Peter Marx hat es schon kommen sehen: Da sich der Biber aus natürlicher Begebenheit weiter vermehre, wären alle Hüfinger Gewässer sehr stark durch das Tier besetzt. „Die Aussicht, dass eine Besserung nach dem neuen Konzept des Landkreises eintritt, hat sich nicht erfüllt und war für mich vorhersehbar“, sagt der Hüfinger Biotopbeauftragte.

„Die Vorfluter, die wir mit hohem Aufwand renaturiert haben, werden wieder stärker in Anspruch genommen.“
Peter Marx, Biotopbeauftragte

Sicher gebe es in Hüfingen auch Gebiete, wo der Biber keine Probleme mache. Doch für die Arbeit von Peter Marx als Biotopbeauftragter scheint das Tier nicht gerade zuträglich: „Die Vorfluter, die wir mit hohem Aufwand renaturiert haben, werden wieder stärker in Anspruch genommen“, erklärt Marx bei seinem jährlichen Vortrag über die Biotopvernetzungs-Planungen.

Die Situation am Schleewiesengraben

Vor sechs Jahren habe die Stadt den Schleewiesengraben mit viel Aufwand renaturiert und die Durchwanderbarkeit des Wassers sichergestellt. Das Ziel: Das Wasser soll fließen, sich nicht erwärmen und die Tier- und Pflanzenwelt soll so auch wandern können. Mittlerweile biete sich aber ein anderes Bild: Am Schleewiesengraben habe der Biber auf einer Länge von rund drei Kilometern 14 Dämme errichtet. Da könne nicht davon gesprochen werden, dass das Wasser noch richtig fließen könne. „Auch die vorhandenen Drainage-Ausläufe sind nicht funktionsfähig“, sagt Marx.

Die Situation am Mühlebach

Ganz „extrem“ sei die Situation am Mühlebach in Sumpfohren. Aufgrund der Biberdämme würde der Mühlebach andauernd überlaufen. Der neue Gewässerrandstreifen und angrenzende Felder würden deshalb ständig unter Wasser stehen. Marx sieht dadurch auch eine Gefahr für den Abwasserkanal von Behla, der in der Nähe verläuft. Aufgrund von Auskolkungen ist auch der angrenzende Abwasserkanal von Behla in Gefahr.

Die Situation am Marbengraben

Und im neu renaturierten Marbengraben habe der Biber sein altes Revier wieder besetzt. „Und zwar so, dass die Entwässerung der ehemaligen Mülldeponie gefährdet ist“, sagt Marx. Aber in diesem Fall sei der Kreis verantwortlich. Doch nicht nur das alte Revier ist wieder besetzt: Am Wuhrholz wären vier Dämme errichtet worden. Problematisch sei hier, dass viele Fichten und Kiefern angenagt wurden, so dass inzwischen rund 100 Drahthosen angelegt werden mussten.

„Hier sieht man ganz eindeutig die zwei Gesichter des Naturschutzes.“
Peter Marx

„Mir persönlich ist es so langsam egal, was der Biber macht“, sagt Marx. Aber er sehe es nicht ein, dass für mehrere 100.000 Euro die Bachläufe und Vorfluter vorbildlich renaturiert werden und der Biber hinterher die Maßnahme anders reguliere und die gesetzlichen Vorgaben der Durchwanderbarkeit und die Nichterwärmung der Gewässer wieder außer Kraft setzt. „Hier sieht man ganz eindeutig die zwei Gesichter des Naturschutzes„, erklärt der Biotopbeauftragte. Der Biber werde weitere Reviere besetzen und die Wasserläufe so gestalten, wie es sein Naturell vorgibt. „Somit bestimmen weiterhin die Naturschützer über den Biber“, sagt Marx und fügt hinzu: „Diese Naturschützer halten die zum Teil starken Schäden an Bachläufen, Gehölzen, Dränagen, der Wasserqualität und der landwirtschaftlichen Flächen für selbstverständlich.“