Hier im Süden ist die Faszination fürs Skifahren tief verankert. Oft werden schon die kleinsten Familienmitglieder kaum dass sie stehen können mit auf die Piste mitgenommen und mit dem Fieber angesteckt. Doch was, wenn der Nachwuchs körperlich oder geistig nicht dazu in der Lage ist? Für Menschen mit Handicap bleibt der Traum vom Skiurlaub oftmals genau das – ein Traum.

Ein Mann aus Hüfingen wollte das ändern. Im Rahmen seines Zivildienstes hatte Rainer Siebold zum ersten Mal mit Menschen mit Behinderung gearbeitet und viel Spaß daran gefunden. Ursprünglich wollte er sogar Sport mit Behinderten studieren. Stattdessen verdient er nun sein Geld als Heilpraktiker und hat das soziale Engagement zum Hobby gemacht, indem er es mit seiner Passion fürs Skifahren verband. Herausgekommen ist ein Verein, der es Familien ermöglicht, unabhängig von ihrer finanziellen Situation mit Kindern, die körperlich stark eingeschränkt sind, die Piste unsicher zu machen. "Vor 16 Jahren habe ich zum ersten Mal bei einer Skifreizeit in Steinach mitgemacht. Die Teilnehmer dort kommen von vier bis fünf Behindertenschulen aus ganz Baden-Württemberg und lernen jedes Jahr eine Woche die Grundlagen des Skifahrens", berichtet der Vereinsvorsitzende von seinen ersten Erfahrungen und fügt an: "Derartige Kurse gab es in der Gegend zwar immer wieder, aber im Schwarzwald-Baar-Kreis bestand keine Möglichkeit, die Geräte auszuleihen." Ein Kauf kommt für die meisten Familien nicht in Frage, da die günstigsten Modelle bei einem Preis von 3500 Euro beginnen. Siebold sah Handlungsbedarf: Er trommelte eine Handvoll Leute für die Gründung eines Vereins zusammen und im November 2008 entstand No Limit. Von seinem eigenen Geld kaufte der Vorsitzende die ersten Geräte und legte damit die Grundlage.

Auch vor dem Sommer macht der Skispaß keinen Halt: Florian Heizmann hat viel Freude beim Wasserski-Fahren auf dem Bodensee.
Auch vor dem Sommer macht der Skispaß keinen Halt: Florian Heizmann hat viel Freude beim Wasserski-Fahren auf dem Bodensee. | Bild: Birgit Sulzmann

Seither können Interessenten die Spezialskier kostenlos ausleihen. Sie müssen lediglich Mitglied werden und einen Jahresbetrag von 25 Euro entrichten. Nach einem halben Tag Einführung, für die Siebold mit der Familie nach Eisenach fährt, können die Eltern ihre Kinder in der Regel selbstständig betreuen. "Grundvoraussetzung ist, dass die Eltern gute Skifahrer sind", stellt der Heilpraktiker klar. Die Statur spiele keine Rolle: "Auch eine zart gebaute Frau kann mit ihrem Kind über die Piste fahren. Mit der richtigen Technik ist das kein Problem."

Wichtig seien die passenden Skier. Der Verein hat verschiedene Modelle im Angebot, wobei es bei der Auswahl auf den Grad und die Art der Behinderung ankommt. Für die Mono-Ski müsse man beispielsweise seine Hände gut benutzen können, so Siebold, es sei das technisch anspruchsvollste Modell. Die Kinder sitzen alleine auf den Skiern und werden von den Eltern unterschiedlich stark unterstützt: "Am Anfang wird ein Bügel an der Sitzschale befestigt, sodass die Erwachsenen hinterherfahren und die komplette Steuerung übernehmen können. Nach und nach wird die Kontrolle dann verringert. Zunächst sind die Eltern noch über ein Gummi-Seil verbunden, damit sie bremsen können. Und irgendwann fahren die Kinder ganz alleine." Die Dual-Ski benutzen dagegen Menschen mit geistiger Behinderung, die zwar stehen, aber nicht selber lenken können. Auf diesen Geräten stehen die Eltern dauerhaft hinter den Kindern.

Der Verein bedeutet für den Vorsitzenden einen enormen Zeitaufwand. "Manchmal würde ich mir wünschen, dass die Eltern besser mitziehen. Dann könnten wir viel mehr erreichen", merkt er an. Nichtsdestotrotz brennt er für seine Sache: "Wenn es mir nicht solch einen Freude machen würde, dann hätte ich schon lange aufgehört." Und was ist das Wichtigste bei der Arbeit mit den Kindern? "Dass alle Beteiligten Spaß haben – egal ob Kind oder Betreuer."