt schenkte mir jegliches Vertrauen, die Bilder und Szenen mit Musik zu bereichern, nachdem wir uns über unserer Vorstellungen einig waren“, sagt Kai Armbruster als Leiter der Theatermusik über den scheidenden Regisseur.