Als Anton Knapp vor einigen Wochen einen Anruf aus dem Staatsministerium erhielt, war er erst einmal "platt". Während seiner 27 Jahre als Bürgermeister hätte ihn das nicht überrascht, aber nun? Schließlich wurde ihm mitgeteilt, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann entschieden habe, ihn mit der Staufermedaille auszuzeichnen – eine der höchsten Auszeichnungen, die das Land Baden-Württemberg überhaupt vergibt. Die Frage, wie er sich denn die Übergabe vorstelle, überrumpelte ihn erst recht. Darüber sollten doch bitte Landrat Sven Hinterseh oder sein Nachfolger Michael Kollmeier entscheiden.

Und Kollmeier nutzte die Gelegenheit, um aus dem Neujahrsempfang – der bislang in kleinem Kreise in der Rathausgalerie gefeiert wurde – einen echten Bürgerempfang in der Festhalle zu machen. Als der Landrat ihm mitteilte, dass Anton Knapp die Staufermedaille erhalten werde, sei ihm sofort klar gewesen, dass dies ein besonderer Anlass sei. "Wenn ein Bürger dieser Stadt für seine Verdienste um das Allgemeinwohl vom Land geehrt wird, dann gilt es, auch hierfür die richtige Veranstaltung und vor allem einen würdigen Rahmen zu setzen", so Kollmeier, der mit der Neuausrichtung des Neujahresempfangs auch gleichzeitig die Bürger und die gegenseitigen Gespräche zu Beginn eines neuen Jahres in den Vordergrund rücken möchte.

Der Neujahrsempfang in einem ganz anderen Rahmen: Erstmals findet die Veranstaltung in der Festhalle statt und richtet sich an alle Bürger. <em>Bilder: Roland Sigwart</em>
Der Neujahrsempfang in einem ganz anderen Rahmen: Erstmals findet die Veranstaltung in der Festhalle statt und richtet sich an alle Bürger. Bilder: Roland Sigwart

In seiner Laudation betonte Justizminister Guido Wolf die Leistungen von Anton Knapp, schließlich wären die Voraussetzungen, die für die Verleihung der Staufermedaille gelten, sehr hoch. "Anton Knapp hat vieles bewegt", so Wolf. Als Bürgermeister wären die Grenzen zwischen Amt und Ehrenamt fließend – doch Knapp habe zu seiner eigentlichen Arbeit viel zusätzliche Ämter übernommen. Dabei habe er sich immer für den ländlichen Raum, die dezentrale Versorgung und die ausreichende finanzielle Ausstattung der Kommunen eingesetzt. "Anton Knapp hat große Politik im Kleinen gemacht." Beispielsweise beim Umweltschutz: Was nützten globale Abkommen, wenn diese dann vor Ort nicht umgesetzt würden. Nicht nur in diesem Bereich habe er "unermessliche Energie und Ausdauer" gezeigt.

Und der Geehrte selbst? Noch nie hatte Anton Knapp so emotional und bewegend, aber vor allem persönlich gesprochen. Er dankte seinen Eltern, denn "sie haben mit vielen Entbehrungen dafür gesorgt, dass ich gesundheitlich überhaupt in der Lage bin, hier sein zu können." Viele Menschen hätten ihn geprägt. Beispielsweise in St. Blasien, "wo ich aus gesundheitlichen Gründen die Schule und das Internat besucht habe". Diese Zeit habe ihn stark geprägt, auch wenn er ihm das damals noch nicht bewusst gewesen sei. Und dann noch die 1968er: "Politisch war das eine ganz andere Zeit. Wir haben viel aktiver und massiver Politik gemacht, als man sich das heute vorstellen kann.

" Für Knapp war es die Zeit, in der er die Arbeit in der Fabrik, das Abendgymnasium, seine junge Familie mit zwei kleinen Kindern und eben das politische Engagement unter einen Hut bringen musste. Die Zeit im Muggensturmer Gemeinderat seien seine "Lehr- und Gesellenjahre" gewesen.

Bürgermeister Michael Kollmeier
Bürgermeister Michael Kollmeier

Und dann 1988 die Wahl zum Bürgermeister: "Vor 30 Jahren bin nach Hüfingen gekommen. Ich bin hier heimisch geworden und werde es auch bleiben." Alle Begegnungen – ob nun Unterstützung, Zustimmung und Begleitung oder Ablehnung und Kontraposition – hätten dazu beigetragen, "dass ich heute hier oben stehe." Dabei sei die Anfangszeit in Hüfingen nicht einfach gewesen. "Aber das ist auch klar, wenn so ein Roter in so eine schwarze Gegend, die so etwas noch nie gesehen hat, kommt." Nun 30 Jahre später zeigt die Staufermedaille, dass "mir wohl einiges gelungen sein muss."

 

"2018 ist kein Jahr für Feiglinge"

"Leben und Arbeiten auf dem Lande – in der Welt zuhause": Unter dieses Motto hat Bürgermeister Michael Kollmeier seine Rede beim Neujahrsempfang gestellt. Auch 2018 sei wieder kein Jahr für Feiglinge. "Großen Herausforderungen kann man nur mit Mut und Optimismus begegnen."

  • Bildung und Erziehung: Der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit liege auch 2018 bei den Schulen und Kindergärten. Zehn Millionen Euro wird der Querbau der Lucian-Reich-Schule kosten – drei Millionen sind für das kommende Jahr veranschlagt. Auch die zentrale Kinderbetreuung in Behla wird angegangen. Von den insgesamt 1,3 Millionen Euro werden 2018 rund 900 000 Euro ausgegeben.
  • Verkehr: Hier steht vor allem für rund 1,3 Millionen Euro die Sanierung der Schaffhauser Straße an. Der erste Bauabschnitt reicht von der Kennerbachbrücke bis zur Alemannenstraße. "Wir schaffen eine deutlich ansprechende Gestaltung und verschmälern die Fahrbahn im Sinne der Verkehrssicherheit und schaffen einen leistungsfähigen Radweg", sagt Kollmeier.
  • Gewerbe: Auch hier stünden 2018 die nächsten Schritte an. So wird beispielsweise das Weihereschle geplant.
  • Bauplätze: 45 Bauplätze stehen "Auf Hohen" zum Erwerb bereit und in Mundelfingen sollen 2018 weitere 25 Bauplätze erschlossen werden. Als nächstes stehen Baugebiete in Fürstenberg und Behla an. "Allerdings muss zunächst der Dreiklan abgearbeitet werden: Erwerb – Planen- Erschließen."