Den Begriff Kirche assoziiert man gerne mit gemeinsamen Gottesdiensten, Nächstenliebe und Kontakten innerhalb der Gemeinde – insbesondere auch während der Adventszeit. Doch aufgrund der aktuellen Corona-Situation läuft all das anders als gewohnt. Deshalb setzt die evangelische Kirchengemeinde Hüfingen-Bräunlingen nun auf Alternativen. Dort ist Esther Toepper seit dem 1. März als Pfarrerin im Probedienst tätig. Doch wer steckt hinter ihrer Person?

Die Anstellung in Hüfingen ist Toeppers erste Stelle nach dem Vikariat. Auch ihr Mann ist Pfarrer, er arbeitet in der Villinger Pauluskirche. Beide wohnen dort im Pfarrhaus, deswegen durfte die Stelle nicht allzu weit von Villingen weg sein. Die 31-Jährige ist glücklich mit ihrem Platz: „Die beiden hübschen, beschaulichen Städtchen gefielen mir auf den ersten Blick.“ Toepper sei dankbar, dass Gott sie nach Hüfingen geschickt habe: „Meine Gemeinde, wie auch mein Kirchengemeinderat, sind ein Geschenk des Himmels.“

Gott in modernen Zeiten

„Mein tiefster Herzenswunsch ist es, von Gott zu erzählen. Und zwar nicht in verschachtelten Sätzen oder Fremdwörtern, sondern alltagsnah und in einer Sprache, die jeder versteht“, erklärt Toepper. Ihr sei es wichtig, die Menschen im Gottesdienst nicht zu langweilen, sondern von einem spannenden, mutigen Gott zu erzählen, welchen sie im Leben erfahren dürfe. Denn ihre Vision ist, dass Menschen wieder Spaß am Glaube und an der Kirche haben.

An Weihnachten gibt es einen Gottesdienst der anderen Art – per Audio.
An Weihnachten gibt es einen Gottesdienst der anderen Art – per Audio. | Bild: Esther Toepper

Auch liegen ihr die jungen Erwachsenen sehr am Herzen, „also auch meine Generation“. Das sei die Generation, die am meisten Austritte verzeichne. „Ich möchte mit den jungen Menschen arbeiten, um ihnen zu zeigen, dass Kirche auch in ihrem Leben relevant sein kann“, erklärt sie. Ideen hierfür seien, Glaubens- und Ehekurse anzubieten, oder auch ein Filmprojekt in der Kirche. „In der Zeit nach Corona würde ich solche Projekte gerne verwirklichen“, betont die Pfarrerin.

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Doch wie erlebte Toepper den Corona-Lockdown? „Ich war zwei Wochen im Dienst, dann kam der Lockdown.“ Mit einem gut besuchten Einführungsgottesdienst am 8. März habe sie sich willkommen gefühlt. Doch das Gemeindeleben mit Gottesdiensten habe zwei Monate still gestanden, da sei es schwer gewesen, sich besser kennenzulernen. Ein Kennenlernen in einer Krisensituation schweiße zusammen, so Toepper. „Wenn man die Corona-Situation erst mal hinter sich gelassen hat, gibt es nichts, was man nicht zusammen als Gemeinde schaffen kann“, sagt sie.

Kreative Lösungen der Gemeinde

Auch in diesem Moment habe das Coronavirus einen großen Einfluss auf ihre Arbeit. „Wir mussten sehr kreativ werden und Vieles neu durchdenken, damit wenigstens Begegnungen mit Abstand möglich sind.“ Es wurden Taufen unter freiem Himmel gefeiert, oder es wurden Haus-Andachten und österliche Hörgottesdienste per Post und zum Mitnehmen angeboten. Es habe auch einen Abendmahl-Lieferservice gegeben: Am Buß- und Bettagsgottesdienst verschenkte Toepper mit einem männlichen Kollegen selbst gebackene Brötchen in Tüten zum Mitnehmen nach dem Gottesdienst. „Dadurch wollte ich der Gemeinde Hoffnung zusprechen“, sagt sie. Denn die Krise zeige uns, dass man Hoffnung und Vertrauen brauche: „Gott hat unser Leben in der Hand“, so Toepper.

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„Corona zwingt uns auf jeden Fall, Vieles neu zu Denken“; die Gemeinde habe bereits einige Projekte für die Weihnachtszeit geplant. Die Idee sei, das Fest auch unter freiem Himmel zu feiern, damit so viele Menschen wie möglich kommen können. Für diejenigen, die lieber im warmen Wohnzimmer bleiben wollen, werde es einen digitalen Gottesdienst im Internet und auf DVD zum Abholen geben.

In diesen Zeiten äußert sich Nächstenliebe und Solidarität in Abstand und sozialer Isolation. Das Weihnachtsfest in der Hüfinger-Bräunlinger Gemeinde wird besonders werden: besonders kreativ und vielleicht auch besonders schön – auch dank Esther Toepper.