Stolz steht Daniel Bucher in dem Gebäude, das in wenigen Wochen endlich das neue Zuhause seiner Familie sein soll. Vier Jahre lang hat er fast jeden Freitagnachmittag und Samstag dort verbracht. Rund 4000 Arbeitsstunden haben sich laut seinen Aufzeichnungen über die Zeit angesammelt – in Wirklichkeit werden es wohl noch einige mehr sein. Nichtsdestotrotz sprühen seine Augen vor Tatendrang und sein Kopf ist randvoll mit neuen Ideen. Für jeden Winkel des Hauses hat er eine andere Vision, die es umzusetzen gilt.

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Mit dem Umbau geht für Daniel Bucher ein Lebenstraum in Erfüllung. Als Schreiner kann er sich in dem alten Gebäude kreativ austoben und achtet dabei auch aufs kleinste Detail wie hier auf die stilechte Schnittstelle der Holzverkleidung, damit sie wie ein echter Balken aussieht.
Mit dem Umbau geht für Daniel Bucher ein Lebenstraum in Erfüllung. Als Schreiner kann er sich in dem alten Gebäude kreativ austoben und achtet dabei auch aufs kleinste Detail wie hier auf die stilechte Schnittstelle der Holzverkleidung, damit sie wie ein echter Balken aussieht. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Kaum über die Schwelle der ehemaligen Scheune getreten, deutet er auch schon nach oben. In einigen Metern Höhe hängt ein altes verrostetes Rad: "Das ist eine Krächmale, eine Art Heugabel, die früher dazu genutzt wurde, das Heu auf den Dachboden zu bekommen. Wir werden sie als Lampenhalter benutzen." Die 18 Meter langen Holzbalken, die er aus dem Boden der Scheune geholt hat, stellen für ihn ein schier endloses Potenzial dar. Von einem befreundeten Zimmermann in sechs Zentimeter dicke Bretter zugesägt, dienen sie ihm nicht nur als Verkleidung der Fensterbänke und Treppenstufen, sondern auch als Werkstoff für die Inneneinrichtung: Jede Menge Möbel – von der Regalwand bis zum Küchentisch – sollen noch aus dem drei Jahrhunderte alten Holz entstehen. Alles selbstgebaut, versteht sich. "Was du noch so alles machen willst", versucht Susanne Bucher ihrem Mann gelegentlich etwas Einhalt zu gebieten.

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Alter Charme soll erhalten bleiben

In der Tat entsteht beim Rundgang durch das Haus der Eindruck, dass der Familie auch in Zukunft nicht langweilig werden dürfte. Auf einer Wohnfläche von 600 Quadratmetern wird beim Umbau nichts halbherzig gemacht. Bis ins kleinste Detail legen die Buchers Wert darauf, dass so viel wie möglich vom alten Charme des Gebäudes erhalten bleibt, gleichzeitig aber alles den modernen Wohnansprüchen gerecht wird. Einmal stellt sich der Familienvater unter einen großen Holzbalken: "Tatsächlich ist das gar kein Balken, es sieht nur so aus. Ich habe hier einen Betonvorsprung mit Holz verkleidet", verrät er sein Geheimnis. Der Clou dabei? "Weil man am echten Balken gegenüber sieht, wie die einzelnen Teile in ineinander verhakt sind, habe ich diese Schnittstelle auch in der Verkleidung vorgetäuscht, um es möglichst echt aussehen zu lassen." Aus diesem Grund wurde auch die Kante schräg gelassen. "In einem alten Haus ist nun einmal nichts wirklich gerade", fügt Susanne Bucher an.

2016: So sah die Rückseite des Sennhofes noch vor zweieinhalb Jahren aus.
2016: So sah die Rückseite des Sennhofes noch vor zweieinhalb Jahren aus. | Bild: Daniel Bucher

Ein altes Haus ist nicht gerade

Davon kann das Ehepaar ein Lied singen. Mal war die Decke hier um 17 Zentimeter geneigt, mal unterschied sich die Höhe des Bodens dort um 25 Zentimeter. Lauscht man den Erzählungen des Schreiners könnte man meinen, dass Maßnahmen zur Begradigung einen Großteil seiner Zeit eingenommen haben. "Beim Boden in unserer zukünftigen Wohnung habe ich erst einmal weitere Balken aufgebracht, um diese dann mit einem Laser auf eine einheitliche Höhe zu bringen", erinnert er sich an die mühselige Schufterei. Auch sonst hielt die alte Bausubstanz so manche Extra-Arbeit parat: 1,3 Tonnen Trockeneis benötigten die Handwerker, um das alte Gebälk vom Schmutz zu befreien. Beim Streichen muss stets darauf geachtet werden, dass die Balken nichts abbekommen, die gefühlt aus jeder Wand herausragen. Die Raumaufteilung orientiert sich an der Position und Dicke der Balken.

