Die Wetti-Butzer, seit mehr als 40 Jahren eine traditionsreiche Narrenzunft aus Behla, zeigten sich am Samstag von ihrer besten Seite: Narren aus dem ganzen Südwesten, aus dem Schwäbischen, aus der Ortenau vom Hegau, von der Baar, vom Bodensee oder aus dem Breisgau beraten auf ihrer Frühjahrstagung im Hüfinger Stadtteil. Auch wenn die Arbeitsgemeinschaft Süd-West-Deutscher Narrenvereinigungen und Verbände relativ trockene Themen wie Gema-Gebühren, Sicherheitskonzept, Datenschutz oder das Kulturerbe der schwäbisch-alemannischen Fastnacht erörtert: Narren sind nun mal Narren und lassen sich ihre gute Laune nicht verderben. Auch wenn die Bürokratie weniger lustige Folgen hat für das Narrentreiben landauf landab.

Aber Hüfingens Bürgermeister Michael Kollmeier zeigt sich humorvoll. "Die Baarblickhalle liegt mitten in Baden-Württemberg" sagt er und macht gleich auch ein bisschen Reklame für seine Stadt, für das Römerbad und die Gastronomie, für die Hüfinger Hinterstadt. Die Gäste dürfen sie am Nachmittag bei einer Führung mit Nachtwächter und Hebamme näher kennen lernen. "Zu uns darf auch Roland Wehrle, der Präsident der Schwäbisch-Alemannischen Narrenvereinigung, kommen", sagt Kollmeier und schränkt ein: "Wenn er sich benimmt." Wehrle gibt zurück: "Ich war mal ein Jahr lang in Sumpfohren in der Schule", sagt er, worauf Kollmeier meint: "Das hat offensichtlich nicht geschadet." Damit war das Eis gebrochen. Fehlt noch der Narrenruf der Wetti-Butzer an diesem vorsommerlichen Tag in Behla: "hui, hui, narro": Start geglückt.

Anne-Rosel Schwarz aus Wolterdingen, die Präsidentin der Schwarzwälder Narrenvereinigung (SNV), die die Tagung mit vorbereitet hatte, freut sich über die vielen Gäste, die Behla einen Tag lang zum Zentrum der Narren machen. 70 Tagungsteilnehmer von 13 großen Verbänden aus dem Südwesten diskutieren die Belange der Fastnacht und stellen die immer aufwändiger werdenden Auflagen für die Sicherheit bei Fastnachtsveranstaltungen in den Mittelpunkt.

 

Sicherheitsfragen sind ein ernstes Problem

 

Die Auflagen, die von den Behörden, von Landkreisen oder Städten in den letzten Jahren immer mehr ausgeweitet wurden, machen die Fragen der Sicherheit für die Narren zu einem Problemfeld: "Wir können das weder finanziell noch personell schultern", ist Roland Wehrle überzeugt. Die Tagung in Behla indessen habe gute Ergebnisse gebracht, sagt er. Wehrle setzt nun auf Gespräche mit Innenminister Thomas Strobl und einen Runden Tisch, der am 3. Mai in Stuttgart stattfindet.

"Wir wollen sicherstellen, dass es die Fastnacht auch in 20 Jahren noch gibt", sagt Wehrle. Die Narrenverbände wollen in den Gesprächen erreichen, dass Veranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmern künftig wieder von Genehmigungen befreit seien. "Das würde helfen unser Kulturerbe zu fördern. Es könne nicht sein, dass Sicherheitskonzepte mit 60 bis 137 Seiten Umfang umgesetzt werden müssten, sieht Wehrle dringenden Handlungsbedarf. Auflagen umfassen Brandschutz, Hygiene, Ärzte, Rotes Kreuz, Feuerwehr oder Absperrungen bei Veranstaltungen. Wehrle aber zeigt sich zuversichtlich, dass die Narrenverbände mit ihrem Gewicht bei den Gesprächen auch Änderungen erreichen können. Ein guter Weg, die Fastnacht auch in den nächsten 20 Jahren noch am Leben zu halten und die kleinen Brauchtumsveranstaltungen zu retten.

 

Narren-Tagung

13 große Narrenvereinigungen mit gut 600 Zünften von Bad Cannstadt bis an den Bodensee, von der Ortenau bis nach Oberschwaben haben den Hüfinger Stadtteil Behla am Samstag zum Mittelpunkt Baden-Württembergs gemacht, findet Hüfingens Bürgermeister Michael Kollmeier zur Tagung der Arbeitsgemeinschaft Süd-West-Deuscher Narrenvereinigunen und Verbände (ARGE) humorvolle Begrüßungsworte. Und die Partner der Tagungsteilnehmer erleben bei einer Führung eine attraktive Hüfinger Hinterstadt und einen Besuch im Römerbad: Sie schwärmen von der freundlichen Bewirtung in Hüfingen und loben die Wetti-Zunft, die sich mit ihren 200 Mitgliedern von der besten Seite zeigt. (bea)