Sieht man einen großen blauen 40-Tonner der Spedition Mayer aus Bräunlingen unterwegs auf den Straßen, kann man beim genauen Hinsehen eventuell hinterm Steuer Klaus Käfer aus Hüfingen ausmachen. Ein Namensschild hat er freilich nicht an der Scheibe kleben und auch kein Maskottchen-Klimbim hängen. Er will freie Sicht auf das, was vor ihm und unter ihm liegt: die Straße.

Hauptberuflich im Namen Gottes unterwegs

Das Besondere an diesem Brummi-Fahrer ist von außen aber nicht zu sehen, wenn er unterwegs ist. Denn hauptberuflich ist Klaus Käfer als Vikar im Namen Gottes unterwegs – aber in seinem Urlaub und in der Freizeit klemmt er sich liebend gern hinters Lastwagen-Lenkrad.

Klaus Käfer an seinem Lieblingsplatz in der Freizeit und im Urlaub: Auf dem Fahrersitz eines 40-Tonners. Er bringt leidenschaftlich gerne die ihm anvertrauten Güter an ihren Bestimmungsort.
Klaus Käfer an seinem Lieblingsplatz in der Freizeit und im Urlaub: Auf dem Fahrersitz eines 40-Tonners. Er bringt leidenschaftlich gerne die ihm anvertrauten Güter an ihren Bestimmungsort. | Bild: Gabi Lendle

Im vergangenen Jahr hat Erzbischof Stephan Burger Klaus Käfer im Freiburger Münster zum römisch-katholischen Priester geweiht. Derzeit hat er eine Vikarstelle in der Gemeinde Laitz-Leiberdingen bei Sigmaringen mit neun Gemeinden.

Tief in Hüfingen verwurzelt

Seinen Urlaub verbringt er in seiner Heimatstadt Hüfingen, zu der er noch einen engen Kontakt pflegt und wo er verwurzelt ist. Er kommt gerne zu seiner großen Familie nach Hause, zu seinen Freunden in der Kolpingsfamilie, den Schächerkatzen – und zur Spedition Mayer.

Einen Kindheitstraum verwirklicht

Dort hat sich der 34-jährige Priester vor 13 Jahren einen Kindheitstraum verwirklicht und hat mit 21 Jahren angefangen, schwere Laster zu chauffieren. „Mein Bruder hat sich damals zum Traktorführerschein angemeldet. Ich bin mit ihm zur Fahrschule gegangen und habe den Lastwagen-Führerschein gemacht“, erzählt er.

Solide Ausbildungen absolviert

Damals wusste er noch nicht, dass er sich später in den Dienst der Kirche stellen würde. Klaus Käfer hat eine solide Lehre als Maurer und – nach der Fachhochschulreife – eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert. Danach ist er eine zeitlang Lastwagen gefahren, denn er wollte etwas Zeit gewinnen und Geld verdienen.

Leidenschaft hat ihn nie verlassen

Das Gefühl, stets auf Achse zu sein, möchte er nicht missen; die dazugehörigen Erlebnisse auch nicht. Dies Leidenschaft hat ihn nie verlassen: Er fährt in seiner Freizeit als Aushilfsfahrer je nach Bedarf einen der knapp 40 königsblauen Fünfachser der Spedition Mayer. Sie sind als Glieder- und Sattelzüge mit Kränen und Mitnahmestaplern im süddeutschen Raum und im benachbarten Ausland unterwegs.

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Der Job ist anspruchsvoll und jede Tour hat ihre eigenen Strecken und Erlebnisse. Zu den Anforderungen gehören nicht nur die Lenkzeiten hinterm Steuer, sondern auch das Be- und Entladen mit einem Gabelstapler oder Hubwagen sowie die Ladungssicherung.

Jede Tour bietet Abwechslung

„Es muss formschlüssig geladen werden und – je nachdem, was transportiert wird – auch mit Spanngurten gesichert werden“ erklärt Klaus Käfer. Immer neue Streckenführungen und Ziele mit Retourladungen, der Kontakt zum Disponenten, das Übernachten in der komfortablen Kabine mit Bett und Kühlschrank, der Kontakt zu anderen Fahrern und Menschen beim Be- und Entladen geben den Touren für ihn einen interessanten Charakter.

Klaus Käfer ist katholischer Priester und dennoch bleibt er seiner Leidenschaft treu. Er ist begeisterter Lastwagenfahrer und möchte seine Erlebnisse auf der Straße nicht missen. In den Ferien steht er der Spedition Mayer in Bräunlingen aus Fahrer zur Verfügung und freut sich über jeden Einsatz.
Klaus Käfer ist katholischer Priester und dennoch bleibt er seiner Leidenschaft treu. Er ist begeisterter Lastwagenfahrer und möchte seine Erlebnisse auf der Straße nicht missen. In den Ferien steht er der Spedition Mayer in Bräunlingen aus Fahrer zur Verfügung und freut sich über jeden Einsatz. | Bild: Gabi Lendle

Gute zwei Meter hoch sitzt der Chauffeur in der Fahrerkabine, gute Übersichten bieten zudem diverse Spiegel. Unter sich spürt er den etwa 460 PS starken Motor. Die Technik ist auf dem neusten Stand, dennoch ist Klaus Käfer für etwaige Pannen gerüstet und könnte auch allein einen Reifen wechseln.

Viele Menschen kennengelernt

„Das Gefühl, mit solch einem großen Lkw auf Achse zu sein und dabei ganz unterschiedliche Menschen kennenzulernen, begeistert mich immer. Obwohl man beim Fahren hochkonzentriert sein muss, nutze ich diese Zeit, um zu reflektieren“ erzählt Klaus Käfer.

Modernes Nomadenleben

Die Tätigkeit könnte man mit einem modernen Nomadenleben umschreiben. Die Wurzeln in der Heimat, bei Familie und Freunden geben Rückhalt. „Das Steuern von solch einem Lkw ist zumindest bei mir eine Art Berufung, gleichsam wie das Priesteramt. Beim Letzteren bringe ich das Wort Gottes unter die Menschen, beim Fahren mit einem vollbeladenen Lkw die Waren und Güter. In beiden Fällen bekommt man etwas anvertraut“, vergleicht er.

Sehr gerne für Arbeitnehmer da

Sein berufliches Ziel als Priester sieht er auch in der Seelsorge für Arbeitnehmer im Alltag. „Es gibt bereits schon Fernfahrer-Seelsorger, denn auf den Straßen sind jede Menge Fahrer unterwegs. Diese können wie andere Schichtarbeiter nicht in ihrer knappen Freizeit am Sonntag zur Kirche gehen, schließlich sollen sie auch für ihre Familie und Kinder da sein. Ich möchte den Menschen in ihrer Arbeitswelt und an Brennpunkten anhören, sie unterstützen und für sie eintreten. Mein Traum ist es, als Priester zumindest an einigen Tagen in der Arbeitnehmer-Seelsorge tätig zu sein“, erklärt er.

Schwierige Seiten des Lastwagenfahrer-Berufs

Die Probleme wie zum Beispiel die Parkplatzsuche am Abend oder für Pausenzeiten kennt er bestens. „Es fehlen jede Menge Plätze mit sanitären Anlagen sowie zur Reinigung und Instandhaltung für die Lkws. Nicht nur an den Straßen, sondern auch in den Industriegebieten.“ Zudem hat Käfer die Erfahrung gemacht, dass die Anerkennung dieses Berufes in Deutschland nicht hoch ist. „Man wird vielerorts nicht freundlich begrüßt. In der Schweiz ist es anders, dort hat man als Chauffeur einen besseren Status.“