Können Landwirtschaft und Neubaugebiet in unmittelbarer Nachbarschaft funktionieren? Eine deutliche Meinung hat dazu Max Bogenschütz, der in Sumpfohren den gleichnamigen Demeterhof betreibt. „Das Baugebiet soll genau vor meinem 2008 erbauten Stall errichtet werden“, erklärt der Landwirt in der ersten Sitzung des neuen Gemeinderates. Außerdem werde der aktive Weidebetrieb erschwert und der Landwirt sieht auch die Gefahr, dass seine Erweiterungsmöglichkeiten rapide schwinden, wenn direkt vor seiner Haustüre ein Neubaugebiet entsteht. „Der Betrieb ist die Lebensgrundlage für drei Familien mit Kindern“, erklärt Max Bogenschütz.

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„Ich soll Rücksicht auf das Neubaugebiet nehmen? Wer war denn zuerst da?“, fragt der Sumpfohrener Landwirt. Konfliktpotenzial sieht er jetzt schon reichlich, obwohl sich das Neubaugebiet aktuell erst in der Planungsphase befindet: Die Häuslebauer wären sicher nicht glücklich, wenn sich die Schweine direkt vor ihrer Terrasse suhlen würden. Und auch dass er täglich bis zu viermal die Tiere am Baugebiet vorbei auf seinen Hof oder die Weide führe, sorge sicher nicht für Begeisterung.

„Ein Dorf braucht auch Bevölkerung.“

Eine etwas andere Meinung hat man hingegen im Hüfinger Rathaus: „Das Baugebiet und die Landwirtschaft sollen nicht in Konkurrenz zu einander treten. Das ist kein gegeneinander“, sagt Bürgermeister Michael Kollmeier. Der bestehende Betrieb habe grundsätzlich Bestandsschutz und müsse daher nicht um seine Existenz fürchten. Eine andere Sache sei das allerdings bei der Erweiterung des Stalles und der Güllegrube. Das müsse sachgerecht angegangen werden. Aber man müsse auch die Wünsche der Sumpfohrener berücksichtigen: Es gebe den Bedarf für Neubauplätze und jeder der sich neu ansiedele, halte die Infrastruktur und die Vereine am Leben. „Ein Dorf braucht auch Bevölkerung.“

Stadträte sprechen sich größtenteils für Baugebiet aus

Es war nicht die erste Unterhaltung, die Max Bogenschütz und Michael Kollmeier zu diesem Thema führten. Doch wie sehen das eigentlich die Hüfinger Stadträte. „Sumpfohren hat nur noch einen Bauplatz und die Stadt muss tätig werden – wie in den anderen Ortsteilen auch“, sagt CDU-Fraktionssprecher Christof Faller. Jedoch müsse auch der Hof Bogenschütz weiter existieren können. Das Ganze sei ein Abwägungsprozess und die Stadt könne nicht von vorne anfangen, denn bis es eine Alternative zu dem geplanten Baugebiet gebe, würden Jahre ins Land gehen.

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Die Entwicklungsmöglichkeiten von Sumpfohren hat auch die SPD-Fraktionssprecherin Kerstin Skodell im Blick: „Wenn sich in Sumpfohren Neubürger ansiedeln wollen, dann werden wir uns nicht dagegenstellen“, sagt die SPD-Fraktionssprecherin. Der Möglichkeit, an einer anderen Stelle ein Neubaugebiet auszuweisen, räumt Skodell wenig Chancen ein. „Wir wissen aus Erfahrungen, wie schwierig das ist, wenn das Gebiet nicht schon im Flächennutzungsplan ausgewiesen ist“, sagt Kerstin Skodell.

Baumann empfiehlt ein „Chefgespräch von Chef zu Chef“

Adolf Baumann, Fraktionssprecher des Dreierbündnisses FW/FDP/UWV, betonte die Wichtigkeit und die Richtigkeit des Baugebietes. „Es gehen mindestens noch zwei Jahre ins Land, bis dort die ersten Bauen könne, deswegen müssen wir jetzt das Baugebiet planen“, so Baumann, der allerdings auch das Konfliktpotenzial mit dem benachbarten landwirtschaftlichen Betrieb. „Ich empfehle ein Chefgespräch von Chef zu Chef“, sagte Baumann in Richtung Kollmeier, der sich mit Max Bogenschütz zusammensetzen solle.

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„Wir sind natürlich gegen den Flächenfraß“, sagt Peter Albert, der Sprecher der BFSO/Grünen-Fraktion. Auch in Sumpfohren gebe es noch viele innerörtliche Flächen, die noch erschlossen werden könnten. Gleichzeitig verwies Albert auf das Projekt Flächenmanagement, bei dem die drei Städte Bräunlingen, Hüfingen und Donaueschingen sich gemeinsam für das Thema Innenentwicklung stark machen.

Für Innenentwicklung braucht es auf verkaufsbereite Eigentümer

Wenig Chancen sieht allerdings Bürgermeister Michael Kollmeier im Bezug auf mögliche Bauplätze im Bereich der Innenentwicklung. Hüfingen arbeite zwar weiterhin mit dem Flächenmanager zusammen und dieser zeige den Eigentümer auch Perspektiven auf und die Ortsvorsteherin Ancilla Batsching habe viele Gespräch geführt. „Doch nicht alle sind verkaufbereit“, so der Hüfinger Bürgermeister.

Keine riesen Grundstücke geplant

Bei dem geplanten Baugebiet handle es sich um eine Fläche mit 0,8 Hektar, die ideal für die Entwicklung sei. „Man kann nicht einfach mit dem Finger über die Karte fahren und entscheiden, wo gebaut werden soll“, so Michael Kollmeier. Man müsse schon im Besitz der Flächen sein oder die Chance haben, an diese überhaupt zu einem bezahlbaren Preis heranzukommen. Und zum Thema Flächenverbrauch sagt Kollmeier: „Es wird da keine riesen Grundstücke geben.“

Kühe können auch über die Wiese laufen

Doch wie kommen nun die Kühe zur Weide? Mitten durchs Neubaugebiet? Denn bislang nutzten sie einen kleinen Weg. Zukünftig sollen dort aber Häuser stehen. Die Stadtverwaltung sieht kein Problem, wenn die Kühe zehn Meter weiter oben zur Weide getrieben werden. „Schließlich sind Kühe ja geländegängig“, so der Bürgermeister.

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Ganz anders sieht das allerdings die Grünen-Stadträtin Hannah Jaag. Sie kann nicht ganz nachvollziehen, warum ausgerechnet noch der Weg zum Baugebiet gehören soll und warum Flächen zu Bauland entwickelt werden sollen, die im Flächennutzungsplan gar nicht als solche vorgesehen sind. „Wir planen eine Erschließungsstraße und rechts und links Baugrundstücke. Deshalb brauchen wir noch ein kleines Stück, das nicht im Flächennutzungsplan ist“, erklärt der Stadtbaumeister Leopold Jerger. Würde man das nicht so machen, wären es mindestens zwei Bauplätze weniger, die man dann realisieren könnte. Und der Flächennutzungsplan würde nun in den allerseltesten Fällen exakt mit den Flurgrundstücken übereinstimmen.

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