Niemand verlässt seine Heimat ohne einen triftigen Grund. Viele Menschen riskieren eine gefährliche Flucht, um in Freiheit leben zu können. Was für uns in Europa selbstverständlich ist, nämlich als freier Bürger zu leben, bleibt vielen Menschen durch Krieg, Krisen, Hunger und anderen Notlagen versagt. Für ein Beispiel gelungener Integration steht Miguel Quilamba aus Hüfingen.

Mitglied in vielen Vereinen

Als 24-jähriger junger Mann wagte er im Jahr 1990 ganz allein die Flucht aus dem kommunistisch regierten Angola nach Europa und Deutschland, um in Freiheit leben zu können. Auf der Baar fand er eine neue Heimat und hat sich vor allem durch seine freundliche und aufgeschlossene Art viele Freunde und ein glückliches Lebensumfeld geschaffen. Miguel Quilamba ist in verschiedenen Vereinen aktiv. So singt er leidenschaftlich bei den „Singing Voices“, ist begeisterter Läufer und Leichtathlet, malt aussagekräftige Bilder, die er bereits im Kunstkreis ausgestellt hat, und scheut sich auch nicht, für seine zweite Heimat Hüfingen Verantwortung in der Gemeindepolitik zu übernehmen. Denn sein Interesse an der demokratischen Mitbestimmung des Volkes ist sehr groß. Derartige Freiheiten gab es im kommunistisch regierten Angola nicht.

Die Erinnerung kommt zurück

Nun hat der dreifache Vater ein Buch über seine Flucht geschrieben und veröffentlicht. „Mein Schrei nach Freiheit“ lautet der Titel seines knapp über 300 Seiten umfassenden Werkes, in dem er seine Kindheit und Jugend in Angola, seine Ausbildung zum Pionier und später im Staatssicherheitsdienst sowie seine Flucht aus politischen Gründen beschreibt. „Anfangs wollte ich gar nicht darüber reden, denn ich hatte große Angst, ob ich das überhaupt darf. Nun bin ich soweit gefestigt und habe auch das Vertrauen zu den Deutschen, dass ich im Jahr 2013 zu schreiben angefangen habe“, erzählt Miguel Quilamba. Mit dem Aufschreiben sind ihm viele Details wieder eingefallen, die er als politischer Flüchtling erlebt hat. „Mit dem Buch kann ich all diese Erlebnisse wie den Verlust der Heimat und meiner Familie, die schwierige Flucht, die Angst sowie den Neubeginn in Deutschland für mich aufarbeiten und auch meinen Kindern die Geschichte meines Lebens hinterlassen. Für mich ist das ein erneuter Befreiungsschlag“, erklärt Miguel Quilamba.

„Habe vollen Respekt“

Seine drei erwachsenen Kinder sind stolz auf ihren Papa, dass er so mutig war, sich als 24-jähriger ganz allein auf die Flucht zu begeben. „Ich habe heute vollen Respekt für die Flüchtlinge, die herkommen, weil ich ahnen kann, was sie durchmachen müssen“, gibt Miguel Quilamba zu. Gerade im Hinblick auf die vielen Flüchtlinge und deren oft sehr gefährliche Flucht ist das Buch mit Sicherheit lesenswert.

„Fühle mich hier zuhause“

Spätestens jedes zweite Jahr besucht Quilamba seine Eltern in Angola, auch seine Kinder waren schon öfters mit dabei. „Sein Heimatgefühl verliert man nie, dennoch fühle ich mich hier zu Hause und daheim“, gibt er unumwunden zu. Meistens habe er nachts oder sogar schon morgens um fünf Uhr die Ruhe genutzt, um seine Erinnerungen an diese Zeit seines Lebens aufs Papier zu bringen. Dabei sei ihm bewusst geworden, dass es gar nicht so einfach ist, ein Buch zu schreiben. Die meisten Aufzeichnungen erfolgten sogar mit der Hand, denn Miguel Quilamba hat Freude an schöner Kalligraphie. „Ich habe den kompletten Text in deutscher Sprache geschrieben“, berichtet er mit großem Stolz. Das dürfte auch als Indiz dafür gelten, dass Miguel Quilamba hier auf der Baar als freier Bürger glücklich daheim ist.

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