Im zukünftigen Wohnzimmer der Familie ist das Alte mit dem Neuen harmonisch vereint.
Im zukünftigen Wohnzimmer der Familie ist das Alte mit dem Neuen harmonisch vereint. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Die Auflagen des Denkmalamtes

Und schließlich ist da noch das Denkmalamt, dessen Auflagen beim Ehepaar so manches Mal für einen erhöhten Blutdruck sorgten. Nachdem die Finanzierung und die Planung mit dem Architekten stand, fehlte nur noch die Genehmigung der Behörde. Eine Delegation aus acht Personen von Landratsamt und Regierungspräsidium seien damals zu ihnen gekommen, um sich das Gebäude und die Pläne anzusehen. "Susanne hat mich im Vorfeld gebeten, auf keinen Fall die Ruhe zu verlieren." Noch heute scheint es Daniel Bucher zu amüsieren, dass es letztendlich seine Frau war, der der Geduldsfaden riss. Generell fänden sie die Arbeit des Denkmalamts ja sehr wichtig und könnten auch nachvollziehen, dass so viel wie möglich vom Gebäude erhalten bleibt. "Das wollen wir ja auch. Besonders, weil im Hausteil meiner Großeltern bei Umbauarbeiten in den 1970er Jahren darauf nicht viel Wert gelegt wurde", zeigt sich Susanne Bucher, die im Hüfinger Tourismusamt arbeitet, verständnisvoll. Dennoch seien einige Vorgaben einfach ärgerlich gewesen. Die Dicke der hinteren Außenwand wollte das Ehepaar beispielsweise von 1,20 Meter auf 40 Zentimeter verringern, musste dafür jedoch erst einmal nachweisen, dass es sich bei der Wand nicht – wie vom Amt vermutet – um ein Stück der ehemaligen Stadtmauer handelte. Weder die Aussage der Stadt, noch das Urteil eines Königsfelder Steinmetzen genügte. Für das teure Gutachten musste eigens ein Kunsthistoriker anreisen, der die Vermutung des Denkmalamts widerlegte – die Kosten trug Familie Bucher. Die Wand durfte schließlich auf 40 Zentimeter Dicke gebracht werden. Auf die Genehmigung mussten sie über ein halbes Jahr warten, Zuschüsse gab es keine.

2018 erstrahlt das Haus auch von hinten in neuem Glanz, trotz langwieriger Verhandlungen mit dem Denkmalamt.
2018 erstrahlt das Haus auch von hinten in neuem Glanz, trotz langwieriger Verhandlungen mit dem Denkmalamt. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Ziel war Weihnachten

Sein ganzes Herzblut hat der Schreiner in das Gebäude gesteckt, das nächstes Jahr seinen 300. Geburtstag feiert. "Allmählich bin ich schon froh, wenn alles fertig ist", gibt er zu. Neben Arbeit und Familie seien die Arbeiten eine große Herausforderung gewesen. Schließlich hat vor elf Wochen auch noch der kleine Moritz das Licht der Welt erblickt. Zusammen mit seiner zweieinhalbjährigen Schwester Magdalena wird er die sechste Generation der Familie seiner Mutter bilden, die den alten Sennhof ihr zu Hause nennt. Von den Arbeiten um ihn herum bekommt der kleine Mann nicht viel mit – dabei ist noch einiges zu tun.

