Äußerst begehrt sind sie sowieso und wer einen pachten möchte, muss in Hüfingen mehrere Jahre warten. Schon zu normalen Zeiten sind es kleine Erholungsinseln und in der derzeitigen Corona-Pandemie sind sie noch wertvoller als ohnehin schon: Die Rede ist von Kleingärten, in denen sich ihre Pächter samt Familie erholen können und aktiv ihr eigenes Gemüse oder Obst anbauen. Oder in denen einfach nur in der freien Natur unter frischer Landluft ein kräftiges Durchatmen vom möglichen „Lagerkoller“ in der engen Wohnung möglich ist.

Steigende Temperaturen locken ins Grüne

Im ländlichen Städtedreieck ist das derzeitige Kontaktverbot sicherlich noch einfacher zu ertragen als in anonymen Großstädten, wo die Wohnungen oft eng sind und weder einen Balkon noch einen Garten haben. Wer auf dem Land einen eigenen Garten rund ums Haus hat, hat es da schon viel besser.

Klar im Vorteil sind aber auch die vielen Kleingärtner, die es angesichts steigender Temperaturen jetzt wieder ins eigene Gartenidyll zieht. Hocherfreut sind die Hüfinger Gartenpächter jetzt im Frühling also, wenn die Natur im schönsten Grün zu sprießen beginnt und farbenprächtige Blumen zuhauf aus dem Boden schießen.

Gärten am Kennerbach wieder nutzbar

Am letzten Wochenende haben wir uns bei einigen von ihnen umgehört, wie die Stimmung in den wuchernden Grünparzellen im ansonsten grauen Corona-Alltag ist: Schwer beschäftigt ist Richard Schaber, der seit über 22 Jahren eine Parzelle am Kennerbach gepachtet hat. Nachdem er – wie auch die zwölf Mitpächter – eine zweijährige Zwangspause einlegen musste, ist er zurzeit damit beschäftigt, seine Parzelle wieder völlig neu aufzubauen.

Nach einer zweijährigen Zwangspause wegen größerer städtischer Bauarbeiten richtet sich der 63-jährige Richard Schaber seit April sein Kleingartenidyll am Kennerbach wieder neu ein.
Nach einer zweijährigen Zwangspause wegen größerer städtischer Bauarbeiten richtet sich der 63-jährige Richard Schaber seit April sein Kleingartenidyll am Kennerbach wieder neu ein. | Bild: Roland Sigwart

„Da die Stadt ein großes Regenwasserrohr vom Lidl-Lager aus zur Breg verlegt hat, mussten wir das ganze Gelände räumen. Seit Anfang April können wir uns glücklicherweise nun aber wieder am Kennerbach unsere Oasen einrichten“, so Schaber. „Es wäre für mich eine Katastrophe, wenn es diesen tollen Kleingarten nicht gäbe“, sagt der 63-jährige Hüfinger, der noch zehn Monate als Mechaniker arbeiten muss und sich dann dank Pensionierung noch mehr seinem Kleingarten widmen kann.

Täglich Freizeit in der Grünzelle

Fast jeden Tag im Garten ihrer Eltern sind Sergej und Eugen Großmann, die eine Grünzelle am Wagrain in der Nähe des Kofenweihers bewirtschaften. „Zu Beginn der Corona-Krise hatten wir Angst, eventuell gar nicht mehr raus zu dürfen und unsere Parzelle wäre dann möglicherweise verwildert. Doch eine strikte Ausgangssperre kam glücklicherweise ja doch nicht und so können wir täglich unsere Freizeit in unserer Parzelle verbringen“, freuen sich die beiden Brüder.

„Im Schrebergarten unserer Eltern können wir selbst angebautes Gemüse ernten“, freuen sich Eugen (links) und Sergej Großmann.
„Im Schrebergarten unserer Eltern können wir selbst angebautes Gemüse ernten“, freuen sich Eugen (links) und Sergej Großmann. | Bild: Roland Sigwart

„Unser Kleingarten ist ein Ort in freier Natur zum völligen Entspannen“, erklären Valentina und Waldemar Eßmann, die im Gries eine große Gartenparzelle gepachtet haben. „Für uns ist das der ideale Platz um raus zu kommen, und dank der Umzäunung sicher zu sein, dass niemand den derzeit einzuhaltenden Sicherheitsabstand unterschreitet.

„Unser Schrebergarten ist ein Ort der Entspannung“, sagen Valentina und Waldemar Eßmann.
„Unser Schrebergarten ist ein Ort der Entspannung“, sagen Valentina und Waldemar Eßmann. | Bild: Roland Sigwart

Zur „Corona-freien Zone“ hat Hüfingens Stadtjugendpfleger Sascha Hustic seinen privaten Kleingarten im Gries erklärt. „Hier möchte ich vom Alltag entspannen und wenn jemand als Gast da ist, können wir über alles sprechen und diskutieren, außer über die Corona-Epidemie.“

„In meinem Kleingarten im Gries bekomm‘ ich meinen Kopf vom Alltagstrott frei und die Gartenarbeit an der frischen Luft macht obendrein einen Riesenspaß“, erklärt Cosimo Pais.
„In meinem Kleingarten im Gries bekomm‘ ich meinen Kopf vom Alltagstrott frei und die Gartenarbeit an der frischen Luft macht obendrein einen Riesenspaß“, erklärt Cosimo Pais. | Bild: Roland Sigwart

Seit rund 15 Jahren ein blühendes Paradies im Gries gepachtet hat auch Cosimo Pais. „Hier ist der Ort, um den Kopf vom Alltag frei zu bekommen. Und obendrein hab‘ ich einen Riesen-Spaß mit der abwechslungsreichen Gartenarbeit“, erklärt der 77-jährige. „Veranstaltungen gibt es derzeit ja nicht – dann kann ich mich glücklicherweise hier austoben“, so Pais.

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