Im Haus der Buchers ist das Alte mit dem Neuen harmonisch miteinander vereint.
Im Haus der Buchers ist das Alte mit dem Neuen harmonisch miteinander vereint. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Denkmalschutz – Voraussetzungen, Chancen und Probleme

  • Was kann Kulturdenkmal werden? Im Denkmalschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg ist im zweiten Paragraphen festgelegt, dass "Kulturdenkmale im Sinne des Gesetzes Sachen, Sachgesamtheiten und Teile von Sachen sind, an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht."
  • Wer kann Denkmalschutz beantragen? Wie Ingo Kottmann, Leiter der Bauverwaltung Donaueschingen, auf SÜDKURIER-Nachfrage mitteilt, ist im Grunde jeder dazu befähigt, eine Prüfung auf Denkmalschutz zu beantragen. Meistens geht die Initiative von der Gemeinde, dem Eigentümer oder einem Heimatforscher, aber auch unbeteiligten Dritten können die Anfrage initiieren.
  • Welche Unterlagen werden benötigt? Aktuelle Fotos von außen und im besten Falle auch innen dürfen laut Kottmann bei der Antragsstellung auf keinen Fall fehlen. Planunterlagen, Bauakten und sonstige Dokumente, aus denen wichtige Informationen wie Baujahr, -herr, Architekt oder Änderungen an der Bausubstanz hervorgehen, sind für ebenfalls hilfreich.
  • Wie läuft das Verfahren ab? In der Regel erfolgt eine Anfrage der Unteren Denkmalbehörde – für den Bereich Donaueschingen ist das die Bauverwaltung Donaueschingen, für Hüfingen und Bräunlingen das Landratsamt – an das Landesamt für Denkmalpflege. Im Rahmen der Antragsprüfung erfolgt dann in den meisten Fällen eine Ortsbegehung durch den zuständigen Mitarbeiter, der im Anschluss eine Stellungnahme abgibt, in der zu der Entscheidung kommt, ob es sich um ein Kulturdenkmal handelt.
  • Welche Vorteile bietet der Schutz dem Eigentümer? Das Land trägt durch Zuschüsse zur Erhaltung des Gebäudes bei – allerdings nur, wenn entsprechende Haushaltsmittel vorhanden sind. Diese Förderung wird zu "denkmalbedingten Mehrkosten der Sanierung gewährt" und es besteht zudem die Möglichkeit, denkmalgerechte Sanierungsmaßnahmen von der Steuer abzusetzen.
  • Welche Auflagen müssen berücksichtigt werden? Generell gilt durch das Denkmalschutzgesetz, dass jedwede Veränderung oder gar Beseitigung eines Kulturdenkmals der Genehmigung der Denkmalschutzbehörde bedarf, wie Kottmann klarstellt: "Es ist also für jeden noch so geringfügigen Eingriff in die bauliche Substanz ein Antrag auf denkmalschutzrechtliche Genehmigung bei der Unteren Denkmalschutzbehörde zu stellen." Zudem sind die Eigentümer laut Gesetz dazu verpflichtet ihr Kulturdenkmal "im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten und pfleglich zu behandeln." Und es gibt zahlreiche weitere Verpflichtungen: sie müssen Auskünfte erteilen, das Betreten der Gebäude durch die Denkmalschutzbehörden dulden, Schäden oder Mängel sowie bei Verkauf den Eigentumswechsel melden und noch vieles mehr.
  • Welche Probleme kann es bei Umbauten geben? Jegliche Baumaßnahmen an geschützten Gebäuden müssen denkmalgerecht durchgeführt werden. So kann es zum Beispiel dazu kommen, dass "ein Austausch von Bauteilen nicht erfolgen darf, wenn stattdessen auch eine Ertüchtigung möglich ist", wie der Bauverwaltungsleiter erklärt. Nicht zulässig kann auch der Anbau eines Balkons sein, der nicht dem Charakter des Gebäudes entspricht oder der Einbau neuer Fenster, die nicht aus Holz bestehen. Ein Kulturdenkmal abzureißen ist nur dann erlaubt, wenn ein denkmalgerechter Erhalt nicht möglich ist: Beispielweise wenn nicht mindestens 50 Prozent der geschützten Bausubstanz erhalten werden können oder unter Vorlage entsprechender Nachweise belegt werden kann, dass der Erhalt aus ökonomischer Sicht unzumutbar ist.
  • Was passiert bei Verstoß gegen die Auflagen? Verstöße gegen die Auflagen gelten als Ordnungswidrigkeit und werden nach Aussage Kottmans mit einer Geldstrafe von bis zu 250 000 Euro geahndet. In besonders schweren Fällen kann sich der Betrag sogar auf bis zu 500 000 Euro belaufen.